Wirtschaft

Für guten Service

Stewardessen bringen dem Pflegepersonal Manieren bei

Öffentliche Spitäler buhlen um Privatversicherte. Das hat Folgen für die Belegschaft. Patienten werden vermehrt als Kunden wahrgenommen. Aktive oder ehemalige Flight Attendants zeigen den Angestellten, worauf sie achten müssen.

03.11.14, 06:20 03.11.14, 10:42

Thomas Schlittler / Aargauer Zeitung

Ein Artikel der

Die Kundenfreundlichkeit der Swiss-Stewardessen gilt nicht nur in der Luftfahrt als vorbildlich. Deshalb lassen auch Unternehmen aus anderen Branchen ihr Personal von aktiven oder ehemaligen Stewardessen schulen. Der Gesundheitssektor gehört ebenfalls zu den Kunden von Swiss Aviation Training (SAT), die für die Aus- und Weiterbildung des Swiss-Personals zuständig ist. 

Während früher vor allem Privatkliniken das Angebot in Anspruch genommen haben, kommen nun vermehrt öffentliche Spitäler auf die Swiss-Tochter zu: «Seit Einführung der Fallpauschalen sowie der freien Spitalwahl ist der eigene Auftritt bei öffentlichen Spitälern verstärkt zum Thema geworden», sagt Karin Wolf-Schwarz, die bei SAT für die externen Kurse verantwortlich ist. 

Von den Flight Attendants der Swiss können Pfleger etwas lernen. Bild: KEYSTONE

Die Experten der Swiss zeigen dem Krankenhauspersonal, worauf sie im Umgang mit den Patienten achten müssen, damit sich diese wohlfühlen. Das Ziel sei, dass das Krankenhauspersonal die Patienten vermehrt als Kunden wahrnehme, so Wolf-Schwarz. Neben den Umgangsformen ist in den Kursen auch das Erscheinungsbild ein Thema. Wolf-Schwarz: «Wir fördern bei der Belegschaft das Bewusstsein, dass ein Tattoo, ein Piercing, eine ungepflegte Frisur oder unpassende Kleidung bei einigen Patienten ein ungutes Gefühl auslösen kann.» 

Solche Belehrungen – die in einigen öffentlichen Spitälern zu festen Vorschriften geworden sind – werden beim betroffenen Krankenhauspersonal heiss diskutiert. Das wissen auch die Verantwortlichen: «Das gefällt natürlich nicht allen. Aber an diesem Wandel kommen die öffentlichen Spitäler – und damit auch die Belegschaft – nicht vorbei», sagt Matthias Pfammatter, Direktor des Zürcher See-Spitals mit Standorten in Kilchberg und Horgen. 

Das See-Spital hat kürzlich eine eigene Abteilung für Privat- und Zusatzversicherte eröffnet – und ist damit kein Einzelfall. Pfammatter: «Seit Einführung der neuen Spitalfinanzierung – und insbesondere der Aufhebung der Defizitgarantie – ist der Kampf um die Privat- und Zusatzversicherten voll entbrannt.» Denn die obligatorisch Versicherten seien nicht kostendeckend. 

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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  • Gelöschter Benutzer 03.11.2014 12:30
    Highlight "Swiss-Stewardessen gilt nicht nur in der Luftfahrt als vorbildlich"

    Ausgerechnet swiss, noch besser waeren ehemalige swissair stewardessen !

    Ich liebe eure satirischen beitraege, je laenger je mehr.

    Ich war zwar erst einmal im leben wirklich krank und im spital. Ich wage wieder mal zu behaupten: umgekehrt waer sinnvoller !

    ps.
    Abgesehen davon, fliegendes servicepersonal hat laengst kein traumjob
    mehr, sondern arbeit unter erschwerten und manchmal widrigen umstaenden.
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  • Prangerl 03.11.2014 10:20
    Highlight Ein alter Hut, das gab es schon vor 25 Jahren, habe noch die Kursunterlagen der damaligen Swissair. Ich bin allerdings der Meinung, das nicht das Personal sondern wenn schon die Patient geschult ( erzogen ) werden. Das Spital ist nur ein Abbild einer Gesellschaft ohne Anstand und sozialer Regeln, es fehlt jeglicher
    common sense. Das ganze wird wieder aufgegriffen von der Weiterbildungsindustrie um sich das Geld zu sichern, wer bezahlt ? SIE , über Steuern und Krankenkasse R.I.P. CH !
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  • smoe 03.11.2014 07:43
    Highlight Der Titel im­pli­zie­rt, dass das Pflegepersonal schlechte Umgangsformen hätte. Zeugt nicht gerade von guten Manieren, für ein paar Klicks so einen Vorwurf zu machen ;)
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  • Christian Denzler 03.11.2014 07:22
    Highlight Ein beängstigender Artikel. Zweiklassengesellschaft par excellance. Ein weiterer Grund, warum Gesundheitsvorsorge nicht privatisiert sein darf. Privatversicherungen können sich immer weniger leisten. Allgemeinversicherte werden dann die Reste der Privatpatienten vorgeworfen bekommen. Kapitalismus in Reinkultur. Typische Auswirkungen bürgerlicher Politik.
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    • Gelöschter Benutzer 03.11.2014 16:02
      Highlight Das meinst Du nun aber nicht im ernst ? Kennst Du die zustaende im vom staat organisierten "sozialfreundlichen" gesundheitssystem ? (Die moeglichen auswirkungen sind auch im ch-sozialsystem bereits gut zu sehen.)
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    • Bonifatius 04.11.2014 10:07
      Highlight @zzyzxx: Die da wären? Denzler hat völlig recht. Mir ist im Spital vor allem wichtig ob die Pfleger/Innen mir richtig Blut abnehmen können. Da darf auch ruhig die eine oder andere Haarsträhne zu sehen sein. Zudem bin ich sicher dass es nicht förderlich ist wenn die Pflegschaft gestresst ist: also das Geld lieber für die eine oder andere Krankenschwester mehr ausgeben als für SwissSchleimkurse.
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    • Gelöschter Benutzer 04.11.2014 12:19
      Highlight @bonifatius - wie erwaehnt (12:30) habe ich kaum erfahrung als spitalpatient. Ev. schlecht ausgedruckt, doch ich habe nie eine schlechte, launische , unfreundliche oder unfaehige krankenschwester erlebt, weder an mir selbst noch bei besuchen. Und JA, sie sollten mehr bekommen, achtung, wohlwollen und erst recht aufs gehaltskonto.
      Auf Deine erste frage kann ich hier nicht eingehen, es wuerde jeden rahmen sprengen. Nur so viel, klassen sind nirgends ausgepraegter als in staatllich kontrollierten systemen und das sehe ich taeglich.
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