Wirtschaft

So kündigt das Unternehmen Global Brokers auf seiner Partnerseite den Rückzug als Folge der starken Frankenaufwertung am Donnerstag an. Bild: Screenshot

Die Opfer der SNB-Massnahme

Ganzes Betriebskapital vernichtet: Neuseeländischer Währungsbroker muss nach SNB-Entscheid schliessen

16.01.15, 06:50 16.01.15, 08:18

Die überraschende Aufhebung des Mindestkurses zum Euro hat selbst auf der anderen Seite der Erde einige auf dem falschen Bein erwischt. Der Kleinbroker Global Brokers aus Neuseeland kündigte am Freitag in Auckland an, er müsse nach dem Schritt der Schweizerischen Nationalbank seinen Betrieb einstellen.

Die meisten Kunden seien bei den Ereignissen am Donnerstag «auf der Verliererseite gestanden», schreibt das Unternehmen in einer Erklärung. Viele von ihnen hätten mehr verloren, als ihr Konto wert sei.

Da Global Brokers für diese Verluste aufkommen müsse, habe das Unternehmen sein gesamtes Betriebskapital verloren und weise nicht mehr die regulatorische Mindestkapitalisierung von einer Million neuseeländische Dollar auf.

Das Unternehmen weist noch darauf hin, dass es bei der Bearbeitung von Abhebungsaufträgen zu kleineren Verzögerungen kommen könne. Es kämen derzeit hunderte solcher Aufträge rein.

225 Millionen Dollar ausstehend bei FXCM

In Schwierigkeiten geriet auch der grösste US-Broker für Währungen, FXCM, wie das Finanzportal Bloomberg berichtete. Die Kunden schuldeten FXCM insgesamt 225 Millionen Dollar nach dem schwarzen Donnerstag. Viele Kunden hätten bedeutende Verluste hinnehmen müssen. Die Aktien des Händler verloren am Donnerstag 15 Prozent.

Er wäre nicht erstaunt, wenn noch mehr Firmen den Betrieb aufgeben müssten, zitiert Bloomberg einen Bankenexperten. 

Wellen geschlagen hat die Aufhebung auch in osteuropäischen Staaten, in denen ein beachtlicher Teil der Hypotheken in Schweizer Franken aufgelegt sind - wegen der tieferen Zinsen. Die Währungen Polens (-15 Prozent), Ungarns und Rumäniens sanken am Donnerstag laut Bloomberg markant.

Schlecht positioniert ist vor allem Polen. Nach Angaben der dortigen Finanzmarktaufsicht waren per Ende November 46 Prozent der Hypotheken für Liegenschaften in Schweizer Franken. Das entspricht 131 Milliarden Zloty - heute sind das noch rund 30,6 Milliarden Franken.

Verluste auch in Japan

Auch an den Börsen im Fernen Osten hinterliess der überraschende Schritt der Schweizerischen Nationalbank SNB Spuren. Der Dollar fiel gegenüber der japanischen Währung auf ein Ein-Monats-Tief von 115,90 Yen.

Dies sorgte für Verluste bei Exportwerten. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index fiel um 2,8 Prozent auf 16'628 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index büsste 2,3 Prozent auf 1345 Zähler ein.

Sony und Nissan verloren 5,5 Prozent und 1,8 Prozent. Nachdem der weltgrösste Chiphersteller Intel mit seiner Bilanz die Anleger enttäuschte, litten Aktien der Computerbranche. Die Anteilsscheine von Ibiden sanken um 2,5 Prozent, die von Shinko Electric fielen um 4,6 Prozent. (trs)

 

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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  • Gelöschter Benutzer 16.01.2015 09:18
    Highlight Was will uns diese Geschichte sagen. Da hat jemand ein Business aufgebaut und Geld damit verdient, dass der Schweizer Franken planwirtschaftlich durch den Staat tief gehalten wird und hat nicht damit gerechnet und sich abgesichert, dass diese Massnahme jemals aufgehoben wird. Mir kommen keine Tränen.
    8 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.01.2015 09:06
    Highlight Warum haben Polen, Rumänen und Ungaren ihre Hypotheken in CHF aufgenommen - selber schuld. Ein vernünftiger Mensch käme auch nicht auf diese Idee.
    Und die amerikanischen und neuseeländischen Broker haben halt auch auf Top-Risiko gespielt und verloren.
    14 2 Melden
    • stadtzuercher 16.01.2015 09:22
      Highlight Es gibt halt keine grossen Profite (oder wie bei den Polen: tiefe Hypothekarzinsen in Fremdwährung) ohne Risiken. Auch hier gilt: Die Hypothekenbesitzer, die es in den letzten 3 Jahren nicht geschafft haben, sich solider aufzustellen, sind selber schuld. Schon vor der Intervention der SNB haben die Osteuropäischen Währungen gegenüber dem CHF kontiniuierlich an Wert verloren.
      5 0 Melden
    • pun 16.01.2015 13:46
      Highlight 46% aller polnischen Hypothekenabschlüsse wurden also von unvernünftigen Menschen aufgenommen, die nun "selbst schuld" seien? Klingt eher nach einer sehr geringen Risikoauf- und abklärung. Häme finde ich völlig falsch am Platz!
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  • SeKu 16.01.2015 09:05
    Highlight "Viele von ihnen [Kunden dieser Devisen-Wett-Bude] hätten mehr verloren, als ihr Konto wert sei."
    Dann geht ja der Plan der SNB ja auf, die Zocker abzuschrecken. Gut so, ein paar weniger, welche mit unseren Arbeitsplätzen spielen. Weiter so!
    16 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.01.2015 08:57
    Highlight wenn sich die schweiz jemals wirklich unbeliebt gemacht hat, dann wohl jetzt.
    3 16 Melden
    • Sven Berger 16.01.2015 09:39
      Highlight Ja und?
      4 1 Melden
  • Bowell 16.01.2015 08:10
    Highlight Und dann hört man immer wieder, dass man den Einfluss der CHF nicht überbewerten soll...
    8 1 Melden
  • Mr.Stepper 16.01.2015 07:58
    Highlight Kunden haben mehr verloren als Ihr Konto wert war... Hat da jemand versucht mit dem leverage Effekt zu gamblen?

    Haben nicht die hohen Investitionen in den schweizer Franken stark zu einer Erhöhung des Frankens beigetragen?

    Um das "abzuwehren" ja auch der Negativzins... Die Massnahme und die Folgen wirken jetzt gerade krass, ich denke jedoch mittel- bis langfristig war der Entscheid, den Mindestkurs aufzuheben, richtig. Die SNB kann nicht langfristig die Bilanz ins Nirvana verlängern und virtuelle Franken drucken.
    22 0 Melden

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