Unvergessen

ZSC-Goalie Rolf Simmen (r.), einer der Helden von 1992. Bild: KEYSTONE

Trost für den ZSC: Krutows legendärer Viertelfinal-Penalty gegen «Grande Lugano»

17. März 1992: Der ZSC schafft eine der grössten Schweizer Play-off-Sensationen und eliminiert im Viertelfinal den haushohen Favoriten Lugano. Für immer in Erinnerung bleiben wird der Penalty der Legende Wladimir Krutow.

17.03.17, 00:01 17.03.17, 12:00
Donat Roduner
Donat Roduner

Wie 2017 kommt es 1992 zum Play-off-Viertelfinal zwischen Lugano und dem ZSC. Die Gemeinsamkeiten sind aber gering. Nicht einmal die Namen sind die gleichen, denn der Zürcher SC trägt noch nicht den Zusatz «Lions».

Lugano ist schon Lugano, sogar das richtige «Grande Lugano» unter dem genialen Bandengeneral John Slettvoll. Vier Meistertitel und sechs Finalteilnahmen in den vergangenen sechs Jahren lautet die beeindruckende Bilanz der Tessiner, die als Qualifikationszweite klare Favoriten sind gegen die Zürcher, die erst drei Jahre zuvor wieder in die NLA aufgestiegen sind.

Das Trainerduell

John Slettvoll gegen ... Bild: KEYSTONE

... Arno Del Curto. Bild: KEYSTONE

Der «Zett» gilt als junges, wildes Team mit einem ebensolchen Trainer: An der Bande bestreitet ein gewisser Arno Del Curto, ein bis dahin weitestgehend unbekannter und erst 35-jähriger Engadiner, seine erste NLA-Saison.

Der Auftritt der Legende

Die Vorzeichen sind klar, erst recht weil der ZSC nur eine Woche vor Play-off-Start den Luganesi mit 3:11 unterliegt. Doch als es ernst gilt, überraschen die Zürcher und gewinnen die ersten beiden Spiele, stehen also – da noch Best of 5 gespielt wird – vor der grossen Sensation. Del Curto mahnt und sieht sich bestätigt, als Lugano mit einem glatten 10:0 im zweiten Heimspiel zurückschlägt.

Es kommt also zum legendären vierten Spiel. Lugano arbeitet mit Nachdruck an der Wende und führt zu Beginn des zweiten Drittels 3:1. Aussenseiter ZSC sieht die Felle davonschwimmen, insbesondere, da er nur mit vier Verteidigern und acht Stürmern agiert. Angestachelt vom frenetischen Anhang im komplett verrauchten Hallenstadion finden die Platzherren zurück in die Partie, nach dem Tor von Marcel Wick, dem Vater des heutigen ZSC-Stürmers Roman Wick, schiesst Captain Jiri Faic drei Minuten vor Schluss das 3:3.

Das Telegramm

Zürcher SC – Lugano 3:3 n. V. (1:2, 1:1, 1:0)
Hallenstadion. - 11'500 Zuschauer (ausverkauft). - SR: Moreno (Pfister/Völker).
Tore: 8. Meier (Ausschluss Fritsche) 1:0. 15. Fritsche (Ausschluss Krutow) 1:1. 19. Thibaudeau (Ausschluss Prijachin) 1:2. 22. Eberle (Ausschluss Aeschlimann) 1:3. 33. Wick (Ausschlüsse Weber, Faic, Walder, Ton) 2:3. 57. Faic 3:3.
Zürcher SC: Simmen; Rauch, Zehnder; Faic, Wick; Schenkel, Weber, Hotz; Prijachin, Meier, Krutow; Vollmer, Nuspliger.
Lugano: Wahl; Bertaggia, Sutter; Honegger, Kogger; Massy, Domeniconi; Fritsche, Turcotte, Thibaudeau; Walder, Lüthi, J.-J. Aeschlimann; Eberle, Rötheli, Ton; Morger.
Bemerkungen: ZSC ohne Cadisch, Guyaz und Hager, Lugano ohne Eggimann (alle verletzt). 76. Pfostenschus Krutows. (nzz)

Die Verlängerung wird nötig, dann das Penaltyschiessen. Die Spannung in der Halle ist greifbar, doch die Spieler des Zürcher Schlittschuhklubs scheint das nicht zu beeinflussen. «Dass wir in der Overtime oder im Penaltyschiessen gewinnen würden, war mir klar», wird Center Christian Weber tags darauf in der NZZ zitiert.

Etwas überaltert, etwas übergewichtig: Wladimir Krutow (l.) wird am Flughafen Kloten von ZSC-Präsident Pepe Wiss empfangen. Bild: KEYSTONE

Adrian Hotz und Sergej Prijachin treffen im Shootout für den ZSC, ehe Wladimir Krutow anläuft. Die alternde Hockey-Legende ist fünfmaliger Weltmeister und zweimaliger Olympia-Gold-Gewinner mit der Sowjetunion und Teil des KLM-Sturms mit Igor Larionow und Sergej Makarow, der bis heute von vielen als beste Linie aller Zeiten angesehen wird.

Und so sah das dann aus, als dieser Krutow zum Penalty anlief:

Video: streamable

Als direkt danach Alfie Turcotte für die Tessiner am glänzenden Torhüter Rolf Simmen scheitert, brechen im Hallenstadion alle Dämme. «Was nach dem vierten Spiel in der Halle los war, werde ich wohl niemals vergessen!», sagt Arno Del Curto gegenüber dem «Blick». Und der legendäre ZSC-Kommentator Walter Scheibli meint noch 20 Jahre später: «Die Stimmung im Stadion war nie mehr so gut.»

Der Triumph des Zürcher SC über Lugano geht als «Eishockeywunder» (NZZ) in die Geschichte ein. Er ist unvergessen, aber nicht wirklich nachhaltig. Im Halbfinal scheitert der «Zett» mit 0:3 am nachmaligen Meister, dem SC Bern.

Wer Lust auf früheres NLA-Eishockey hat: Hier das zweite Halbfinalspiel zwischen dem ZSC und dem SCB (im Schluefweg) in voller Länge. Video: YouTube/Cantona31

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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User-Review:
DendoRex, 19.12.2016
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3 Kommentare anzeigen
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  • Christoph von Ballmoos 17.03.2017 13:24
    Highlight Nur mal so als Vorschlag für die "unvergessen" Serie. EM-Quali 1991: Bulgarien- Schweiz 2:3. Ich war noch jung, aber ich vergesse die 4 Sekunden in meinem Leben nie mehr, die Kuby gebraucht hat, um von der Mittelinie aus loszusprinten und ein unglaubliches Tor zu machen, in der 90 Minuten notabene.
    9 0 Melden
    • Ralf Meile 17.03.2017 22:57
      Highlight Danke für den Input. Diese Geschichte hier könnte dich auch interessieren, sie fasst die Qualifikation für die EM 1992 zusammen:

      http://www.watson.ch/!695218412
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  • chilli37 17.03.2017 09:00
    Highlight Wow, danke für diesen Artikel.
    Immer noch und wohl auch für immer das beste Eishockeyspiel das ich live sehen durfte.
    Zu erwähnen ist noch, dass Wegge Hotz seinen Penalty quasi von der verlängerten Torlinie (aka Winkel: Null) unter die Latte zwickt!
    Danach Eissturm und Gefühle als hätten wir grad den Titel geholt..
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Die Statistik zeigt: Darum hatte Lugano den ZSC in den Playoffs plötzlich im Griff

Für das frühe Playoff-Out der ZSC Lions gegen Lugano gibt es am Tag danach bereits unzählige Erklärungsversuche. Die nackten Statistiken deuten aber hauptsächlich auf eine Sache als Grund für das Scheitern hin.

Danach wissen es immer alle besser. Egal ob Fan, Journalist oder sonstiger Experte: Alle glauben den Grund für das erneute Scheitern der ZSC Lions im Playoff-Viertelfinal zu wissen. Einige monieren, den Zürchern sei die eigene Arroganz zum Verhängnis geworden, andere finden, die Lions hätten das Sieger-Gen verloren. Und wiederum andere sehen den Ausfall von Robert Nilsson als Hauptgrund für das Out. 

An diesen Ansichten ist sicherlich einiges Wahres dran, belegen kann man sie aber nicht. …

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