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Luchs und Fuchs im Todeskampf auf offener Strasse im Kanton Solothurn

Ein Postauto-Chauffeur konnte im Solothurner Schwarzbubenland ein sensationelles Video einer tierischen Auseinandersetzung zwischen einem Luchs und einem Fuchs aufnehmen.

Publiziert: 17.11.16, 10:24 Aktualisiert: 17.11.16, 13:43

Dimitri Hofer / bz Basellandschaftliche Zeitung

Nach einem langen Arbeitstag wollte Jonas Laffer sein Postauto nur noch schnell in der Garage abstellen und dann zu Bett gehen. Auf den verdienten Feierabend musste der Chauffeur in der vorletzten Samstagnacht jedoch ein wenig länger warten als sonst.

Im Solothurner Schwarzbubenland wurde ein Fuchs von einem Luchs aufs Härteste angegangen. Nichts brachte die Raubkatze von seiner Beute ab. Jäger schlagen Alarm. Video: tele-m1

Als er auf der Hauptstrasse zwischen Wahlen und Grindel unterwegs war, musste er plötzlich einen Vollstopp reissen. «Von weitem sah es in der Dunkelheit so aus, als ob ein Fuchs überfahren wurde», erinnert sich der 25-jährige Schwarzbube. Dann sei er ein wenig näher herangefahren und habe gesehen, was sich tatsächlich abspielte. Ein junger Luchs hatte sich am Hals eines Fuchses verbissen und versuchte, seine Beute zu töten. Das Opfer wehrte sich heftig, konnte sich aber nicht aus den Fängen der Raubkatze befreien. Auch mehrmaliges Hupen hielt die beiden nicht davon ab, den Todeskampf mitten auf der Strasse zu beenden. Laffer wartete einige Minuten, hielt das Schauspiel mit seinem Handy fest und fuhr nach Grindel, wo er den Bus standesgemäss parkierte.

Am Ziel angekommen, liess ihm das Schicksal des Fuchses keine Ruhe. «Ich fuhr mit meinem eigenen Auto nochmals zurück, um nachzusehen, ob die beiden immer noch ineinander verkeilt waren», sagt der Fahrer. Doch die Tiere hatten sich mittlerweile von der Strasse in den angrenzenden Wald zurückgezogen. Über den Ausgang des Kampfes der zwei Raubtiere kann nur spekuliert werden.

170 Luchse leben in der Schweiz

Die Aufzeichnung der nächtlichen Begegnung kursiert seit einigen Tagen im Laufental und im Schwarzbubenland. «Das Video habe ich auch schon gesehen», erklärt Hugo Bürki, Präsident der Jagdgesellschaft Bärschwil-Grindel. Bei der Auseinandersetzung überrascht ihn lediglich der Ort, an dem diese stattfand. Es sei sehr ungewöhnlich, dass die Raubkatze auf der Strasse mit ihrer Beute kämpft. Normalerweise geschehe das im Wald, wo er auch schon verfolgen konnte, wie sich ein Luchs an einen Fuchs anschlich. Erst Ende September sei es einem Mountainbiker gelungen, in einem Waldgebiet zwischen Grindel und Bärschwil eine Luchsmutter mit drei Jungen zu beobachten.

Es ist davon auszugehen, dass der juvenile Luchs, der sich in den Fuchs verbiss, in diesem Mai oder Juni zur Welt gekommen ist. «In der Regel bleiben die Jungtiere bis zu zehn Monate bei ihrer Mutter», sagt Fridolin Zimmermann. Der Luchskenner ist beim Verein Kora für das Monitoring der Raubkatze in der Schweiz zuständig. Derzeit leben in unserem Land rund 170 Tiere, von denen 60 im Jura und 110 in den Alpen umherstreifen.

Mit einer gross angelegten Fotofallen-Aktion konnten kürzlich zwischen Tavannes im Berner Jura und Oltingen im Baselbieter Tafeljura 15 verschiedene mehr als einjährige Luchse nachgewiesen werden. Beim Luchs auf dem Video handle es sich um ein Jungtier, bei dem nicht klar sei, ob es noch mit der Mutter unterwegs ist, erklärt Zimmermann. «Man sieht, dass die Katze unerfahren ist und Probleme hat, das Opfer zu überwältigen. Ein geübter Räuber tötet seine Beute mit einem gezielten Biss in den Hals.» Dass ein Luchs Jagd auf einen Fuchs macht, sei dagegen nichts Aussergewöhnliches. Füchse sind nach Rehen und Gämsen das dritthäufigste Beutetier der grössten einheimischen Katze.

Rehbestand ist stark gesunken

Inländische Videoaufnahmen wie diejenige aus dem Schwarzbubenland hat der Biologe noch nie gesehen. «Da Luchse nachtaktive und heimliche Tiere sind, ist es eine echte Seltenheit, sie zu filmen.» Ein ähnliches Video kenne er bislang nur aus Frankreich, wo ein Luchs dabei festgehalten wurde, wie er ein Rehkitz riss.

Jäger Hugo Bürki freut sich zwar hinsichtlich der Biodiversität über die Verbreitung des Luchses in seinem Revier. «Wir mussten jedoch mit Erschrecken feststellen, dass der Rehbestand wegen der Raubkatze stark zurückgegangen ist.» 

5 Kommentare anzeigen
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  • malu 64 18.11.2016 01:17
    Highlight Wenn manche Populationen von Wildtieren
    aus dem Gleichgewicht geraten, muss sich
    der Spasstöter Mensch zurückhalten!
    2 5 Melden
    600
  • Thinktank 17.11.2016 11:20
    Highlight Wo ist das Problem. Das ist artgerechtes Töten nach Wunsch von Tierschützern und Jagdgegnern. Lassen wir den Luchs und Wolf wieder Fuss fassen und posten die Todesmassaker auf Youtube.
    13 35 Melden
    • AL:BM 17.11.2016 12:28
      Highlight Halten Sie diesen Kommentar für klug?
      28 8 Melden
    • Skip Bo 19.11.2016 07:57
      Highlight Richtig, man sollte der Bevölkerung nicht vorenthalten wie Wölfe im Blutrausch noch lebenden Schafen Muskelfleisch aus dem Körper reissen.
      1 0 Melden
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  • wossname 17.11.2016 10:50
    Highlight Der Rehbestand muss ja auch durch Jagd künstlich tief gehalten werden, um negative Folgen einer Überpopulation zu verhindern. Klar ist schade, wenn die Jagd mangels Wild eingeschränkt wird. Diese Bedenken als "Alarm schlagen" zu bezeichnen, finde ich ein wenig Boulevard. An anderen Orten gibt es dafür zu viele Rehe.

    http://www.waldwissen.net/waldwirtschaft/schaden/wsl_weisstannenverjuengung/index_DE
    43 2 Melden
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Oh Elli, du heiliges Lotto-Orakel. Welche Zahlen knacken den 55-Mio-Jackpot? 

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