Unvergessen

Nicola Spirig setzt sich im Schlussspurt hauchdünn durch. Bild: EPA

Nicola Spirig gewinnt in einem unglaublichen Fotofinish Olympia-Gold im Triathlon

4. August 2012: Nach knapp zwei Stunden gewinnt Nicola Spirig mit einem Wimpernschlag Vorsprung Olympiagold. Der verdiente Lohn für harte Arbeit. Doch die Triathletin realisiert den grössten Erfolg ihrer Karriere erst gar nicht. 

04.08.17, 00:05

Auf der Website von Nicola Spirig ist einige Monate vor ihrem grössten Triumph im Sportlerleben das Ziel klar und deutlich zu lesen: «Olympische Spiele 2012 in London». 

Triathlon

Bei der Olympischen Distanz sind es 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren sowie am Schluss noch ein 10 Kilometer-Lauf, welche es zu absolvieren gilt.

Die Nummer 43 sollte ihr Glück bringen. Bild: KEYSTONE

Die seit Kindesbeinen äusserst ehrgeizige Spirig, die als Tochter eines Turnlehrer-Ehepaars in der Stadt Bülach in einer sportbegeisterten Familie aufwächst, beweist spätestens mit dem Olympia-Triumph, dass sie ihre Ziele so hartnäckig verfolgt wie wohl nur wenige Menschen. 

Das Multi-Talent

Eben dieser Ehrgeiz hat sie bis dahin auch schon weit gebracht: Vizeweltmeisterin 2010, Europameisterin 2009, 2010 und 2012 und ein 6. Rang bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking stehen bereits auf ihrer sportlichen Visitenkarte.

Nicola Spirig erhält viele Pokale: Hier wird sie bei den Sports Awards zur Newcomerin des Jahres 2001 ausgezeichnet.  Bild: KEYSTONE

Ausserdem hat die im zürcherischen Winkel wohnhafte Frohnatur trotz grossem Trainingsaufwand nebenbei ein Jura-Studium absolviert – und mit «magna cum laude» abgeschlossen. Bemerkenswert ist, dass die bescheidene Spirig von Natur aus eine Zweiflerin ist, wie sie in einem Porträt der «NZZ» bekennt. «Wenn es zwei Grundeinstellungen gegenüber dem Leben gibt, eine positive, eine negative – dann ist meine negativ.» In ihrem Sportleralltag denkt Spirig beispielsweise häufig, dass andere Athletinnen eigentlich besser als sie sind.

«Handwerklich bin ich nicht gerade begabt.»

Nicola Spirig hat auch Schwächen Schweizer Familie

Akribische Planung im perfekten Umfeld

Deshalb macht Spirig in der Vorbereitung umso mehr. So ist sie schon 2009 nach London gereist, um sich mit der Strecke vertraut zu machen. «Ich habe mich zu 100 Prozent vorbereitet. Meine Tage bestanden aus trainieren, essen, schlafen», wie sie in einem Interview mit der «Schweizer Familie» erklärt. Dabei konnte sie auf ein «unglaubliches Team zurückgreifen». 

Ihr Trainer Brett Sutton, der früher Profiboxer und Tiertrainer war und als harter Hund in der Triathlonszene gilt, gestaltet die Vorbereitung perfekt. Ausserdem zieht die ganze Familie, darunter auch ihr heutiger Ehemann Reto Hug, der als aktiver Profi-Triathlet selber Erfahrungen mitbringt, vorbildlich mit.

Ein sportliches Paar: Reto Hug und Nicola Spirig. Bild: KEYSTONE

Das Olympia-Rennen in London selbst verläuft wie am Schnürchen. Im Schwimmen bleibt sie in Tuchfühlung mit den Mitfavoriten. Beim Velofahren verspürt sie zwar leichte Krampferscheinungen, hält aber die Pace unbeirrt weiter hoch. Im Laufen, ihrer Lieblingsdisziplin, bleibt die 1,66 Meter grosse Spirig stets in der Spitzengruppe präsent.

Bild: AP Pool AFP

«Ich will Gold»

Kurz vor Schluss sieht es dennoch so aus, als ob die damals 30-jährige Zürcherin mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen müsste, als die Schwedin Lisa Norden 50 Meter vor dem Ziel die Führung übernimmt. Doch Spirig hat auch diese Situation einkalkuliert: «Wir haben vieles, vor allem den Sprint, tausendmal im Training geübt», meint Spirig im Siegerinterview auf SRF.

Die Gewissheit, Norden in den letzten drei Sprints bezwungen zu haben, verleiht ihr zusätzliches Selbstvertrauen. Spirig gibt später zu Protokoll, welches Ziel sie in der Schlussphase verfolgt hat: «Ich will Gold».

«Mit Willen kann man unglaublich viel erreichen.»

Nicola Spirig zeit.de

In einer Zentimeterentscheidung behält Spirig schliesslich gegen Norden die Oberhand, auch wenn sie ihren Oberkörper auf der Ziellinie nicht nach vorne streckt und die Schwedin so nur hauchdünn besiegt.

Das Fotofinish entscheidet zugunsten der Schweizerin. Bild: OMEGA

Spirig weiss in den ersten Minuten nach dem spannenden Rennen nicht einmal, ob sie nun Siegerin ist oder nicht. Sie glaubt es zwar, ist sich aber nicht sicher. Erst als ihr ein Offizieller das erfreuliche Resultat bestätigt, steht der Olympia-Triumph fest. Im Siegerinterview auf SRF gesteht Spirig: «Das Warten war extrem hart. Ich hätte mich so oder so auf eine Medaille gefreut, aber Gold ist natürlich die Krönung.»

Der Schlussspurt. Video: streamable

Und weiter: «Ich habe es noch nicht realisiert, es ist unglaublich, ich bin sprachlos», so Nicola Spirig. 

Zwei Jahre später beschreitet die inzwischen Mutter gewordene Spirig neue Wege: Bei der Leichtathletik-Heim-EM in Zürich wird sie im Marathon (Lauf über 42,195 Kilometer) 2014 starke 24. Und das nächste Ziel ist bald ausgemacht. 2016 ist sie von Swiss Olympic als erste Athletin überhaupt bereits für Olympia am Zuckerhut nominiert worden. Den Titel verteidigt sie nicht, aber mit Silber ergänzt sie ihre Medaillensammlung um ein weiteres Stück.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei. 

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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