Wirtschaft

Interview mit Hotelier Peter Bodenmann

«Herr Bodenmann, was war Ihr erster Gedanke, als Sie vom Entscheid der Nationalbank hörten?» – «KOPFSCHUSS!»

Den Hotelier und ehemaligen SP-Parteipräsidenten Peter Bodenmann trifft der heutige Nationalbank-Entscheid besonders hart. Er spricht von einem Tsunami für die Tourismusbranche und stellt konkrete Forderungen an Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

15.01.15, 18:03 16.01.15, 14:05

Herr Bodenmann, was war Ihr erster Gedanke, als Sie vom Entscheid der Nationalbank hörten?
Peter Bodenmann: Kopfschuss!  

Das müssen Sie erläutern. 
Der Entscheid der Nationalbank, den Mindestkurs aufzuheben, ist schlicht unverständlich. Die Untergrenze hat sich bewährt. Die Nationalbank hatte genügend Instrumente, um diese Untergrenze mit weniger Aufwand als bisher zu verteidigen. Etwa höhere Negativzinsen.  

«Die Nationalbank hat ihr Gesicht und ihre Glaubwürdigkeit verloren.»

Warum hat die SNB aus Ihrer Sicht so gehandelt?
Sie ist eingeknickt. Der Druck der Spekulanten und der SVP war offenbar zu gross. Die Nationalbank hat ihr Gesicht und ihre Glaubwürdigkeit verloren. Dies zum Schaden der Schweiz und ihrer Wirtschaft.

Nationalbank-Präsident Thomas Jordan sagte, dass der Mindestkurs keinen Sinn mehr macht. 
Haben Sie die Pressekonferenz verfolgt? Jordan hat auf viele Fragen nicht geantwortet, sondern mit rotem Kopf immer die drei gleichen Sätze wiederholt. Der SNB-Präsident ist offensichtlich überfordert. Schade, dass niemand die Fragen nach der Kaufkraft-Parität zum Euro gestellt hat.

«Der SNB-Präsident ist offensichtlich überfordert.»

Peter Bodenmann Bild: KEYSTONE

Zur Person

Der Antwalt und Notar Peter Bodenmann ist in der Schweiz als prägnanter Rhetoriker und aktiver Politiker bekannt. Der 62-Jährige war zwischen 1990 und 1997 Präsident der SP Schweiz. 1997 wurde er als erster Sozialdemokrat in den Walliser Staatsrat gewählt. Nach zwei Jahren trat er bereits wieder zurück. Nach seinem Ausstieg aus der Politik eröffnete er mit seiner Frau das Hotel «Good Night Inn» in Brig. Heute schreibt er regelmässig Kolumnen und Meinungsartikel für die «Rote Anneliese», «Dimanche.ch», das «L'Hebdo» und den «Blick». (rar)

Warum?
Weil sich die Kaufkraft-Parität in den letzten drei Jahren nicht verändert hat. Sonst hätten wir nicht immer mehr Einkaufstouristen in Lörrach und Konstanz. Die Hochpreisinsel Schweiz wurde nicht abgetragen. Jetzt verschärft sich die Situation für den Werkplatz Schweiz unnötigerweise.

Dass Sie keine Freude am SNB-Entscheid haben, ist nahe liegend, schliesslich ist Ihre Branche besonders betroffen, die Hotellerie. 
Ja. Heute titelte die «Frankfurter Allgemeine»: «Damit wird ein Urlaub in der Schweiz sehr viel teurer.» Das werden alle im Ferientourismus zu spüren bekommen.  

Erwarten Sie erste Rückgänge für die verbleibende Skisaison?
Logo. Für den Tourismus ist der Entscheid – wie für die Uhrenindustrie – ein unnötiger «Tsumani», wie sich Swatch Group CEO Nick Hayek treffend ausdrückte. 

«Ich verlange ein neues Direktorium für die Nationalbank. 

Ist der SNB Entscheid für Sie existenzgefährdend? 
Nein, aber auch für Betriebe mit 300 Betten führt der unverständliche Entscheid der Nationalbank zu brutalem Druck auf Kosten und Margen. Weil wir die Preise in Euro nicht erhöhen können, ohne Gäste zu verlieren.  

Peter Bodenmanns Hotel «Good Night Inn» in Brig. Bild: Good Night Inn

Sehen Sie einen Ausweg? 
Jetzt sind vier konkrete Massnahmen nötig: Erstens müssten europäische Fleischpreise für die Hotellerie her. Pro Übernachtung müssten wir das Recht bekommen, 300 Gramm Fleisch zollfrei zu importieren. Zweitens ist eine Revision des Kartellgesetz gegen die überhöhten Importpreise dringend nötig. Drittens verlange ich endlich eine kostenfreie Buchungsplattform für alle Schweizer Hotelbetten. Und viertens? Ein neues Direktorium für die Nationalbank!

Presseschau zum Mindestkurs-Entscheid der SNB

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • Gelöschter Benutzer 15.01.2015 23:10
    Highlight Eine kostenfreie Buchungsplattform ist bestimmt nicht Aufgabe des Bundes. Hat er Tagträume?
    7 1 Melden
  • Dubio 15.01.2015 22:43
    Highlight Herr Bodenmann hat grad auf eindrücklich Art bewiesen, dass er von Volkswirtschaft keinen blassen Schimmer hat. Aber das ist ja nicht neu, schließlich war ihm in den Nullerjahren in unzähligen Kolumnen ja auch Irland das große Beispiel, welchem die Schweiz folgen sollte......

    Die Schweiz tut gut daran, Herrn Bodenmann nicht zuzuhören.
    12 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 15.01.2015 18:30
    Highlight Lerne klagen ohne zu leiden. Seine forderungen kann ich allerdings teilweise unterstuetzen. Weg mit den fleischkontingenten, freier import (mit mehrwertssteuer) auch jeden anderen paralellimport und aufloesen bzw. verbot von kartellen. Fuer eine buchungsplattform aber sind die damen und herren hoteliers selbst verantwortlich, auch waer es angebracht das diese den normalen Mwst unterstellt werden. Und ein neues direktorium fuer die SNB, herr bodenmann sind sie nicht schon etwas zu alt fuer juso utopien.
    19 4 Melden
    • Angelo C. 15.01.2015 22:48
      Highlight Gutes statement, sehe ich alles auch so :-)! Ungeachtet aller Alarmmeldungen konnte man auch von diversen kompetentem Interviewpartnern und Wirtschaftssachverständigen hören, dass sowohl die Politik, wie vor allem auch die Schweizer Wirtschaft stets und immer gewusst haben, dass es sich beim bisherigen Zustand um eine bloss vorübergehende Massnahme und Hilfestellung handeln würde. Und dass der heutige Wechsel als Überraschungcoup gehandhabt werden musste, denn sonst hätten zahllose unerwünschte Insidergeschäfte und wenig begrüssenswerte Devisenspekulationen stattgefunden. Und dass es gerade jetzt sein musste, wurde glaubwürdig mit den in wenigen Tagen bevorstehendem Massnahmen der EZB (Draghi) begründet, was doch recht stichhaltig daherkommt. Herr Bodenmann sollte da also mit seinen Urschreis etwas mehr halblang machen, auch wenn er vom Tourismus lebt.
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