Unvergessen

Hitzfeld zeigt dem Schiedsrichter im Spiel gegen Norwegen gleich zwei Mal den Stinkefinger. screenshot:srf.ch

Hitzfeld zeigt den Mittelfinger und macht sich danach mit faulen Ausreden lächerlich

12. Oktober 2012: Ottmar Hitzfeld zeigt dem Schiedsrichter im WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen den Mittelfinger. Um seiner gerechten Strafe zu entgehen, behauptet der Nati-Trainer danach, die Geste sei gegen sich selbst gerichtet gewesen.

12.10.17, 00:05 12.10.17, 08:25

Nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen sind die Spieler der Schweizer Nationalmannschaft ausser sich vor Wut. Weil Brede Hangeland kurz nach dem Führungstreffer von Mario Gavranovic der 1:1-Ausgleich gelingt, verpasst es die Nati, den direkten Kontrahenten um den Gruppensieg vorzeitig entscheidend zu distanzieren. Schuld an der verpassten Chance tragen jedoch nicht die Spieler selbst, sondern der Schiedsrichter. 

Der Unparteiische sei «arrogant» und «hochnäsig» und seine Leistung «abartig und unterirdisch» gewesen, sagt Stephan Lichtsteiner nach der Partie. Auch Xherdan Shaqiri nimmt den spanischen Referee David Fernandez Bobalan ins Kreuzfeuer: «Die Leistung des Schiedsrichters war miserabel, so einen Schiri habe ich schon lange nicht mehr gehabt», so der junge Mittelfeldmotor. Und für Diego Benaglio ist sowieso klar: «Wir haben gegen zwölf Mann gespielt.»

Das Spiel Schweiz gegen Norwegen.  Video: YouTube/hitzfeld2011

Hitzfeld und der Stinkefinger

Auch wenn die faulen Ausreden der Fussball-Profis nicht gerade die feine Art sind, irgendwie gehören sie im Fussball halt zum «Daily Business». Was aber Trainer Ottmar Hitzfeld an diesem und an den Folgetagen abzieht, gehört weder ins Fussball-Business noch in die Lörracher Kirche, ins Sky Studio oder sonst wohin.

Der sonst so besonnene Trainer kann mit den Schiedsrichter-Entscheidungen noch weniger leben als seine Spieler und zückt kurz vor dem Pausentee doch tatsächlich den Mittelfinger. Die ganze Fussball-Schweiz fragt sich: Hat er wirklich? Ottmar Hitzfeld? Das kann doch nicht sein ...

Eine Stunde später sind sämtliche Zweifel behoben: Der Nati-Coach hat sich nämlich auch nach dem Schlusspfiff nicht im Griff und streckt seinen Stinkefinger erneut in Richtung des spanischen Schiedsrichters aus. Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache. Möchte man meinen.

Um diese Szene geht es. Ottmar Hitzfeld zeigt dem Schiedsrichter den Mittelfinger.  Video: YouTube/CYDFiiiLMS

Faule Ausreden

Ottmar Hitzfeld sieht die ganze Sache nämlich anders. Als ob sein doppelter Ausrutscher nicht schon peinlich genug wäre, behauptet er am Tag danach an einer Pressekonferenz doch allen Ernstes, dass er den Mittelfinger gegen sich selber gerichtet habe: «Ich habe mir den Stinkefinger gezeigt, weil ich stinksauer auf mich selber war. Wütend, dass wir gegen Norwegen nicht gewonnen haben. Ich glaube nicht, dass die FIFA jemanden bestraft, der sich selber den Stinkefinger zeigt.»

Witzig auch die Ausrede des SFV: Das Ausstrecken des Mittelfingers sei lediglich eine «natürliche Gestik» von Hitzfeld gewesen. Er mache dies manchmal auch im Training. Belegen wollen sie diese Theorie mit einem Schnappschuss aus dem Training.

Hitzfelds «natürliche Gestik»: Dass er den Mittelfinger zeigt, solle ganz normal sein. Bild:keystone

Zwei Spielsperren und 7000 Franken Busse

Wie bitte? Natürliche Gestik? Sich selber den Mittelfinger zeigen? Nein, diese Ausreden sind faul. So faul, dass auch die FIFA sie nicht glaubt: Hitzfeld darf im nächsten Spiel gegen Island zwar noch auf der Bank sitzen, für die beiden Zypern-Spiele wird er aber gesperrt. Zusätzlich bekommt er eine Busse von 7000 Franken aufgebrummt. 

Hitzfeld zeigt auch nach der Strafe wenig Rückgrat und verfolgt das Spiel in Zypern nicht einmal von der Tribüne, sondern vom Hotelzimmer aus. Die Schweizer Nati liefert ohne ihren Coach eine dürftige Vorstellung ab und spielt gegen die Mittelmeer-Kicker lediglich 0:0. 

Trotz des Hitzfeld-Blackouts qualifiziert sich die Schweizer Nati letzten Endes souverän für die WM-Endrunde, wo sie nach einem heroischen Kampf gegen Argentinien im Achtelfinale ausscheidet. 

Natürliche Gestik oder Beleidigung?

Übrigens: Im Spiel gegen Chile an der WM 2010 hatte Hitzfeld ebenfalls seine liebe Mühe mit dem Schiedsrichter: «Es gibt Schiedsrichter für den Fussballplatz und solche für den Strand», sagt der Ex-Nati-Trainer damals stinksauer. Ob er auch schon dem Saudi-Schiri Khalil al-Ghamdi den Stinkefinger gezeigt hat, darfst du selbst entscheiden:

Ottmar Hitzfeld an der WM 2010. Natürliche Gestik oder Beleidigung? Bild: welt.de

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Fussballer und Trainer mit Tränen

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • Jaing 12.10.2017 08:30
    Highlight Er hatte recht. Der Schiri war eine Schande.
    11 3 Melden

14 Torschützen vs. 15 Ronaldo-Tore – die Kaderbreite als Vorteil für die Schweiz?

Die Schweiz hat beim 5:2 gegen Ungarn bewiesen, dass sie ein breites Kader hat. Drei der fünf Tore erzielten die Ergänzungsspieler Fabian Frei und Steven Zuber. In der WM-Qualifikation haben damit schon 14 Schweizer getroffen. Bei Portugal dagegen hängt viel (zu viel?) von Cristiano Ronaldo ab.

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«Wir nehmen es, wie es kommt», lässt sich Petkovic deswegen nicht aus seiner stoischen Ruhe bringen. Die Machtdemonstration im fünften makellosen Heimspiel der Kampagne liess beim Schweizer …

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