Unvergessen

Slawa Bykow spielt bei seiner dritten Spengler-Cup-Teilnahme erstmals im Tirkot des HC Davos. Bild: KEYSTONE

Russischer Torzauber

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

26. Dezember 1993: Der HC Davos ist nach vier Jahren erstmals wieder am Spengler Cup dabei und schafft zum Auftakt gleich die grosse Sensation. Trotz 3:6-Rückstand gewinnt der Gastgeber dank sieben Toren des Duos Bykow/Chomutow gegen Traktor Tscheljabinsk mit 8:7.

26.12.14, 00:01 26.12.14, 09:27

Endlich darf der HC Davos wieder am Spengler Cup teilnehmen. Dreimal in Serie musste der HCD wegen dem zwischenzeitlichen Abstieg in die 1. Liga passen. Nur dank der Rückkehr in die NLA im Frühling 1993 ist der Turnierveranstalter als Davos Selection bei der 67. Austragung wieder mit von der Partie.

Um gegen die internationalen Top-Mannschaften konkurrenzfähig zu bleiben, erhält der HCD einen ausländischen Verstärkungsblock. Neben Per Djoos (Lugano), Mike Posma (Thurgau), Andrei Kwartalnow und Albert Malgin (beide Chur) geben sich Andrei Chomutov und Wjatscheslaw Bykow von Fribourg-Gottéron wieder die Ehre.

Es ist ihre dritte von insgesamt vier Spengler-Cup-Teilnahmen. 5000 Franken kassieren sie für ihren Auftritt im Landwassertal, doch ums Geld geht es ihnen nicht. «Der Spengler Cup gehört für mich zu den besten drei Turnieren der Welt. Er ist sehr gut organisiert, weist immer eine Topbesetzung auf und hat zudem ein fantastisches Publikum», schwärmt Bykow schon vor dem Turnierstart.

Slawa Bykow und Andrei Chomutov am Spengler Cup. Video: youtube/swissNLAfanBackUp

Im Eröffnungsspiel treffen die beiden kongenialen Russen mit dem HCD am Stephanstag gleich auf ihre Landsleute von Trakor Tscheljabinsk. Der Vierte der russischen «Internationalen Hockey-Liga» ist der haushohe Favorit und gibt in der mit 8100 Zuschauern ausverkauften Davoser Eishalle von Anfang an den Tarif bekannt.

15 Russen-Tore beim 8:7-Torspektakel

Bereits nach 24 Sekunden zappelt der Puck zum ersten Mal im Kasten von HCD-Keeper Nando Wieser. 1:4 nach dem ersten Drittel und 2:5 nach 25 Minuten liegen die Davoser zurück. Als die Russen auch den nächsten HCD-Anschlusstreffer kurz vor dem Ende des zweiten Drittels mit dem 6:3 kontern, scheint die Entscheidung endgültig gefallen.

Die Russen jubeln schon, der Puck liegt diesmal nicht im Tor von Nando Wieser. Bild: KEYSTONE

HCD-Trainer Mats Waltin gibt jedoch nicht auf: «Nach 30 Minuten bekamen die Russen immer mehr Mühe. Sie sind erst drei Tage in Davos. Da macht sich die Höhe einfach bemerkbar. Nach 40 Minuten war ich überzeugt, dass wir diesen Match noch gewinnen.»

Und die Davoser schaffen das Wunder! Waltin stellt zu Beginn des Schlussdrittels von vier auf drei Linien um. Innert zehn Minuten gleichen Bykow und Chomutow zum 6:6 aus. Dann ist für einmal Malgin mit dem 7:7 an der Reihe, ehe Chomutow 53 Sekunden vor Schluss den Siegtreffer zum 8:7 auf Wunderpass von Bykow erzielt.

Gedränge vor dem Tor von Traktor Tscheljabinsk: Der HCD kommt im Laufe der Partie immer besser ins Spiel. Bild: KEYSTONE

15 Tore in einem Spiel – alle durch Russen erzielt. Die Lokomotiven Chomutow (4 Tore/1 Assist) und Bykow (3 Tore/2 Assists) bodigen Traktor im Alleingang. Waltin frohlockt: «Ich lasse ihnen völlig freie Hand. Sie können spielen, wie sie wollen. Und sie demonstrierten uns allen: Wir wollen hier gewinnen. Unglaublich, wie sie uns mitgerissen haben», so der HCD-Trainer.

Auch für das Schweizer Fernsehen wird der HCD-Triumph zum Erfolg. In der an Spannung kaum zu überbietenden Schlussphase fiebern 317'000 Zuschauer vor dem TV mit. Das entspricht einem Marktanteil von 34,9 Prozent.

Die Krönung verpasst

Die Schweizer Hockey-Fans träumen nach dem Torspektakel durch Chomutov und Bykow dann auch schon vom ersten Davoser Spengler-Cup-Titel seit 1958. Erst recht, als der HCD – angeführt vom kongenialen Duo Bykow/Chomoutow – dank Siegen gegen Färjestad BK und das Team Canada souverän in den Final einzieht.

Dort treffen die Davoser erneut auf Färjestad, doch das Märchen nimmt leider kein Happy End. Die körperlich gezeichneten Bündner lassen im Final die Spritzigkeit vermissen, halten bis zehn Minuten vor Schluss aber dennoch gut mit. Dank zwei Toren von Chomutow steht es 3:3, dann legen die Schweden den entscheidenden Zacken zu und siegen schliesslich verdient mit 6:3.

Färjestad feiert am Ende den Titel, nicht der HC Davos. Bild: KEYSTONE

Die Enttäuschung steht den Davosern ins Gesicht geschrieben, doch zugeben will das natürlich keiner. «Niemand hätte von uns den zweiten Platz erwartet», sagt HCD-Center Jacques Soguel. «Deshalb bin ich nicht enttäuscht.»

Einen kleinen Trost gibt es dann aber doch: Topskorer Chomutov und «Zar» Bykow werden ins All-Star-Team gewählt und die beiden versprechen, dass sie auch im kommenden Jahr wieder mit von der Partie sein werden. Die beiden Russen halten ihr Wort und führen Davos auch 1994 ins Endspiel. Dort kommt es zur Revanche gegen Färjestad. Doch wieder sind die Schweden zu stark. Sie gewinnen 3:0. Für Bykow/Chomutow ist es der letzte Auftritt im Landwassertal. Sie werden den Spengler Cup – wie auch den Schweizer Meistertitel – nie gewinnen.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Schwalbenkönig Johann Morant? Dieses Video spaltet die Hockey-Schweiz

Dieses Video gibt zu reden: Unmittelbar nach dem 4:2 für den EV Zug im sechsten Halbfinal-Spiel gegen Davos provoziert Johann Morant seinen Gegenspieler Gregory Sciaroni. Dessen Stock geht in Richtung des Zugers, dieser spielt sofort den sterbenden Schwan, um wenige Sekunden später quicklebendig mit seinen Teamkollegen zu feiern.

Da die Schiedsrichter die Szene sehen, schicken sie Sciaroni wegen eines Stockendstichs mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe unter die Dusche. Davos übersteht …

Artikel lesen