Wirtschaft

«Das ist der perfekte Deal»: Basler Chemie-Riese Clariant fusioniert mit US-Firma Huntsman

22.05.17, 07:13 22.05.17, 08:54

Bild: KEYSTONE

In der Chemiebranche kommt es zu einem weiteren Zusammenschluss: Der Basler Spezialchemiehersteller Clariant fusioniert mit dem US-Konzern Huntsman. Damit soll ein weltweit führender Spezialchemiekonzern mit einem Umsatz von rund 13,2 Milliarden Dollar entstehen.

Die neue Firma soll HuntsmanClariant heissen und ihren globalen Firmensitz in Pratteln BL haben. Die operativen Geschäfte sollen von The Woodlands im US-Bundesstaat Texas aus geführt werden. An der neuen Gesellschaft sollen die Clariant-Aktionäre 52 Prozent halten, die Huntsman-Eigner den Rest.

Eine Fusions-Vereinbarung sei von den Verwaltungsräten der beiden Firmen unterzeichnet worden, teilten die beiden Unternehmen am Montag gemeinsam mit. Die Familienaktionäre von Clariant und Huntsman unterstützten die Fusion.

«Dies ist der perfekte Deal zur richtigen Zeit», sagte Clariant-Chef Hariolf Kottmann an einer Telefonkonferenz. Er soll Verwaltungsratspräsident des neuen Unternehmens werden. Bei dem Zusammenschluss handle es sich nicht nur um eine Fusion unter Gleichen, sondern auch um eine Fusion der Chancen, sagte Huntsman-Präsident und -Chef Peter Huntsman, der als Konzernchef amten wird.

«Gegenseitiges Vertrauen»

Kottmann und Huntsman betonten beide, dass der Zusammenschluss auf einem Fundament gegenseitigen Vertrauens und Kompatibilität stehe. Er habe Huntsman etwa 2009 das erste Mal getroffen, sagte Kottmann. Seither hätten sie in vielen Treffen und Gesprächen eine offene und vertrauensvolle Freundschaft aufgebaut.

Eine Fusion sei anspruchsvoller als eine Übernahme, sagte Huntsman. Bei einer Fusion müssten Persönlichkeiten und Kulturen vermengt werden. «Wenn es richtig gemacht wird, schafft das mehr Wert.»

Das neu entstehende Unternehmen soll auf einen bereinigten Betriebsgewinn (EBITDA) von 2,3 Milliarden Dollar kommen und einen Unternehmenswert von 20 Milliarden Dollar aufweisen.

Einsparungen bei Kosten und Einkauf

Die beiden Unternehmen versprechen sich vom Zusammenschluss Synergien von jährlich über 400 Millionen Dollar, mehr Wachstum in den Schlüsselmärkten USA und China sowie mehr Innovation. Die Synergien sollen innerhalb von zwei Jahren nach der Fusion durch tiefere Betriebskosten und optimierten Einkauf erreicht werden. Zuerst fallen jedoch einmalige Kosten von rund 500 Millionen Dollar an.

Die Unternehmen zeigten sich zuversichtlich, die Fusion bis Ende Jahr in trockene Tücher zu bringen. Clariant stand unter dem Druck von Investoren, einen Partner zu finden, um Kosten zu senken und das Wachstum anzukurbeln. Firmenlenker Kottmann baut seinen Konzern seit Jahren um. So trennte er sich 2012 von den Sparten für Textil- und Papierchemie.

Weil sich das Wachstum in der Chemiebranche insgesamt abschwächt, setzen viele europäische Unternehmen auf Übernahmen. Seit Mitte 2015 gab es etwa Milliardenzukäufe von BASF, Solvay, Evonik und Lanxess. In den USA wagen Dow und DuPont eine Fusion im Volumen von 130 Milliarden Dollar. Nach dem Zusammenschluss soll das neue Unternehmen in drei Bereiche aufgespalten werden. (sda)

Die Zukunft der Wirtschaft

Neue Zölle, neue Zäune: Warum sich die Ära des freien Handels ihrem Ende zuneigt

Wenn wir Glück haben, behalten uns die Roboter als Haustiere

Bundesrat gibt zu: Das Bedingungslose Grundeinkommen kostet 25, nicht 153 Milliarden Franken

Wohlstand ohne Wachstum ist möglich – oder warum der kapitalistische Velofahrer nicht umfallen muss

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
9Alle Kommentare anzeigen
9
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Beri_sha_24a 22.05.2017 10:10
    Highlight Muss immer lachen wenn ich die Panikmacher nach solchen "Deals" höre. Das Nestle die halbe Welt aufgekauft hat ist natürlich Nebensache. Sogar Emmi und Bell haben im Ausland kräftig eingekauft in letzter Zeit. Die freie Marktwirtschaft läuft halt so, die Schweiz hat ihr viel zu verdanken.

    Fusionen und Übernahmen können auch viele Vorteile haben, auch für CH-Firmen.

    6 2 Melden
    600
  • goschi 22.05.2017 10:07
    Highlight Und der neue Name: Cuntsman
    😉
    9 0 Melden
    • Bad Carlitos 22.05.2017 11:48
      Highlight 😂😂👍
      1 0 Melden
    600
  • Caturix 22.05.2017 08:44
    Highlight Wie blöd kann man sein. Es wird alles einmal den Bach runtergehen mit diesen Fusionen und Verkäufen.
    7 16 Melden
    • Hansdamp_f 22.05.2017 10:01
      Highlight Diese Fusionen und Übernahmen schaffen selten Wert, sondern sind Aktivismus und Grössenwahn der Verwaltungsräte. Man sitzt auf grossen Cash-Reserven aber wächst organisch kaum mehr. Dann halt irgendwas "Grosses".

      Der Novartiskauf von Alcon und die Fusion von Holcim und Lafarge sind schöne Beispiele der letzten Jahre.
      6 2 Melden
    600
  • RacKu 22.05.2017 08:35
    Highlight Huntsman garantiert den Erhalt der Stellen für Zeit X. Danach die Holzfällernethode!
    18 3 Melden
    600
  • Chääschueche 22.05.2017 07:21
    Highlight Und wer hat das sagen? Hoffe nicht die US Manager denn sonst gibts bald wieder einen happigen Stellenabbau in der Schweiz.
    23 3 Melden
    • kleiner_Schurke 22.05.2017 08:11
      Highlight Der Stellenabbau kommt so oder so, warum sollten solche Unternehmen sonst fusionieren?
      29 2 Melden
    • Chääschueche 22.05.2017 11:09
      Highlight Mich interessieren vorrangig die Arbeitnehmer in der Schweiz.
      Was passiert wenn die Amis zu sagen haben, sah man vor nicht all zu langer Zeit im Kanton Aargau bei Alstom.

      Ich hoffe du verstehst nun meine aussage.

      2 2 Melden
    600

Starker Franken, Einkaufstourismus: Manor baut am Hauptsitz in Basel bis zu 200 Stellen ab

Der Warenhauskonzern Manor baut am Hauptsitz in Basel maximal 200 der rund 1000 Stellen ab. Damit will das Unternehmen auf Veränderungen am Markt reagieren. Gemäss Mitteilung vom Donnerstag wurde ein von der Personalkommission genehmigter Sozialplan erstellt.

Die Hälfte des Stellenabbaus soll über Auslagerungen und durch Nichtbesetzung von bereits freien Stellen geschehen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Die Mitarbeitenden seien gleichentags darüber informiert worden.

Manor sei …

Artikel lesen