Wirtschaft
Palaniappan Chidambaram, minister of finance of India, speaks during a panel session on the second day of the 44th Annual Meeting of the World Economic Forum, WEF, in Davos, Switzerland, Thursday, Jan. 23, 2014. (AP Photo/Keystone, Laurent Gillieron)

Finanzminister Palaniappan Chidambaram am diesjährigen WEF in Davos. Bild: AP/KEYSTONE

Schwarzgeld auf Schweizer Banken

Dicke Post für Widmer-Schlumpf: Indiens Finanzminister droht der Schweiz mit Sanktionen

Ein Streit um Steuerflucht belastet die Beziehungen zwischen der Schweiz und Indien. Nun hat Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf einen geharnischten Brief aus Delhi erhalten.

27.03.14, 18:14 28.03.14, 10:34

Es geht um rund 600 Namen. Sie stammen von einer CD mit Kundendaten, die der Informatiker Hervé Falciani bei der Genfer Filiale der britischen Grossbank HSBC entwendet hat. Die indische Regierung vermutet, dass es sich um Steuersünder handelt, sie hat die Schweiz um Auskunft ersucht. Doch das Finanzdepartement weigert sich, weil es sich um gestohlene Bankdaten handelt.

Seit Monaten streiten sich Bern und Delhi in dieser Angelegenheit. Nun ist dem indischen Finanzminister Palaniappan Chidambaram der Geduldsfaden gerissen. Letzte Woche sandte er einen Brief an seine Amtskollegin Eveline Widmer-Schlumpf. Es handle sich um eine «nachdrückliche» Warnung vor «weiteren Schritten», falls die Schweiz nicht mehr Entgegenkommen zeige, schreibt die indische Wirtschaftszeitung The Economic Times am Donnerstag.

Bern bereitet Antwort vor

Bereits am diesjährigen WEF in Davos hatte Chidambaram mit Konsequenzen gedroht: «Wir wollen wissen, wie viel indisches Schwarzgeld in der Schweiz liegt.» Konkret könnte Indien die Schweiz als «unkooperative Jurisdiktion» einstufen. Investoren würden gemäss der «Economic Times» dann nicht mehr von Erleichterungen profitieren, die im Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den beiden Ländern vereinbart wurden. 

«Wir haben den Brief erhalten und bereiten eine Antwort vor.»

Mario Tuor, Staatsekretariat für internationale Finanzfragen

In Bern hat man die neuste Entwicklung zur Kenntnis genommen: «Wir haben den Brief erhalten und bereiten eine Antwort vor», erklärte Mario Tuor vom Staatsekretariat für internationale Finanzfragen (SiF) auf Anfrage von watson. Zum Inhalt des Antwortschreibens äusserte er sich nicht. In Bern will man den Ball flach halten und den Steuerstreit mit der aufstrebenden asiatischen Wirtschaftsmacht nicht anheizen.

Keine Amtshilfe bei gestohlenen Daten

Der Schaden durch die angedrohten Sanktionen dürfte sich in Grenzen halten. Trotzdem befindet sich die Schweiz in einer schwierigen Lage. Eigentlich wollte der Bundesrat mit einer Gesetzesrevision Amtshilfe bei Steuerdelikten auch dann ermöglichen, wenn die Gesuche auf gestohlenen Daten beruhen. Nach heftiger Kritik in der Vernehmlassung beerdigte er diese Pläne im letzten Herbst. 

In Delhi zeigt man sich unbeeindruckt. Dort beruft man sich auf einen Artikel im Doppelbesteuerungsabkommen. Dieser habe Vorrang vor nationalen Gesetzen. Im Februar schickte die Schweiz eine Delegation nach Indien, um die Wogen zu glätten. Ein Beamter des indischen Finanzministerium bezeichnete das Treffen gegenüber der «Economic Times» jedoch als nutzlos, es habe zu einer «vollständigen Blockade» geführt. Indien habe deshalb das Recht, die Schweiz als unkooperativ zu bezeichnen. Im Fall der Mittelmeer-Insel Zypern wurde diese Massnahme bereits ergriffen und ein bilaterales Steuerabkommen suspendiert.

Der mutmassliche Wahlsieger Narendra Modi will die Steuerflucht ebenfalls bekämpfen. Bild: AP/AP

Wahkampf-Getöse

Die Kraftmeierei dürfte auch mit den Parlamentswahlen zusammenhängen, die am 7. April beginnen und in der grössten Demokratie der Welt rund einen Monat dauern. Der regierenden Kongresspartei droht nach allen Umfragen eine Niederlage. Eine harte Linie gegenüber der «Steueroase» Schweiz könnte sich da auszahlen, denn Steuerflucht ist ein wichtiges Thema im Wahlkampf. Auch der mutmassliche Wahlsieger Narendra Modi, von der hindu-nationalistischen Partei BJP, geisselt das Verschieben von Schwarzgeld auf ausländische Banken

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Bern und Delhi verhandeln derzeit über ein Freihandelsabkommen, und hier sitzen die Bremser in der Schweiz. Die Pharmaindustrie verlangt einen umfassenden Schutz von geistigem Eigentum, den Indien mit Rücksicht auf seine Medikamenten-Branche nicht akzeptieren will. Ob ein Machtwechsel in Delhi zu einer Entspannung führen wird, scheint zumindest fraglich.

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1Kommentar anzeigen
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • elivi 27.03.2014 19:39
    Highlight ich frag mich was sie sanktionieren wollen? ... etwa wir schicken keine günstigen spezialisten mehr in die schweiz? ... da würde sich wohl der ein oder andere eher freuen ...
    8 3 Melden

CVP-Boss Pfister flirtet mit No Billag – und verärgert damit seine eigene Partei

Keine andere Partei gilt als so SRG-freundlich wie die CVP. Prominente Ausnahme: Präsident Gerhard Pfister. Auf Twitter provoziert er SRF-Chefredaktor Tristan Brenn heftig.

Wie ein Ritter in silberner Rüstung ist CVP-Nationalrat Martin Candinas stets zur Stelle, wenn es um die Verteidigung des medialen Service public geht. Für den nationalen Zusammenhalt sei eine starke SRG unerlässlich, betont er, wann immer Kritik an Schweizer Radio und Fernsehen laut wird.

Er ist in seiner Partei in guter Gesellschaft: Als der Nationalrat in der Herbstsession über die Initiative «Ja zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren» – kurz No Billag – debattierte, meldete …

Artikel lesen