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6 Berufe, die den Wandel der Zeit nicht überlebt haben

25.01.17, 19:37 26.01.17, 09:42

Die Welt ist im Wandel und mit ihr auch die Berufe. Immer wieder liest man von der Angst, dass Maschinen ganze Berufszweige überflüssig machen. Doch auch wenn es scheint, dass Berufe heutzutage so schnell verschwinden, wie noch nie, ist es nicht eine neuzeitliche Entwicklung.

Auch verschwinden Berufe nicht immer tatsächlich. Manchmal gehen sie auch einfach in einer angepassten Stellenbezeichnung auf, denn auch Berufe entwickeln sich weiter. Dennoch gibt es Tätigkeiten, die verschwinden, weil sie mit neuen Technologien oder Billigproduktionen nicht Schritt halten können, oder weil sich schlicht die Interessen der Gesellschaft verändern. Hier ist eine kleine Auswahl, quer durch die Weltgeschichte.

Schriftsetzer

Als Johannes Gutenberg um 1445 herum den Buchdruck in Europa revolutionierte, begründete er damit einen Berufszweig, der erst rund 500 Jahre später aussterben sollte. Noch in den 1960er-Jahren war Schriftsetzer ein angesehener Beruf, mit welchem sich viel Geld verdienen liess. Doch schon Mitte der 70er Jahre war der klassische Schriftsetzer eine aussterbende Berufsgattung. Gedruckt wurde nicht mehr im Buchdruckverfahren sondern im Offsett-Verfahren. Wer sich nicht anpassen konnte, war schon bald arbeitslos.

Doch auch wenn der Beruf des Schriftsetzers aus den Karteien der Berufsberatungen verschwunden ist, ist er noch nicht ganz ausgestorben. Retro ist in und so findet man auch noch heute Kurse und kleine Werkstätten, die sich mit dem klassischen Buchdruck beschäftigen.

Eismann

Brechen von Eis und Transport an einem See in Österreich im Jahr 1899. bild: wikipedia

Bevor der Begriff «Eismann» im deutschsprachigen Raum ein Synonym für Glacéverkäufer wurde, hatte er eine ganz andere Bedeutung. Die Aufgabe des Eismannes war es nicht etwa, gefrorene Süssspeisen an schreiende Kinder zu verkaufen, sondern gefrorenes Wasser an Firmen und Bevölkerung zu liefern.

Ein Eismann in Berlin, 1957. bild: wikimedia commons

Der Eismann lieferte also Eisblöcke, denn vor der Erfindung des Kühlschranks gab es keine Alternative, seine Lebensmittel zu kühlen. Mindestens einmal pro Woche wollten die Kühlkisten und Eisschränke wieder mit frischem Eis versorgt werden. Dieses stammte anfangs aus der Natur und wurde in sogenannten Eiskellern zwischengelagert. Obwohl später auch Eis aus industrieller Herstellung gewonnen werden konnte, blieb eines immer unabdinglich: Geschwindigkeit beim Transport. Noch bis in die 1960er Jahre wurden Eismänner gebraucht, bevor sie nach und nach von Maschinen ersetzt wurden: Den Kühlschränken.

Schirmmacher

Ein Schirmmacher bei der Arbeit. bild: youtube/joachim thommes

Der Schirmmacher ist einer der ältesten Berufe der Welt. Es gibt Aufzeichnungen, dass bereits im alten Ägypten Sonnenschirme verwendet wurden und auch die Adelshäuser des 17. Jahrhunderts haben Sonnenschirme verwendet.

Es ist geradezu passend, dass England den Schirm im 18. Jahrhundert auch als Schutz gegen den Regen entdeckt hat. Nach und nach wurde so aus dem Sonnenschirm ein Regenschirm und schon bald verwendete ganz Mitteleuropa das praktische Utensil. Leider läutete der Siegeszug des Regenschirms auch den Niedergang der Schirmmacher ein, denn durch die steigende Nachfrage wurden immer mehr Schirme industriell hergestellt. Schon bald konnten herkömmliche Schirmmacher preislich nicht mehr mit den billigen Schirmen aus den Fabriken mithalten. Heutzutage ist Schirmmacher ein fast ausgestorbener Beruf – eine Berufslehre gibt es nicht mehr.

Köhler

bild: wikipedia

Wer gerne grillt, tut dies meistens mit Holzkohle. Diese kommt in der Regel aus Südamerika oder Afrika, damit sie in Europa zu Billigstpreisen verkauft werden kann. Vor dieser Zeit war der Köhler ein weit verbreiteter Beruf in Europa, dessen Wurzeln bis zurück ins Mittelalter reichen.

Köhler war keineswegs ein angesehener Beruf. Oftmals lebten Menschen, die diesen Beruf ausübten, abseits und führten ein einsames Leben. Der Beruf des Köhlers war ein harter und schmutziger im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Köhlerofen musste konstant auf der richtigen Temperatur gehalten werden. So konnte es vorkommen, dass ein Köhler über Tage oder gar Wochen damit beschäftigt war, sicher zu gehen, dass der Meiler weder erlischt, noch durch zu viel Zugluft abbrennt.

In der Schweiz gibt es noch vereinzelt Köhler. So steigen beispielsweise jedes Jahr in Romoos im luzernischen Entlebuch Rauchfahnen auf, die davon zeugen, dass Köhler am Werk sind.

Kaffeeriecher

Kaffeeriecher inspizieren einen Haushalt. bild: wikimedia commons

Kaffee ist heutzutage, nach dem Erdöl, das zweitgrösste Exportgut der Welt. Das Getränk ist auf der ganzen Welt beliebt und was eine Tasse Kaffee an gewissen Standorten kostet, verschlägt manchem Kaffeetrinker den Atem.

Dieses Problem hatte auch schon die Bevölkerung Preussens Mitte des 18. Jahrhunderst. Zwar wurde der Kaffee endlich von der breiten Masse akzeptiert, doch machte der preussische König vielen nicht so gut betuchten Kaffeeliebhabern einen Strich durch die Rechnung. Dieser erklärte Kaffee nämlich kurzerhand zum Luxusgut und erhob eine Steuer darauf, die 150% des Verkaufspreises ausmachte. Eine Frau, die in einer Spinnerei arbeitete, musste so plötzlich ihren ganzen Tageslohn aufwenden, um eine Tasse Kaffee geniessen zu können.

Verständlich, dass der Schmuggel mit Kaffee schon bald blühte. Um dem entgegenzuwirken, machte der preussische König Kaffee kurzerhand zum Monopol. Nur noch ausgewählte Röstereien durften Kaffee rösten. Damit dies auch eingehalten wurde, wurden sogenannte Kaffeeriecher losgeschickt. Sie sollten illegal gerösteten Kaffee erschnüffeln. Dabei gingen die Soldaten, die meist aus alten Veteranen rekrutiert wurden, äusserst rabiat vor. Ihr Status erlaubte es ihnen, jeden Haushalt ohne Vorbehalt zu durchsuchen und so gehörten sie schon bald zu den verhasstesten Personen dieser Zeit.  Doch auch so vermochte das Köngishaus dem Kaffeeschmuggel nicht den Garaus zu machen. Einige Jahre später wurde das Monopol aufgehoben und mit ihm verschwand auch der Beruf des Kaffeeriechers.

Schmuckeremit

Eremit mit Flotbek. Sepiazeichnung von Johann B. Th. Schmitt, 1795. gemeinfrei

Der Beruf des Schmuckeremiten war wohl einer der skurrilsten Tätigkeiten, welche die Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts hervorgebracht hat.

Die Aufgabe eines Schmuckeremiten war es, in einer Parkanlage zu leben und diese mit seiner Anwesenheit zu schmücken. Aus alten Anzeigen ist bekannt, was die Anforderungen an einen Schmuckeremiten waren: Er musste ein wallendes, wollenes Kleid tragen, durfte sich nur äusserst selten waschen und das Schneiden von Nägel, Bart und Haaren war ganz untersagt.

Ein Schmuckeremit hatte in einer künstlich angelegten Höhle zu hausen, durfte nicht mit den Parkbesuchern sprechen und als Unterhaltung hatte er oft nur eine Bibel zur Verfügung. Dass dieser Beruf dennoch ausgeübt wurde, lag daran, dass er überdurchschnittlich gut bezahlt wurde. Allerdings dauerte die Verpflichtung als Schmuckeremit oft mehrere Jahre am Stück, sodass das viele Geld, zumindest während der Dauer der Anstellung, nicht viel genützt hat.

Auch heutzutage gibt es noch so etwas wie Schmuckeremiten. Es sind die Frauen (und manchmal auch Männer), die an Events und Galen nur dastehen, um zu lächeln und gut auszusehen, damit Besucher mit ihnen ein Foto machen können. Immerhin dürfen sie mit den Besuchern reden und ein gepflegtes Äusseres ist ein absolutes Muss.

Was du hier siehst, sind Profis beim Training. Nur, um welchen Beruf geht es?

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  • jamesjames 27.01.2017 14:42
    Highlight reisebüro fachmann haha
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  • Süffu 27.01.2017 09:56
    Highlight So ein Jahr Schmukeremit-Sabbatical stelle ich mir gar nicht mal so schlimm vor.. da werde ich doch gleich mal die Gemeinde anfragen.
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  • B-Arche 26.01.2017 15:20
    Highlight Uhrsteller!
    Die sind durch die Stadt gegangen und haben öffentliche Uhren (nach) gestellt.

    Da gabs weder Funkuhren noch Zentraluhranlagen.
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  • Theodorli 26.01.2017 13:51
    Highlight Ich habe 1960 noch Elektrowickler gelernt.
    Motoren und Transformatoren Hersteller.
    Gibt es glaub auch nicht mehr.
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  • bfm 26.01.2017 08:38
    Highlight Schiffsfunker - ehemals auch bekannt als "Sparks" oder "Marconisto" - welcher mittels Morsetelegrafie die Kommunikation vom und zum Schiff auf hoher See sicherstellte. Die Schweiz hat mit ihrer Hochsee-Frachtflotte mehrere solcher Funker gehabt, ich war einer davon (oh herrliche Jugendzeit!).
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  • John Smith (2) 25.01.2017 22:28
    Highlight Der Watson-Redaktor ist definitiv kein Schriftsetzer: Das Winkelhaken-Foto ist nämlich spiegelverkehrt. (Oder wollte da ein linkshändiger Setzer einen spiegelverkehrten Text setzen?)
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    • Dean Hubert 25.01.2017 23:48
      Highlight erst mit dem offset verfahren konnten die texte seitenrichtig gesezt werden. buchdruck ist ein direktverfahren
      22 1 Melden
    • Dean Hubert 26.01.2017 00:03
      Highlight erst mit dem offset verfahren konnten die texte seitenrichtig gesezt werden. buchdruck ist ein direktverfahren oder auch hochdruck
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  • Matrixx 25.01.2017 22:25
    Highlight Und die Haderlump habt ihr auch vergessen. Eine Art urtümliche Kleidersammlung. Leute, die im Viehwagen alte Kleider sammelten, um daraus andere Dinge herzustellen.
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  • Matrixx 25.01.2017 22:24
    Highlight Ihr habt die Vorkoster vergessen. Jene Diener im Königshaus, die die Speisen des Königs vorkosten musste, um deren Essbarkeit zu prüfen.
    20 3 Melden
    • Sheez Gagoo 25.01.2017 23:21
      Highlight Die gibt es heute nocht. Der Erdogan beschäftigt solche.
      44 1 Melden
    • Matrixx 26.01.2017 05:59
      Highlight Na, das verwundert mich aber jetzt kein bisschen...
      25 0 Melden
    • Murky 26.01.2017 08:22
      Highlight Weiss aber nicht ob es da eine Lehre gibt. Ist ja ziemlich fatal wenn man durch die Abschlussprüfung fällt... ;-)
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    • Matrixx 26.01.2017 09:16
      Highlight Nein. Die Abschlussprüfung ist dann bestanden, wenn man vergiftetes Essen vorkostet. Dann führtlman den Job sinngemäss aus!
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  • DerGrund 25.01.2017 22:23
    Highlight Es gibt dazu eine sehr sehr empfehlenswerte, etwas ältere Dokureihe vom BR mit dem Namen "Der letzte seines Standes?"
    Wer sich für mittlerweile praktisch nicht mehr ausgeübte Berufe, interessante Personen und beinahe meditativ langsamen Filmschnitt begeistern kann, sollte sich die Reihe unbedingt ansehen!
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    • Sheez Gagoo 25.01.2017 23:24
      Highlight Meine Grossmutter schaut das. Genauso wie "Ich trage einen grossen Namen". Ich kann das nur bekifft ertragen. Vielleicht sieht das in 50 Jahren anders aus.
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    • Gelöschter Benutzer 27.01.2017 09:27
      Highlight @Sheez Gagoo: Armselig wenn man sich für nichts ausser kiffen interessiert. Lesen und Geschichte sind natürlich nur doofe Themen, die einen so tollen und lustigen Menschen wie Dich nicht berühren.

      Du treibst durch's Leben und interessierst Dich natürlich nur für wichtige Themen die im 20 Minuten stehen.

      Du bist unsere Zukunft, eine Toast darauf....
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    • Sheez Gagoo 27.01.2017 10:23
      Highlight DerGrund: Cheers
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    • Sheez Gagoo 27.01.2017 13:53
      Highlight Ich meine natürlich@Highway: Cheers. Sorry Grund.
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  • Petrum 25.01.2017 22:13
    Highlight Achso, all die Leute die im Zürcher HB rumhängen sind moderne Schmuckeremiten.
    109 2 Melden
    • Picker 26.01.2017 08:10
      Highlight Nö, die jagen bloss Pokemon :D
      22 0 Melden
    • bernd 26.01.2017 10:04
      Highlight Pokemon-Jäger gehört auch in die Liste. Die waren mal weit verbreitet so ca zwischen Juli und August 2016, heute sind sie praktisch ausgestorben. Entweder haben die Akkus ihrer Mobilgeräte den Geist aufgegeben oder sie haben bemerkt, dass beim Entwickeln das Spiel vergessen wurde und nur Sammeln möglich war.
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  • Alnothur 25.01.2017 21:40
    Highlight In kleineren Grillbedarf-Läden findet man oft noch Kohle aus Köhlereien. Z.B. in der Berner Altstadt. Und es lohnt sich, das kleine Bisschen zusätzlich zu bezahlen - so eine gute Glut kriegt man mit der Billigkohle nie hin, und man braucht auch viel weniger Kohle.
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  • Yelina 25.01.2017 21:28
    Highlight Oder die Laternenanzünder, bevor elektrisches Licht die Strassenlampen erleuchtete! Oder die beruflichen "Wecker", die zur vereinbarten Weckzeit an dein Fenster klopfen (auch im ersten Stock, mit langen Spiessen). Wie die Wecker allerdings selbst so früh aufstanden?
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    • Matrixx 25.01.2017 22:23
      Highlight Die hiessen Aufwecker oder im Englischen "Knocker-ups". Und es ist nicht überliefert, wer diese weckte...
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  • echidna prophet des proletariats 25.01.2017 20:33
    Highlight so weit zurück muss man gar nicht gehen, oder wer arbeitet noch als dvd-verleiher? internet cafe betreiber?
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    • Baccara 26.01.2017 07:34
      Highlight echidna - du warst länger nicht im Ausland, gäll? In einigen Ländern gibt es nach wie vor Internet-Cafés :-)
      26 0 Melden
    • echidna prophet des proletariats 26.01.2017 23:27
      Highlight du meinst jene länder, in denen man auch noch schriftsetzer bei der arbeit beobachten kann?
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  • Tsetse 25.01.2017 20:14
    Highlight Ein Kumpel ist gelernter Schreibmaschinenmechaniker...
    74 0 Melden
    • chabacha 26.01.2017 09:15
      Highlight das kenn ich leider auch noch viel zu gut.
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  • Murky 25.01.2017 20:06
    Highlight Also, ich bin zwar technologisch bitz weiter, aber im Herzen doch irgendeswie Schriftsetzer. Denn das ist es was Typografen/Gestalter machen. Wenn auch mit InDesign statt Winkelhaken.
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