Wirtschaft

Grösster IPO aller Zeiten

Alibaba sorgt für Börsen-Märchen aus 1001 Nacht

20.09.14, 07:18 20.09.14, 12:33

Alibaba hat die New Yorker Börse mit dem weltgrössten Börsengang aller Zeiten in Euphorie versetzt. Mit einem Kurssprung um 36 Prozent auf 92,70 Dollar legte der chinesische Internethändler am Freitag ein furioses Börsendebüt hin.

Wenig später kostete das begehrte Papier sogar 99,70 Dollar, bevor der Kurs zum Handelsschluss wieder auf rund 93,89 Dollar nachgab. Es dauerte angesichts einer Flut von Kaufaufträgen fast zweieinhalb Stunden, ehe die New Yorker Börse überhaupt einen ersten Kurs nennen konnte.

Alibaba-Gründer Jack Ma feiert den Börsengang seines Unternehmens. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Viele Anleger, die bei der Zuteilung leer ausgegangen waren, wollten die Titel offenbar zu fast jedem Preis in ihren Depots haben. Nach Angaben des führenden US-Aktienhändlers TD Ameritrade erreichte das Ordervolumen für Alibaba am Freitag noch vor dem ersten Kurs gut zwei Drittel der Kaufaufträge am ersten Handelstag von Facebook – und das Dreifache des Volumens von Twitter.

«Das ist der grösste Börsengang, den die Welt je gesehen hat, deshalb herrscht Feierstimmung auf dem Parkett – ob man will oder nicht», sagte Händler Benedict Willis von Sunrise Securities.

Gewaltiger Andrang

Der Andrang in New York war seit dem Morgen gewaltig: Die Börse war mit Bannern von Alibaba geschmückt, davor drängten sich Journalisten, Händler und Offizielle um Firmengründer Jack Ma und sein Team.

Ma, auch das «Krokodil vom Jangtse» genannt, verzichtete jedoch darauf, persönlich die Börsenglocke zum Handelsstart zu läuten. Stattdessen liess er acht Alibaba-Kunden den Vortritt, um das Firmenmotto «Customers first» symbolisch zu untermauern.

Alibaba-Angestellte in der chinesischen Stadt Hangzhou feiern den Börsengang ihres Arbeitgebers. Bild: SHERWIN/EPA/KEYSTONE

Mit dem Schlusskurs ist Alibaba rund 231 Milliarden Dollar wert, mehr als alteingesessene US-Konzerne wie Walt Disney und Coca-Cola und noch einmal 62 Milliarden Dollar mehr als zum Ausgabepreis.

Investoren rissen sich um Papiere

Dabei waren die Papiere schon zum Höchstpreis von 68 Dollar ausgegeben worden. Die Investoren rissen dem Unternehmen die Aktien buchstäblich aus den Händen.

Alibaba verkaufte Papiere für 25 Milliarden Dollar, zwei Drittel des Geldes gehen an die bisherigen Investoren wie den US-Internetkonzern Yahoo, der mit dem Verkauf von Alibaba-Aktien allein acht Milliarden Dollar kassierte. Grösster Alibaba-Anteilseigner ist die japanische Softbank mit 32 Prozent, die sich aber von keiner Aktie getrennt hat.

Eine ganze Reihe von Managern und Software-Fachleuten bei Alibaba werden mit dem Schritt an die Börse zu Millionären. Allein Milliardär Ma kassiert fast 900 Millionen Dollar.

Keine Pleite wie bei Facebook

Die New Yorker Börse hatte sich für den Ansturm der Investoren gewappnet: Sie liess ihre Systeme gleich in zwei Probeläufen auf Herz und Nieren testen, um keine Pleite zu erleben wie die US-Technologiebörse Nasdaq vor zwei Jahren bei der Erstnotiz von Facebook. 

Damals war der Handel unter der Flut von Aufträgen schier zusammengebrochen. Die Kurse waren um Stunden verspätet, viele Anleger verloren Geld.

Mehr Geschäfte als Amazon und Ebay zusammen

Alibaba hat sich zu einem Onlineriesen entwickelt: 15 Jahre nach der Gründung in Mas Einzimmerwohnung wickelt Alibaba mehr Geschäfte ab als Amazon und Ebay zusammen. Rund 80 Prozent der Online-Umsätze in China, der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt, gehen auf das Konto von Alibaba. Und anders als viele andere Internetfirmen schreibt Alibaba Gewinn.

Für viele Menschen ausserhalb Chinas klingt der Name Alibaba aber noch exotisch: Nach einer Ipsos-Umfrage im Auftrag von Reuters haben 88 Prozent der Amerikaner von Alibaba noch nie gehört – zumindest bis heute.

Am Rande wurden kritische Stimmen laut: «In der Geschichte hat es selten einen Börsengang dieser Grösse gegeben, bei dem man weniger über das Unternehmen wusste», sagte der demokratische US-Senator Bob Casey aus Pennsylvania. «Ich mache mir immer noch Sorgen um die Transparenz chinesischer Firmen, die an unseren Börsen notiert sind.» (sda/reu/dpa)

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