Ukraine

Wladimir Putin. Bild: EPA

Telefonat mit Barroso

Putin: «Wenn ich will, nehme ich Kiew in zwei Wochen ein»

Wladimir Putin soll EU-Kommissionschef Barroso am Telefon gedroht haben, er könne die ukrainische Hauptstadt Kiew in zwei Wochen einnehmen, berichtete eine italienische Zeitung.

01.09.14, 16:58

Ein Artikel von

Inmitten der Zuspitzung der Ukraine-Krise sorgt eine mutmassliche Drohung Wladimir Putins für Aufsehen. Die italienische Zeitung «La Repubblica» berichtet in einer Rekonstruktion des EU-Gipfels am Samstag in Brüssel, der scheidende Kommissionspräsident José Manuel Barroso habe den versammelten Staats- und Regierungschefs von einem Telefonat berichtet, das er soeben mit dem russischen Präsidenten geführt habe.

Barroso habe ihn wegen der grenzübergreifend operierenden Soldaten zur Rede stellen wollen. Daraufhin habe Putin geantwortet: Das Entscheidende sei vielmehr: «Wenn ich wollte, könnte ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.» Ein westeuropäischer Diplomat, der den Gipfel begleitete, bestätigte Spiegel online, dass Barroso die Episode so geschildert habe.

Laut «Repubblica» habe Putin mit dem Satz deutlich machen wollen, dass man ihn nicht mit neuen Sanktionen provozieren solle. Nach Barrosos Wortmeldung habe der britische Premier David Cameron vor einer Beschwichtigungspolitik gegenüber Putin gewarnt. Man dürfe nicht die Fehler des «Appeasement» gegenüber Nazi-Deutschland im Jahr 1938 wiederholen. Der Autor der «Repubblica» schreibt, Vertreter mehrerer Delegationen hätten ihm den Ablauf des Wortwechsels bestätigt.

Das Blatt berichtet auch, dass zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel das Wort ergriffen und wütend gewirkt habe. Putin bewege sich auf eine militärische Eskalation hin, wird sie zitiert. Demnach warnte die Kanzlerin davor, dass nach der Ukraine auch Lettland und Estland von russischen Plänen betroffen sein könnten. 

Das scheint plausibel: Merkel hat wiederholt gewarnt, man könne Putin in diesem Konflikt nicht trauen. Auch in ihrer Regierungserklärung im Bundestag am Montag warf die Kanzlerin Moskau vor, im Ukraine-Konflikt gewaltsam die Grenzen verändern zu wollen.

(fab/csc)

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
4Alle Kommentare anzeigen
4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Zeit_Genosse 01.09.2014 20:54
    Highlight Die militärische Supermacht Russland führt vor den Toren Europas einen expansiven Krieg. Europa weiss ob der Äusserungen und neusten Handlungen Putins nicht wie reagieren. Wenn man verständlicherweise nicht "militärisch antwortet" und sich auf einen Krieg mit Russland einlässt, bleibt nur Zuschauen und die Hoffnung, dass die Sanktionen wirken und Russland wirtschaftlich isolieren. Politisch gibt es kein Einlenken, so lange Putin nicht ernsthaft unter Druck gerät. Die Ukraine ist aber verloren. Ob die Nato die Ukraine aufgibt, dafür andere Staaten einbezieht und mit US-Hilfe "beschützt"?

    3 2 Melden
  • Roland Rutz 01.09.2014 20:41
    Highlight Und wegen wem eskaliert die Situation in der Ukraine nun? Barroso und die USA haben Putin die Ukraine auf dem Silbertablett serviert. Barroso wegen seinen Plänen, die Ukraine müsse sich zwischen EU und Russland entscheiden (warum hätte dieses Land nicht einfach Verträgen mit beiden machen dürfen?). Und die USA, da sie angeblich den Oppositionellen von Janukovitch Geld und Waffen für die Unruhen zur Verfügung gestellt haben. Dann noch die Sanktionen seitens der USA und EU, mit welchen sie sich selber schaden, und die Putin total kalt lassen. Unterschätzt niemals die Macht Putins
    1 5 Melden
    • goschi 01.09.2014 21:37
      Highlight Nicht die EU hat dieses Ultimatum gesetzt, sondern Russland, das drohte seine Freihandelszone abzusagen, sollte die EU-Assoziierung unterschrieben werden, bitte vertauschen Sie nicht die Fakten!

      Und welches Geld der USA für Waffen?
      Wenn sie auf die viel zitierten 5Mrd. $ anspielen, das ist die Gesamtsumme, die seit 1991 in der Ukraine zur Unterstützung des Demokratisierungsprozesses aufgewendet wurden, darin beinhaltet sind zB Kosten zum Abbau des Nukleararsenals, das man von der UdSSR erbte, Das ist kein geheimes Umsturzprojekt, das ist die Förderung die +/- alle Ostblockstaaten erhielten.
      2 0 Melden
  • sewi 01.09.2014 20:19
    Highlight Putin wird die Grenzen so ziehen wie er es für richtig hält.
    3 1 Melden

So arbeitet das geheime Netzwerk der Russland-Propaganda

Diese Story wurde 2015 auf watson publiziert. Aus aktuellem Anlass haben wir sie um den TV-Tipp unten aktualisiert.

Unzählige Falschmeldungen und gefälschte Fotos sowie Videos aus der Ukraine verbreitet die Propaganda aus Russland seit Monaten. Dahinter stecken Hunderte von Trollen in Russland, die vom Kreml finanziert werden, und eine Handvoll deutschsprachiger Journalisten. Aber auch mehrere Dutzend «Überzeugungs-Trolle» in der Schweiz, die aus eigenem Antrieb …

Artikel lesen