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Blutmond: Die Erdatmosphäre streut rötliches Sonnenlicht auf den Trabanten.
Bild: AP The Fayetteville Observer

Diesen Mond wirst du 18 Jahre lang nicht mehr sehen: Heute wird aus dem Supermond ein Blutmond 

24.09.15, 13:59 27.09.15, 18:38

Mondsüchtige, Romantiker und Astronomiefans können sich auf ein seltenes Spektakel freuen: In der Nacht auf morgen fallen ein «Supermond» und ein «Blutmond» zusammen. Das hat es 1982 zum letzten Mal gegeben, und es wird bis zum Jahr 2033 dauern, bevor sich die Konstellation wiederholt.

Grund für den Blutmond ist eine totale Mondfinsternis, das heisst, die Erde steht auf einer geraden Linie zwischen Sonne und Mond, der dann im Kernschatten der Erde liegt. Der Erdtrabant ist aber trotz der Finsternis nicht unsichtbar; er schimmert – eben als Blutmond – in schwachem rotem Licht. Das rote, langwellige Sonnenlicht wird von der Erdatmosphäre stärker gebrochen als beispielsweise blaues Licht und in den Schattenkegel gestreut, wo es den Vollmond beleuchtet. 

Der Supermond erscheint 14 Prozent grösser

Das Phänomen Supermond wiederum entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren der Himmelsmechanik. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Tatsache, dass die Umlaufbahn unseres Trabanten um die Erde nicht kreisförmig, sondern elliptisch ist. Diese Ellipse wird zusätzlich noch durch den Einfluss der Sonne gestaucht oder gestreckt.

Im Mittel ist der Mond während seiner knapp 28-tägigen Reise um die Erde rund 384'000 Kilometer von uns entfernt; doch die Distanz kann dabei von 356'410 bis 406'740 Kilometer variieren. Der Unterschied zwischen dem erdnächsten Punkt, dem Perigäum, und dem erdfernsten Punkt, dem Apogäum, beträgt also im Maximum mehr als 50'000 Kilometer.

Mondbahn mit Apogäum und Perigäum. 

Die unterschiedlichen Entfernungen wirken sich auf den scheinbaren Durchmesser der Mondscheibe am Himmel aus – der Grössenunterschied kann rund 14 Prozent erreichen. Dies ist am deutlichsten zu beobachten, wenn eine Vollmondphase mit dem Perigäum, dem erdnächsten Punkt, zusammenfällt.

Grössenunterscheid zwischen Mond und Supermond.

Dies ist am kommenden 28. September der Fall. Um 3.46 Uhr, kurz vor dem Höhepunkt der Mondfinsternis, steht der Mond nur 356'877 Kilometer von der Erde entfernt. Das ist die geringste Distanz des ganzen Jahres, wie die Astronomische Gesellschaft Winterthur mitteilt

Im August 2014 gab es auch schon einen Supermond. Das Bild zeigt den Erdtrabanten einen Tag vor der maximalen Erdnähe über Zürich. 
Bild: KEYSTONE

Spektakel für Frühaufsteher

Astronomie-Interessierte, die sich die Supermond-Mondfinsternis nicht entgehen lassen wollen, müssen zum Wochenstart aber früh aufstehen: Das Naturschauspiel beginnt um 3.07 Uhr. Dann fängt der im Sternbild Fische stehende Vollmond an, den Kernschatten der Erde zu durchqueren. Etwa eine Stunde später ist die Mondscheibe voll in den Erdschatten eingetaucht und bleibt dort bis 5.23 Uhr sichtbar. 

Nach 6.27 Uhr verlässt der Mond die zentrale Verfinsterungszone langsam wieder und geht um 7.30 Uhr am Westhorizont unter. Da die Morgendämmerung dann bereits eingesetzt hat, dürfte von der letzten Phase – der Halbschatten-Finsternis – von Mitteleuropa aus nicht mehr viel zu bemerken sein, wie es auf astronomie.info heisst.

Der Mond befindet sich 73 Minuten komplett im Kernschatten der Erde.
Grafik: Arnold Barmettler, astronomie.info

Beobachten lässt sich die Mondfinsternis in der Schweiz praktisch überall gleich gut – gutes Wetter vorausgesetzt. Ideal ist ein klarer Himmel, Wolken stören immer. Auch künstliches Licht stört; es ist also nicht klug, sich das Spektakel unter einer Strassenlaterne anzuschauen. Die Finsternis ist in ihrer vollen Länge in vielen Ländern Europas, aber auch in Teilen Afrikas und Amerikas sichtbar. 

Hinter Wolken verborgen

Die totale Phase dauert diesmal 73 Minuten. Im Juni 2011 gab es in der Schweiz die längste totale Mondfinsternis seit mehr als zehn Jahren zu bestaunen. Damals dauerte die totale Phase 101 Minuten. Allerdings machten Wolken vielen Beobachterinnen und Beobachtern einen Strich durch die Rechnung.

Sollte sich das Naturschauspiel auch dieses Mal hinter Wolken verbergen, bietet sich in Europa die nächste Chance auf den Anblick einer totalen Mondfinsternis erst wieder am Abend des 27. Juli 2018. (dhr/sda)

«Supermonde 2015».
YouTube/itsVision.tv

Quiz: Kennst du dich aus in unserem Sonnensystem?

1.Unser Mond ist bei grösster Distanz rund 406'000 Kilometer von der Erde entfernt. Welche der anderen sieben Planeten hätten dann zwischen Erde und Mond Platz?
Die fünf kleinsten.
Die sechs kleinsten.
Alle sieben.
2.Bis auf Merkur und Venus haben alle Planeten in unserem Sonnensystem Monde. Welcher ist der grösste?
Shutterstock
Shutterstock
Titan
Shutterstock
Ganymed
Shutterstock
Kallisto
3.Welcher Planet ist kleiner als der grösste Mond?
Shutterstock
Shutterstock
Merkur
Shutterstock
Venus
Shutterstock
Mars
4.Jupiter ist der grösste der Planeten in unserem System. Wie gross ist sein Anteil an der Gesamtmasse aller Planeten?
Shutterstock
37 Prozent
52 Prozent
71 Prozent
5.Ein anderes Bild entsteht, wenn das Zentralgestirn, die Sonne, miteinbezogen wird. Wie gross ist deren Anteil an der Gesamtmasse des Sonnensystems?
Shutterstock
69,84 Prozent
88,79 Prozent
99,86 Prozent
6.Nichts ist schneller als Licht. Doch benötigt es rund acht Minuten, um von der Sonne zu uns zu gelangen. Wie lange unterwegs ist aber ein Photon, das im Inneren der Sonne entsteht, bis es deren Oberfläche erreicht?
Über 1 Million Jahre.
Über 10'000 Jahre.
Über 10 Jahre.
7.Der Mars ist kleiner als die Erde. Wie gross ist seine Oberfläche, wenn man sie mit der Erdoberfläche vergleicht?
Nasa
Wikipedia
So gross wie die gesamte Wasserfläche der Erde.
Wikipedia
So gross wie die gesamte Landfläche der Erde.
Wikipedia
So gross wie Europa und Asien zusammen.
8.Der Mars hat zwei kleine Monde, Phobos und Deimos. Welche der folgenden Aussagen zu den Marstrabanten ist frei erfunden?
Die Oberfläche von Phobos ist so gross wie die Fläche von London.
Phobos ist derjenige Mond im Sonnensystem, der sich am nächsten zu seinem Planeten befindet.
Phobos wird auf seiner Umlaufbahn seinerseits von Deimos umkreist.
9.Unser anderer Nachbarplanet, die Venus, zeichnet sich durch eine spezielle Eigenschaft aus. Welche?
Shutterstock
Sie hat nur am Südpol eine Eiskappe.
Sie besitzt kein Magnetfeld.
Der höchste Vulkan im Sonnensystem befindet sich auf der Venus.
10.Der Planet der Ringe, der Saturn, weist noch eine weitere Besonderheit auf. Welche ist es?
Nasa
Er rotiert so langsam, dass ein Tag länger dauert als ein Jahr.
Er hat mehr Monde als der Jupiter.
Seine Dichte ist so niedrig, dass er auf Wasser schwimmen würde.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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  • Hugo Wottaupott 28.09.2015 05:43
    Highlight Wird bestimmt noch paarmal vorkommen. In so einem Mond hat bestimmt viel Blut platz.
    0 0 Melden
  • Stranzl99 25.09.2015 01:43
    Highlight Der Mond immer wunderschön um anzusehen, danke watson für den Artikel. Ebenso spannend finde ich die Antwort, wenn man google nach dem mondpuls fragt.......
    12 0 Melden
  • LILA2000 24.09.2015 15:39
    Highlight Blutmond? Beste Aussichten für einen hervorragenden Blutwein. So sagt zumindest Worf.
    14 0 Melden
    • Damien 28.09.2015 05:01
      Highlight Qapla'!
      Passt das an der Stelle? Ach, das passt doch immer.
      0 0 Melden
  • riqqo 24.09.2015 14:35
    Highlight hoffen wir mal, dass es keine wolken haben wird…
    19 1 Melden

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