Wirtschaft

Bald wieder in der Luft? Tuifly lenkt im Mitarbeiterstreit ein

07.10.16, 21:26

Grounding bei Tuifly: Am Freitag waren fast alle Flüge ausgefallen.  Bild: EPA/DPA

Nach den massiven Ausfällen beim Ferienflieger Tuifly lenkt der Konzern ein. Die Entscheidung über eine Neuordnung der Airline soll auf Mitte November verschoben werden. Der Aufsichtsrat der Tui AG werde nicht, wie ursprünglich geplant, schon am 26. Oktober entscheiden, teilte Personalvorstand Elke Eller am Freitagabend mit.

Zugleich gab der Konzern den Tuifly-Mitarbeitern eine mindestens dreijährige Tarif- und Standortgarantie. «Wir hoffen, dass dies unmittelbar zur Entspannung der Situation beiträgt.»

Vor einer Woche war bekanntgeworden, dass Tuifly in eine neue Dachholding unter Führung von Etihad integriert werden soll. Arbeitnehmervertreter befürchten Job-Verluste und kritisierten zu unkonkrete Angaben.

Verdeckter Streik

Seitdem führen kollektive Krankmeldungen der Besatzungen zu Flugausfällen und massiven Verspätungen. Betroffen ist auch Air Berlin, denn ein Drittel der Tui-Flotte fliegt samt Besatzung für die Berliner.

Der Touristikkonzern Tui teilte nun mit, die Airline Tuifly solle für die Dauer von mindestens drei Jahren eine deutsche Gesellschaft mit Sitz in Hannover bleiben. Die heutigen Arbeitsverträge blieben solange bestehen und es gebe keine Einschnitte bei den Gehältern. Weitere Gesprächstermine mit den Arbeitnehmervertretern seien, beginnend ab Montag, für die nächste Woche vereinbart.

Gestutzte Flügel

Bei Tuifly waren am Freitag fast alle Flüge ausgefallen. Die Airline versuchte mit gemieteten Maschinen und Crews einen Teil der Ausfälle aufzufangen. Tausende Passagiere waren betroffen. Auch Air Berlin musste nach eigenen Angaben 50 von 90 Flügen streichen.

Etwa 45 Prozent des Flugprogramms hätten durch freiwillige Crews von Air Berlin und den Einkauf von Subcharterflügen aufgefangen werden können, teilte die Airline mit. Mehr als 1000 Mitarbeiter hätten sich freiwillig bereit erklärt, Sonderschichten zu leisten, um Fluggäste zu betreuen.

Wegen der Ausfälle sitzen rund 900 Gäste der Thomas Cook-Veranstaltermarken Thomas Cook, Neckermann Reisen, Bucher Last Minute und Öger Tours in verschiedenen Urlaubsgebieten fest. Das teilte Thomas Cook am Abend mit. Um alle Gäste von den Kanarischen Inseln und aus Griechenland zurück nach Deutschland zu befördern, werde das Unternehmen kurzfristig acht zusätzliche Flüge, vor allem mit der konzerneigenen Airline Condor organisieren.

Genervte Kunden

Nach den massiven Ausfällen mehrt sich die Kritik am Tui-Konzern, der keine Entschädigungen an betroffene Passagiere zahlen will. Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt empfahl geschädigten Touristen, Schadenersatzansprüche bei dem Ferienflieger anzumelden.

Er könne allen Kunden nur raten, ihre rechtlichen Ansprüche geltend zu machen, sagte der CSU-Politiker am Rande der Verkehrsministerkonferenz in Stuttgart. Tui beruft sich auf höhere Gewalt und will Betroffene nicht entschädigen.

Dobrindt forderte alle Beteiligten zu raschen Gesprächen auf. Es sei keine akzeptable Situation, die man gerade vorfinde, sagte er. Der Konflikt dürfe nicht auf dem Rücken der Kunden ausgetragen werden. Am Abend gab es ein Krisengespräch im niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies sagte vorab: «Es gibt eine Einigung; Ich hoffe, dass am Sonntag wieder ein geregelter Flugbetrieb möglich ist.»

Auch Justizminister Heiko Maas pocht auf ein schnelles Ende der Flugausfälle bei Tuifly und forderte im Gespräch mit den «Ruhr-Nachrichten» (Samstag), den Konflikt nicht auf dem Rücken der Passagiere auszutragen. Kritik kam auch vom Tourismusexperten Torsten Kirstges, der den Tuifly-Mutterkonzern Tui vor einem Imageschaden warnte.

Mehr Kulanz gefordert

Mit Blick auf die Entschädigungsfrage sagte er der Deutschen Presse-Agentur: «Da hätte man sich besser bedeckt gehalten.» Er gehe davon aus, dass die Gesellschaft entsprechende Prozesse verlieren werde und dann doppelt am Pranger stehe. Nach seiner Einschätzung liegt die ausreichende Personalausstattung in der Verantwortlichkeit des Arbeitgebers.

Mehr Kulanz fordern die Reisebüros, die für Reisende Stornierungen oder Umbuchungen vornehmen müssen, ohne dass der Mehraufwand vergütet wird. Die aktuellen Probleme dürften nicht auf dem Rücken der Reisebüros ausgetragen werden, erklärte der Branchenverband DRV. Mitarbeiter der Büros seien Leidtragende bei der Tuifly-Krise. (sda/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

Mit Hipsterbart und Hakenkreuz: 5 alte und neue rechtsextreme Bewegungen

Aroser Hotel schickt Juden zum Duschen – der Shitstorm ist gewaltig

Warst du besoffen, Designer? 26 Kleider-Fails, die nicht mehr gut zu machen sind

Koksen und kotzen – Barbie ist im 2017 angekommen

Frau findet Ex auf Tinder – und erlebt zunächst eine witzige, dann eine böse Überraschung

Lächeln im «Reich des Bösen»

Geheimes Chat-Protokoll aufgetaucht: Wie es wirklich zur Nordkorea-Krise kam

Zwei «Irre» auf Kollisionskurs: Die Angst vor der Bombe ist zurück

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0Alle Kommentare anzeigen
0
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600

Der IWF sieht die weltweite Konjunktur im Aufschwung – aber Trump traut man nicht

Bezüglich der weltweiten Wirtschaftsleistung blieb der internationale Währungsfonds (IWF) bei seiner Annahme eines Wachstums um 3,5 Prozent in diesem und um 3,6 Prozent im nächsten Jahr. Für die USA schraubte der Fonds seine Erwartungen dagegen zurück.

Dies geht aus dem jüngsten Ausblick der Organisation hervor. Dieser wurde am Montagmorgen in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur vorgestellt.

Grund für die neuste Einschätzung ist laut IWF, dass die Entwicklung von Staatsausgaben und …

Artikel lesen