Unvergessen

Auch dank «Mud» Bruneteaus Tor gegen die Montreal Maroons gewinnen die Detroit Red Wings 1936 den Stanley Cup. bild: hockey-reference.com

Im längsten NHL-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst um 2.35 Uhr nachts

24. März 1936: Die Detroit Red Wings besiegen die Montréal Maroons im ersten Spiel des Stanley-Cup-Halbfinals erst nach 176 Minuten und 36 Sekunden im 9. Drittel. Das einzige Tor fällt, als der Milchmann in Montréal bereits wieder seine Arbeit aufnimmt.

24.03.17, 00:01

Um 02.35 Uhr fällt die Entscheidung im damals mit 9500 Fans ausverkauften Forum: Modere Fernand «Mud» Bruneteau, 21 Jahre alt, setzt den Puck an Montréals Torhüter Lorne Chabot vorbei zum 1:0 ins Netz. Es ist der Sieg im ersten Halbfinalspiel gegen die Montréal Maroons (nicht die Montréal Canadiens). Die Maroons existierten von 1924 bis 1938 und gewannen zweimal den Stanley Cup (1926 und 1935). 

Rekord überboten

Besagte Partie ist in der NHL nach wie vor die längste. Im internationalen Vergleich wurde die Spielzeit aber jüngst überboten – von einem Playoffspiel in Norwegen, das erst in der achten Verlängerung entschieden wurde.
Die längsten Eishockeyspiele der Welt:
1. Storhamar – Sparta, Get-Liga, 2017, 217 Minuten und 14 Sekunden.
2. Detroit Red Wings – Montreal Maroons, NHL, 1936, 176 Minuten und 30 Sekunden.
3. Kölner Haie – Adler Mannheim, Deutschland, 2008, 168 Minuten und 16 Sekunden.
4. Gomel – Junost, Weisrussland, 2015, 165 Minuten und 11 Sekunden.
5. Toronto Maple Leafs – Boston Bruins, NHL 1933, 164 Minuten und 46 Sekunden.

Detroit gewinnt nach dem historischen 1:0-Sieg die Serie schliesslich locker 3:0. Anschliessend besiegen die «roten Flügel» im Final die Toronto Maple Leafs und holen den ersten Stanley Cup der Klubgeschichte. Zehn weitere werden noch folgen.

So sah Hockey damals aus: Die Montreal Maroons verlieren ein Jahr nach dem historischen Spiel im Stanley-Cup-Halbfinal auch die erste Partie gegen die New York Rangers. Video: YouTube/Montreal Hockey Inside Out

Der Schütze und sein Tor

Modere Fernand «Mud» Bruneteau Bild: factfixx.com

Torschütze «Mud» Bruneteau arbeitet im Sommer 1935 in einer Getreideannahmestelle in Winnipeg. Damals verdienen die NHL-Profis noch nicht genug zum Leben und müssen nach der Saison einer geregelten Arbeit nachgehen. Er erzielt den Treffer auf Pass von Pete Kelly und 2003 verrät der Passgeber: «Der Torrichter liess die rote Lampe nach dem Treffer nicht aufleuchten.» 

Die Legende geht um, er sei wohl eingeschlafen. Die rote Lampe muss allerdings gar nicht aufleuchten: Der Puck bleibt nämlich im Tornetz hängen. Baz O’Meara, der Starschreiber des Montréal Star, notiert trocken: «Bruneteau scored just about the time the milkman was starting to steam out on his morning rounds.» Bruneteau trifft also, als sich der Milchmann gerade auf seine Morgerunde macht.

92 Paraden – und doch weit weg von der Bestmarke

Detroits Torhüter Normie Smith hält 92 Schüsse. Er erzählt dem Chronisten Brian McFarlane, er habe nach dem Spiel in einer Bar noch einen Drink bestellt und sei dann hingefallen. «Die Leute dachten, ich sei stockbetrunken. Aber ich war einfach so müde, dass mir die Beine wegknickten.» 

«Ich war einfach so müde, dass mir die Beine wegknickten.»

Detroit-Keeper Normie Smith nach dem Spiel.

Wayne Gretzky

Mit Abstand die meisten Rekorde in der NHL hält Wayne Gretzky. Er schoss unter anderem die meisten Tore, gab die meisten Assists und holte die meisten Punkte in einer Playoff-Saison. Dies sind nur wenige seiner unzähligen Bestleistungen. Hier geht's zur Story über die Rekorde von «The Great One».

92 gehaltene Schüsse sind allerdings trotz der Rekord-Arbeitszeit keine Bestmarke. Bostons Torhüter Cecil Thompson stoppt im Playoffspiel gegen die Toronto Maple Leafs in der Nacht vom 3. auf den 4. April 1933 sage und schreibe 113 Schüsse. Der 114. Versuch der Maple Leafs landet nach 164 Minuten und 46 Sekunden zum 1:0 im Netz. Es war das bis zu diesem Zeitpunkt längste Spiel der Geschichte und es ist bis heute das fünftlängste aller Zeiten geblieben. Thompson ist auch als erster Torhüter, der in der Schlussphase eines Spiels durch einen sechsten Feldspieler ersetzt wurde, in die Geschichte eingegangen.

Mit etwas Verspätung erhält Torschütze «Mud» Bruneteau den Puck, mit dem er sein historisches Tor erzielt hat. bild: getty images north

Ein unerwartetes Geschenk

Doch zurück zum Rekordspiel zwischen den Maroons und Detroit: Am nächsten Tag sucht Montréals Torhüter Lorne Chabot in der Stadt das Hotel auf, in dem die Red Wings logieren. Er trifft in der Lobby Coach Jack Adams und erkundigt sich nach Bruneteau. Es wird ihm beschieden, der junge Mann sei nicht da. Chabot greift in seine Jackentasche, holt den Puck hervor und drückt ihn Adams in die Hand. «Gib ihn dem jungen Mann als Souvenir.» Ja, es ist damals noch die gute alte Zeit der sportlichen Ritterlichkeit.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 

Big Business NHL – das sind die Klubs wert

Witziges zum Eishockey

Weil jeder Bilderrätsel liebt: Erkennst du diese Eishockey-Stars?

Schisshaas, Schiller, #stancescuout – der Facebook-Wahnsinn der Playoff-Viertelfinals

Darling, Holden Zucker – Hockeyspieler erzählen mit ihren Namen Geschichten

Der ultimative Hockey-Guide: Dieses Diagramm weist dir den Weg zu deinem Lieblingsteam

Musst du als Hockey-Liebhaber einfach kennen: Die 9 wichtigsten Grafiken zur NLB

Die streng geheimen Einladungen für die Weihnachtsessen der NLA-Klubs

Titel, Batzeli und Zürifäscht: Wir haben die Postkarten-Feriengrüsse der Eishockey-Stars abgefangen

Was nach dem Playoff-Final WIRKLICH abging

10 Bilder, die zeigen, was die Playoff-Halbfinalisten während den Partien wirklich denken

«Was ist der Unterschied zwischen Genf-Servette und Tinder?» 12 kurze Witze zu den Schweizer Eishockey-Klubs

Was haben Harold Kreis und Frodo Beutlin gemeinsam? Wir gehen mit den NLA-Trainern in die zweite Witzrunde

«Was ist der Unterschied zwischen Genf-Servette und Tinder?» 12 kurze Witze zu den Schweizer Eishockey-Klubs

Schoppen, Bibeli und Divas – erkennst du alle NLA-Klubs in der grossen Emoji-Tabelle?

Vom 2-Bier-Kerl bis zum Tussi am Handy: Diese 11 Typen triffst du in jeder NLA-Kurve

Der HCD ist da, wo es viel Bier gibt, und Servette haut nicht nur den Lukas – wenn die NLA ein Oktoberfest wäre

Wir haben Schweizer Eishockey-Grössen etwas umgestylt – erkennst du sie trotzdem?

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

User-Review:
Galghamon, 3.12.2016
Ein guter Mix von News und Unterhaltung, sowie der Mut zur kritischen Analyse.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1 Kommentar anzeigen
1
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • eldo 24.03.2017 13:48
    Highlight Interessante Story. Wenn aber zuhause Playoffs laufen, sollte man darüber schreiben! So Zeugs kann man während Natipause oder nach der Saison veröffentlichen.

    Gestern Abend fanden zwei Halbfinalspiele statt und Klaus Zaugg schreibt über Playoutfinal und ein historisches Spiel aus dem Jahre 1936...tststs

    Mich würde "Freilos" EVZ interessieren :)
    1 2 Melden
    600

Weltrekord! Norwegisches Playoffspiel endet erst um 2.32 Uhr in der 8. Overtime

Im norwegischen Eishockey hat es gestern einen Vorgeschmack darauf gegeben, was ab der nächsten Saison auch in der heimischen Liga auf Spieler und Fans zukommen kann. Das Playoff-Spiel zwischen den Storhamar Dragons und den Sparta Warriors wurde erst in der achten Verlängerung entschieden – Weltrekord!

Ob bei Spielschluss noch alle der ursprünglich 5526 Zuschauer in der Arena «Nordlyshallen» sassen, darüber gibt es keine gesicherte Meldung. Es ist allerdings stark zu bezweifeln. Jene, die geblieben sind, dürfen sich nun aber Zeuge eines Eishockey-Weltrekords nennen. 

Um 18 Uhr am Sonntagabend begann das fünfte Spiel der Playoff-Viertelfinalserie zwischen den Storhamar Dragons und den Sparta Warriors. Um 2.32 Uhr morgens am Montag – nach 217 Minuten und 14 Sekunden Spielzeit – fiel …

Artikel lesen