Unvergessen

Sechs Häuflein Elend: Japanische Nationalspieler nach dem dramatischen Out in der WM-Qualifikation. Bild: AFLO

«Die Tragödie von Doha» oder wieso die WM 2022 vielleicht doch toll wird

28. Oktober 1993: Japan vergibt die Qualifikation für die Fussball-WM in den USA in allerletzter Sekunde. Weil der Irak in der Nachspielzeit zum 2:2 ausgleicht, fliegt Südkorea an die WM.

Publiziert: 28.10.16, 00:01

Nur zwei asiatische Teams dürfen an der Fussball-WM 1994 dabei sein. Verteilt werden diese Plätze nach einer Vorqualifikation an einem Turnier in Katar, dem Austragungsort der WM 2022. Gespielt wird in Stadien, von welchen die NZZ schwärmt, sie seien «Schmuckstücke, von denen bei uns nur geträumt wird.» Das Turnier selber sei perfekt organisiert gewesen, berichtet der Korrespondent, der auch die «traditionelle Gastfreundschaft der Katarer» lobt. Wenn das mal kein gutes Omen für das Turnier 2022 ist!

Auf dem Rasen entscheidet sich erst am letzten Tag, welche beiden der sechs Teilnehmer an die WM 1994 reisen können. Saudi-Arabien sichert sich das erste Ticket, dank eines 4:3-Siegs gegen den Iran.

Saudi-Arabien jubelt: Dank dem 4:3-Erfolg gegen den Iran fahren die Grün-Weissen erstmals an eine WM. Video: YouTube/sp1873

Japan führt bis in die Nachspielzeit

Um den zweiten Platz an der Endrunde in den USA streiten sich in einem Fernduell Japan und Südkorea, wobei die Japaner die besseren Karten haben. Südkorea schlägt den Erzfeind Nordkorea mit 3:0 und muss auf Schützenhilfe des Iraks hoffen, der in der letzten Partie gegen Japan antritt.

Nach 90 Minuten ist Japan auf Kurs, die «blauen Samurai» führen mit 2:1. Doch noch ist das Spiel nicht vorbei. Ein Corner für die Iraker, eine Flanke in die Mitte und dort steigt der eingewechselte Jaffar Omran Salman hoch – und er trifft zum 2:2-Ausgleich.

Jaffar Omran Salman köpfelt das 2:2 – drei Japaner sinken synchron zu Boden. GIF: Youtube/K murasaki

Schweizer Schiri mittendrin

Wenige Augenblicke nach dem Ausgleich pfeift Schiedsrichter Serge Muhmentaler aus Grenchen das Spiel ab. Japan ist am Boden zerstört, Südkorea jubelt mit dem Irak mit. «Unsere Spieler waren sehr nervös, sie konnten dem Druck der Iraker schlicht nicht stand halten», erklärte Hans Ooft, der holländische Coach der Japaner, im Telegraph. Zehn Tage nach dem Ausscheiden ist Ooft seinen Job los.

Während das 2:2 in der japanischen Fussballkultur als «Tragödie von Doha» Eingang findet, ist das Spiel in Südkorea bis heute als «Wunder von Doha» ein Begriff. In ihrem Frust klauen japanische Anhänger die Flagge der irakischen Botschaft in Tokio. Dafür freut sich der irakische Botschafter in Seoul über hunderte Dankesanrufe südkoreanischer Fans.

Die Entscheidung in Doha: Japan vergeigt die WM-Teilnahme. Video: YouTube/K murasaki

Die Japaner verpassen die erstmalige Teilnahme an einer Fussball-Weltmeisterschaft. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die WM 1994 ist die bislang letzte, die ohne Japan stattfindet. Seither ist das Land der aufgehenden Sonne immer dabei, wenn es um den FIFA-Pokal geht. Sie überstehen aber nur zwei Mal die Vorrunde und scheiden bei diesen beiden Versuchen jeweils im Achtelfinal aus.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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