Wirtschaft
FILE - This April 22, 2010, file photo, shows a Wall Street sign in front of the New York Stock Exchange. Global stock markets mostly inched higher Monday, June 30, 2014, as investors prepared for a busy week of economic news that will give new clues about the strength of the global recovery. Wall Street was set for a tepid session. (AP Photo/Mark Lennihan, File)

It's a man's world: Die Wall-Street in New York.  Bild: Mark Lennihan/AP/KEYSTONE

Diskriminierungsklage

Frauen klagen Diskriminierung an: Goldman Sachs am Pranger

Zwei Ex-Managerinnen von Goldman Sachs verklagen die Bank wegen jahrelanger Diskriminierung. Nun könnte ihr Fall zur Sammelklage taugen – und die Wall Street muss zittern.

02.07.14, 17:54 02.07.14, 18:06

Helene Endres / Spiegel

Ein Artikel von

Das wird weh tun: In New York haben zwei Ex-Managerinnen von Goldman Sachs die Investmentbank wegen sexueller Diskriminierung verklagt und wollen nun aus ihrem Fall eine Sammelklage machen. Erkennt das New Yorker Gericht die Klage als beispielhaft an, könnten auch andere diskriminierte Goldman-Sachs-Mitarbeiterinnen von einem positiven Urteil profitieren: Sie könnten Ansprüche anmelden, ohne selbst zu klagen. Ein unkalkulierbares Risiko für die Bank, denn viele Mitarbeiterinnen scheinen betroffen. Liest man die pikanten Details der am Dienstag eingereichten Klageschrift, wird schnell klar: Die Abwertung von Frauen hatte System. 

Die Bank sei ein reiner Männer-Club, so die Klägerinnen Christina Chen-Oster, früher Vice-President bei Goldman, und Shana Orlich, früher Associate bei der Bank. Die frauenfeindlichen Klassiker sind demnach noch aktuell: Mittel zur Kundenpflege seien Strip-Club-Besuche gewesen, so die Klägerinnen.

Auch über die vom Chef bestellten Escort-Damen, die in kurzen schwarzen Röckchen, schulterfreien Tops und Nicolausmützen die Kollegen auf der Firmen-Weihnachtsfeier animierten, konnte sich Chen-Oster nicht freuen. Beschwerte sie sich, wurde die Benachteiligung nur noch schlimmer: Sie schildert, wie ihr Schreibtisch in die hinterste Ecke des Büros gestellt wurde, nachdem sie sich bei ihrem Vorgesetzten über die sexuellen Sprüche eines Kollegen beschwert hatte. Auch sei ihr Verantwortung weggenommen worden, nachdem sie ein Kind bekam. 

Weniger Frauen als Männer 

Aber auch verwehrte Beförderungen und geringere Bezahlung im Vergleich zu den männlichen Kollegen sind zentrale Punkte der Anklage: «Auf nahezu allen Positionen hat Goldman Sachs Frauen weniger gezahlt als Männern», so die Klage. Männer seien überdurchschnittlich öfter befördert und dabei «gleich oder besser qualifizierten Frauen vorgezogen» worden.

Auch fehle eine systematische Kontrolle bei der Mitarbeiterbewertung, welche meistens zu Ungunsten der Frauen ausfalle. Ebenso mangle es in der Bank an Transparenz, wenn es um die Vergabe von Verantwortung gehe – mit der Folge von Klüngelei von Männern. 

Goldman Sachs weist alle Vorwürfe zurück. Eine offizielle Verteidigung wird für Donnerstag erwartet. Wird die Klage der beiden Ex-Managerinnen als Sammelklage anerkannt und geöffnet, könnte dies eine nachhaltige Wirkung auf das Gebaren der männlich dominierten Finanzbranche haben. Denn der beschriebene Umgang mit Frauen sei alltäglich in der Branche, so ein Kommentar einer amerikanischen Nachrichtenseite: «Find a Wall Street firm where those things don't happen.»

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