Wirtschaft

Geldwäscherei bei der Tessiner Bank BSI: Chef tritt zurück, Bundesanwaltschaft ermittelt

24.05.16, 06:50 24.05.16, 08:50

Stefano Coduri, Chef der Tessiner Privatbank BSI, tritt per sofort zurück. Dies nachdem die Finanzmarktaufsicht Finma schwere Verfehlungen der Bank geortet und die Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren gegen die Bank eröffnet hat. Es geht dabei um die Korruptionsaffäre um den malaysischen Staatsfonds 1MDB.

Die BSI hatte Geschäftsbeziehungen mit einem Bezug zu dem Staatsfonds ungenügend geprüft, wie aus einer Mitteilung der Finma vom Dienstag hervorgeht. Von einem «ungenügenden Risikomanagement» und einem «Versagen der internen Kontrollsysteme» ist in der Mitteilung die Rede.

Transaktionen nicht hinterfragt

Zweifelhafte Transaktionen in der Höhe von Hunderten von Millionen US-Dollar seien nicht hinterfragt worden. So habe sich die Bank beispielsweise bei einem Mittelzufluss von 20 Millionen US-Dollar mit der blossen Erklärung des Kunden, dass es sich dabei um ein Geschenk handle, begnügt.

Auch seien die verrechneten Gebühren überdurchschnittlich hoch und nicht marktüblich gewesen. Die Bankverantwortlichen hätten nicht hinterfragt, weshalb die ausländischen Staatsfonds für diese Dienstleistungen überhöhte Gebühren zahlten.

Management war involviert

Aus der Mitteilung geht hervor, dass es sich auch nicht lediglich um Verstösse einzelner Angestellter handelt: Die Geschäftsbeziehungen mit einem Bezug zu 1MDB seien wiederholt auf höchster Managementebene thematisiert worden.

Dennoch hätten sich der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung der Bank wiederholt für die Weiterführung dieser «wirtschaftlich sehr attraktiven Kundenbeziehungen» ausgesprochen. Dies ohne dass die zahlreichen und deutlichen Hinweise auf Risiken adäquat abgeklärt worden wären.

Finma zieht 95-Millionen-Gewinn ein

Die Finma hat Massnahmen ergriffen: Sie zieht «den ungerechtfertigt erzielten Gewinn» in der Höhe von 95 Millionen Franken ein. Diese Gelder gehen an den Bund. Zudem hat die Finma Enforcementverfahren gegen zwei ehemalige Funktionsträger der Bank eröffnet.

Neuer Chef der BSI wird Roberto Isolani, wie die Bank am Dienstag mitteilte. Isolani ist derzeit Mitglied des Verwaltungsrates der Bank. Er werde eine reibungslose Integration der BSI in EFG International gewährleisten, teilte die Bank mit.

BSI-Verkauf kann trotzdem stattfinden

Dass die BSI durch die Vermögensverwalterin EFG übernommen werden soll, ist bereits seit längerem bekannt. Der vereinbarte Kauf kann wie geplant stattfinden. Die Finanzmarktaufsicht Finma hat dies genehmigt.

Die Bedingung ist jedoch, dass die BSI vollständig integriert und innerhalb von zwölf Monaten aufgelöst wird. Zudem dürfe keiner der BSI-Gewährsträger und leitenden Manager, die für die festgestellten Verfehlungen verantwortlich seien, in entsprechenden Positionen bei der EFG tätig sein, heisst es in der Mitteilung der Finma. EFG International zahlt wegen der Verfehlungen von BSI zudem weniger für deren Übernahme als ursprünglich geplant. (egg/sda)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1Kommentar anzeigen
1
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Gelöschter Benutzer 24.05.2016 10:07
    Highlight Als wäre das etwas neues...
    ...immer wenn ich solche Beiträge lese, kommt mir die Aussage von einem Spitzenbanker in den Sinn: Ohne Geldwäscherei und Schwarzgeld, wären die Bahnhofstrasse und der Paradeplatz nicht das was sie heute sind.
    0 0 Melden
    600

Ständerat will Pädophilen-Initiative mit einem Gesetz umsetzen

Der Ständerat will die Pädophilen-Initiative nicht direkt anwenden. Die Mehrheit ist der Auffassung, dass es dafür ein Gesetz braucht. Am Montagnachmittag ist die kleine Kammer auf die Vorlage eingetreten.

Die Änderung des Strafgesetzbuchs soll den im Mai 2014 angenommenen Verfassungsartikel konkretisieren. Dieser verlangt, dass Personen, die wegen Sexualdelikten an Kindern oder abhängigen Personen verurteilt wurden, nie mehr eine berufliche oder ehrenamtliche Tätigkeit mit Minderjährigen …

Artikel lesen