Unvergessen

André Bucher präsentiert stolz seine Goldmedaille. Bild: AP

07.08.2001: André Bucher sprintet über 800 Meter unnachahmlich zum ersten Schweizer WM-Gold

7. August 2001: Bei der Leichtathletik-WM in Edmonton läuft der Schweizer André Bucher allen Gegnern davon, nachdem er bei den Olympischen Spielen ein Jahr zuvor grosses Pech hatte.

06.08.16, 00:01 06.08.16, 16:53

Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney wird André Bucher in seiner Paradedisziplin über 800 Meter rund 200 Meter vor dem Ziel vom Italiener Andrea Longo unsanft von der Bahn gerempelt. Er gerät ausser Tritt, im Schlussspurt fehlt dem Luzerner dann die Kraft für einen Effort. Die angestrebte Medaille ist weg.

Die Enttäuschung ist gross über den 5. Platz, doch der bescheidene Bucher hadert nicht mit seinem Schicksal und macht sich keine grossen Vorwürfe: «Ich würde nochmals so laufen», gibt der studierte Primarlehrer danach zu Protokoll.

Die Aktion, welche Bucher die fast sichere Medaille kostete, ab 1:30 Minuten. YouTube/balthazarsmith

Als Favorit unter Druck

Auf die Weltmeisterschaften im Jahr darauf bereitet sich André Bucher wie üblich in der Höhenlage von St.Moritz vor. Die Trainingspläne macht ihm dabei sein langjähriger Trainer Andi Vögtli, mit dem der für die Leichtathletik-Riege Beromünster startende Bucher schon seit über 15 Jahren eine harmonische Zusammenarbeit pflegt.

Der 1,86 Meter grosse und 75 Kilogramm schwere Modellathlet ist nun selbst der gejagte Mann: Bei sämtlichen grossen Meetings und weiteren Saisonrennen bleibt er ungeschlagen. Bucher hält mit 1:42,90 Minuten auch die Jahresweltbestzeit über 800 Meter.

André Bucher ist guter Laune bei der Pressekonferenz im Vorfeld der WM. Kein Wunder bei seiner Saisonbilanz. Bild: KEYSTONE

Dass alle Gegner und Experten ihn jetzt als Favorit auf den WM-Titel sehen, stört den in der Gemeinde Neudorf LU aufgewachsene Blondschopf nicht, im Gegenteil: «Es ehrt mich eigentlich, wenn meine Gegner mich stark einschätzen», sagt Bucher stolz in einem SRF-Bericht.

Vor dem Final stilsicher

In den Vorläufen gibt sich Bucher keine Blösse und «probiert einige Varianten aus». Im Halbfinal läuft Bucher zunächst auf der dritten Position, ehe er 250 Meter vor dem Ziel seine Pace erhöht und sich bis zum Schluss an die Spitze setzt.   

«Im Final Achter und Letzter zu werden.»

Bucher lachend über sein Horrorszenario

Seine Zeit von 1:44,47 Minuten ist die klar schnellste unter den fünf Vorläufen und den zwei Halbfinals. Mit seinem entschlossenen Antritt habe er «möglichen Rempeleien ausweichen wollen», so der Luzerner gegenüber dem «Bund». 

Auch mit Sonnenbrille hatte Bucher stets den Durchblick. Bild: KEYSTONE

Und er relativiert: «Es spielt keine Rolle, in welcher Zeit und auf welchem Rang man sich für den 800-m-Final qualifiziert hat. Im Finale beginnt alles bei null», weiss Bucher.

Final verläuft perfekt

Doch Bucher gibt sich gleichzeitig kämpferisch: «Ich weiss, dass für mich alles drinliegt.» Als Vorbereitung hat er laut eigener Aussage vor allem eines im Sinn, nämlich «erholen». Mit seiner Form ist sich der 24-Jährige auch gewiss, bei jeder möglichen Rennsituation «agieren zu können».

Trotz grosser Nervosität läuft der Final dann wunschgemäss ab. Wilfried Bungei schlägt von Beginn weg ein hohes Tempo an, Bucher kann als Zweiter im Windschatten Energie sparen. Nach einer Runde im Schlepptau des Kenianers überholt er ihn 300 Meter vor dem Ziel und er läuft souverän in 1:43,70 Minuten zum Sieg. 

Die grosse Sternstunde in Buchers Karriere: Der WM-Final 2001. YouTube/Wayne Middlesteadt

«Ich werde den Tag nie vergessen.»

Bucher über den Weltmeistertitel

Der 24-Jährige kann es danach kaum fassen. Gegenüber der «Basler Zeitung» beschreibt er seine Gefühlswelt, als er die Ziellinie überquert: «Ich spürte eine grosse Erleichterung und dachte: ‹Geschafft, diesen Sieg kann mir niemand mehr nehmen.› Jetzt freue ich mich ganz einfach darüber, dass sich all die harte Arbeit bis zu diesem Titel gelohnt hat.»

Der Jubel beim Zieleinlauf. Bild: AP

Der Luzerner geht danach mit der Schweizer Fahne umhüllt auf die Ehrenrunde, obwohl er «eigentlich alles andere als ein fanatischer Patriot ist». Es bleibt der grösste Triumph seiner Karriere und bis heute die einzige Schweizer WM-Goldmedaille in einer Laufdisziplin.

«Danke. Die ganze Schweiz freut sich und gratuliert überglücklich. Jetzt macht die Arbeit nach den Ferien wieder Freude.»

Bundespräsident Moritz Leuenberger gratuliert per SMS

Nach über zehn Jahren als Profi tritt Bucher 2007 zurück. Heute ist der mittlerweile 37-Jährige für die Nachwuchsförderung im Kanton Zürich zuständig.

Auf der Ehrenrunde mit der Schweizer Flagge. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 

Die grössten Schweizer Leichtathletik-Erfolge

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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