Wissen

Giftige Dieselabgase haben rund 38'000 Menschen das Leben gekostet

15.05.17, 18:33 16.05.17, 13:06

Fakten rund um den Energieverbrauch in der Schweiz

Stickoxide schaden der Gesundheit – darum gibt es Grenzwerte für den Ausstoss. Eingehalten werden die von vielen Dieselfahrzeugen allerdings nicht. Was das konkret bedeutet, haben Forscher nun errechnet.

Rund 38'000 Menschen sind einer Hochrechnung zufolge wegen nicht eingehaltener Abgasgrenzwerte bei Dieselfahrzeugen allein im Jahr 2015 vorzeitig gestorben. 11'400 dieser Todesfälle entfallen auf die EU, wie ein wissenschaftliches Team um Susan Anenberg von der Organisation Environmental Health Analytics (LLC) in Washington berichtet. Die Gesamtzahl vorzeitiger Todesfälle durch Stickoxide aus Dieselabgasen lag demnach für die weltgrössten Automärkte bei 107'600.

Die Wissenschaftler errechneten, dass Dieselfahrzeuge jährlich rund 4,6 Millionen Tonnen Stickoxide mehr ausstossen als sie nach geltenden Abgasgrenzwerten dürften. Im Jahr 2015 habe der Gesamtausstoss in der Folge bei 13,1 Millionen Tonnen gelegen, schreiben die Forscher im Fachmagazin «Nature».

Stickoxide gehören zu den Vorläuferstoffen bodennahen Ozons: Bei starker Sonneneinstrahlung lösen sie chemische Reaktionen aus, in deren Verlauf Ozon entsteht. Zudem tragen Stickoxide zur Feinstaubbelastung bei.

Messung direkt im Strassenverkehr

Seit Beginn des Volkswagen-Abgasskandals vor zwei Jahren wurde nach und nach bekannt, dass viele Dieselfahrzeuge auf der Strasse mehr Schadstoffe ausstossen als auf dem Abgas-Prüfstand. Durch Systeme, die Abgase direkt im Strassenverkehr messen, konnte in einer Reihe von Untersuchungen festgestellt werden, wie gross der Mehrausstoss ist.

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Auch die Forschungsanstalt Empa in Dübendorf ZH berichtete kürzlich von Testergebnissen mit aktuellen Dieselmodellen mit Abgasstandard Euro 6b, deren Abgasausstoss sie während der Fahrt gemessen hatten. Die ab Oktober geltenden strengeren Zulassungsverfahren würden diese Wagen demnach nicht bestehen, dürfen aber dennoch bis 2019 unverändert verkauft werden. Erst die nächste Modellreihe müsse den strengeren Euro 6c Abgasstandard erfüllen, schrieb die Empa in ihrem Magazin «Empa Quarterly».

Anenberg und Kollegen nutzten Ergebnisse ähnlicher Untersuchungen und etablierte Modelle zur Ausbreitung von Schadstoffen, um den über den Grenzwerten liegenden Ausstoss und die Folgen für die elf grössten Märkte für Dieselfahrzeuge abzuschätzen. Diese Märkte sind Australien, Brasilien, China, die 28 EU-Staaten, Indien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Südkorea und die USA. In diesen Ländern und Regionen werden rund 80 Prozent aller Dieselfahrzeuge verkauft.

Grösster Mehrausstoss bei Lkw und Bussen

Die Forscher konzentrierten sich auf Stickoxide wie Stickstoffoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2). Insgesamt entfallen demnach auf fünf Märkte – Brasilien, China, die EU, Indien und die USA – 90 Prozent des Zusatzausstosses. Bei ihren Modellberechnungen unterschieden die Wissenschaftler nach Autos, Lastwagen und Bussen.

«Der Schwerlastverkehr – grössere Lkw und Busse – trug bei Weitem am meisten zu den überschüssigen Stickoxiden bei, nämlich zu 76 Prozent», sagt Josh Miller vom International Council on Clean Transportation (ICCT) in Washington, Mitautor der Studie.

Lediglich in der EU ist die Situation demnach anders, da Diesel-Pkw dort erheblich weiter verbreitet sind: Dieselautos verursachen in den EU-Ländern etwa 60 Prozent des Mehrausstosses an Stickoxiden pro Jahr.

«Europa trägt unter den grössten Automärkten die grösste Gesundheitslast durch zusätzliche Stickoxid-Emmissionen», sagte ICCT-Experte und Mitautor Ray Minjares. Von den 28'500 vorzeitigen Todesfällen durch Stickoxide aus Dieselabgasen in der EU entfallen demnach rund 11'400 auf den Zusatzausstoss infolge nicht eingehaltener Abgasgrenzwerte.

Gesundheitsaspekt des Diesel-Skandals

Als «überfällig» bezeichnet Benjamin Stephan von Greenpeace die Studie: «Sie stellt Daten zur Verfügung, die wir bisher in der Diskussion vermisst haben». Die Studie sei solide durchgeführt, allerdings fehlten genauere Angaben zu Autoklassen und –marken.

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Er erhofft sich durch die Studie einen anderen Schwerpunkt in der Aufarbeitung des Dieselabgas-Skandals. «Bisher stand oft der Betrug an den Autobesitzern im Mittelpunkt. Jetzt wird klar, welche Grössenordnung der Skandal hat und welche Auswirkungen dies auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen hat.»

Der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags zum Abgasskandal, der in Kürze veröffentlicht wird, spricht allerdings eine andere Sprache. Darin heisst es: «Epidemiologisch ist ein Zusammenhang zwischen Todesfällen und bestimmten NO2-Expositionen im Sinne einer adäquaten Kausalität nicht erwiesen».

Dem widersprechen eine Reihe wissenschaftlicher Experten. So sagt Nino Künzli vom Schweizer Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH) in Basel: «Die Kombinationswirkungen von NO2 mit anderen immer präsenten Schadstoffen sind auch toxikologisch kaum erforscht, weshalb es auch nicht angemessen ist, NO2 per se als unbedenklich zu bezeichnen». (sda/dpa)

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  • Herbert Anneler 04.07.2017 16:38
    Highlight Zu solchen pseudowissenschaftlichen Zahlenspielen kann man nur sagen: Am gefährlichsten ist das Leben - es verursacht 100% Tote...
    5 16 Melden
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  • Kaviar 16.05.2017 09:27
    Highlight Extrem wenig Dieseltote.
    Arbeitsstressbedingte, tödliche Herzinfarkte sind bestimmt tausendmal häufiger.
    12 6 Melden
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  • Umemuuli 16.05.2017 07:59
    Highlight Ich verstehe ja eh nicht warum so wenig Erdgasfahrzeuge verkauft, werden. Ich habe ein VW Passat und zahle CHF 4.70 /100km Treibstoff.
    Wenn keine Erdgastankstelle da wäre kann ich gut 450km mit Benzin fahren. (Brauchte nur 1x in den Ferien). Für alle Motoren Fans, es ist ein 1.4Liter Motor mit 150PS.

    Also was spricht dagegen?
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  • Rendel 16.05.2017 07:24
    Highlight Benziner sind leider auch nicht so harmlos, wie man lange dachte. https://www.srf.ch/news/panorama/feinstaub-aus-benzinmotoren-ein-unterschaetztes-risiko
    6 3 Melden
    600
  • retofit 16.05.2017 07:19
    Highlight In der Schweiz über Umweltvergiftung klagen ist jammern auf hohem Niveau. Wer schon einmal in Asien unterwegs war, weiss was ich meine. Anstatt alibimässig an ein paar Mü CO2 rumzufeilen und zu heulen, findet wohl jede(r) noch Möglichkeiten, für gewisse Aktivitäten auf ein Mfzg zu verzichten. Das ist die einzige Möglichkeit, die Umwelt zu entlasten. Die Entsorgung der Akkus von Elektroautos, Velos usw. ist übrigens auch umweltschädlich.
    12 7 Melden
    • Teslanaut 16.05.2017 10:27
      Highlight Akkus kann man zu 99% recyclen!
      5 3 Melden
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  • Makatitom 16.05.2017 07:01
    Highlight Und wann wird der Winterkorn wegen Mord angeklagt und verurteilt? Und Piëch gleich dazu?
    11 5 Melden
    600
  • Sensenmaa 16.05.2017 06:36
    Highlight Da ist schon was dran. Als Kind hatte ich nie so viel Asthma wie heute, wo so viele Diesel auf der Straße fahren. Ich merke immer gerade wenn solche Fahrzeuge in meiner Nähe in die Luft blasen wird es eng mit atmen.
    10 8 Melden
    • Wehrli 16.05.2017 08:32
      Highlight Schnell den Aluhut auf.
      10 8 Melden
    • yannis675 05.07.2017 12:53
      Highlight Was hat das damit zu tun?
      Es ist nachgewiesen das Feinpartikelstaub die Atemwege stōrt...
      1 0 Melden
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  • Posersalami 16.05.2017 06:01
    Highlight Solange man nicht selbst daran krepiert ists der Spassgesellschaft scheiss egal, was bei ihrem Auto hinten rauskommt. Ansonsten würden schon längst mehrheitlich 3l Autos und dergleichen verkauft werden. Statt dessen gibts jedes Jahr mehr >2t Panzer mit >400Ps auf der Strasse. Alles Trottel.
    38 13 Melden
    • MacB 05.07.2017 14:32
      Highlight Korrigenda: Alles Trottel, ausser dir natürlich. Für dich gelten andere Massstäbe und dein Leben im Gewächshaus schadet niemandem.

      Statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, erklär doch mal, was du gutes tust. Fliegst du auch in die Ferien?
      2 0 Melden
    • Posersalami 05.07.2017 17:08
      Highlight Ich fahre zB kein Auto. Ich bin such sonst ein sehr schlechter Konsument. Gutes tue ich zB, indem ich mich bei einem NGO engagiere.
      1 1 Melden
    • MacB 05.07.2017 22:10
      Highlight Fliegst du in die ferien? Wohl ja...

      Ich hab einen 2t Panzer, fliege aber nie. Wer ist jetzt der Bösewicht?
      0 0 Melden
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  • Pirat der dritte 15.05.2017 23:40
    Highlight Das ist und bleibt eine krasse Schweinerei.
    17 3 Melden
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  • Kuunib 15.05.2017 22:56
    Highlight Also sollten wir als Staat gegen Industriegiganten vorgehen mit extremen gebühren usw. weil alle ausser Tesla uns umbringen.
    Eigentlich sind wir als Menschheit nicht viel intelligenter als Donald Trump selber, wir ersticken uns selber und schieben die Schuld anderen zu. Agent Smith hat schon recht, die Menschheit ist ein Virus.
    Soll ich mich präventiv selber umbringen?
    21 8 Melden
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  • pamayer 15.05.2017 21:51
    Highlight Also müsste man die tricksenden Autohersteller wegen vorsätzlicher Tötung von so und so vielen Personen anklagen.
    Sonst ist die ganze bittere Studie für die Füchse. Also für die, die noch leben.
    37 8 Melden
    600
  • RacKu 15.05.2017 20:53
    Highlight Auto-Hasser-Artikel?
    17 46 Melden
    • Christian Gerber 15.05.2017 23:01
      Highlight Auto-Trump?
      11 15 Melden
    600
  • banda69 15.05.2017 19:28
    Highlight ...und was sagt die SVP dazu?

    1. "Alles nur Hysterie".

    2. "Wirtschaft geht vor Volksgesundheit".

    3. "Wollt ihr etwa zu Fuss zur Arbeit! ?"
    56 23 Melden
    • lilas 15.05.2017 22:31
      Highlight 4. Bald müsst ihr bei Kerzenschein fernsehen...😉
      36 5 Melden
    • User01 16.05.2017 06:58
      Highlight Und erst noch kalt duschen!
      22 2 Melden
    600
  • Gummibär 15.05.2017 19:28
    Highlight Der Stickoxyd- und Feinpartikelausstoss nicht kontrollierter landwirtschaftlicher Fahrzeuge (und Baumaschinen) wird nie erwähnt.
    47 9 Melden
    • RacKu 15.05.2017 20:53
      Highlight Ist vernachlässigbar.
      13 29 Melden
    • sebi25 15.05.2017 21:21
      Highlight Bevor der Bauer mit seinem Traktor ins Gewicht fällt, müssen erst 10 SUV-Famillienpanzer aus dem Verkehr genommen werden
      34 10 Melden
    • Hoppla! 15.05.2017 23:35
      Highlight Mou. Gratuliere! Was macht es für einen Unterschied ob es ein SUV oder ein Van ist? Was wenn der SUV Benziner ist? Was wenn man einen SUV aber gar keine Familie hat?

      Btw: Man ist sich einig, dass > 50% vom Verkehr kommt. http://www.euro.who.int/document/e79097.pdf
      8 5 Melden
    • velolove 16.05.2017 00:00
      Highlight Ach, mit dem Finger einfach auf andere zeigen ist nicht wirklich ein Argument.
      6 2 Melden
    • Sebwoh 04.07.2017 12:01
      Highlight https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/verkehr/schifffahrt/kreuzschifffahrt/16042.html

      20 (Kreuzfahrt-)Schiffchen schmeissen soviel in die Luft, wie 120 Mio. Autos auf gleiche Distanz. Und keinen juckts. Ist ja soweit weg.
      6 0 Melden
    600
  • Gohts? 15.05.2017 19:00
    Highlight Quelle: watson.ch
    31 0 Melden
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  • Wolf2000 15.05.2017 18:57
    Highlight Warum liest man nichts über Subaru Dieselfahrzeuge? Ist das immer eine Schleichwerbung für Europäische Fahrzeuge oder was? Wie steht es bei dehnen mit der Feinstaubbelastung und den Abgasen?
    12 12 Melden
    • Primus 04.07.2017 17:20
      Highlight Auf Autoscout24 hat es z.Z 15.5 mal mehr Diesel-VW als Diesel-Subaru zu kaufen. Bei VW kommen auf einen Diesel 1.5 Benziner, bei Subaru kommen auf einen Diesel 5.5 Benziner. Ich sehe nun nicht genau die Relevanz der Subaru Diesel auf die lokale Luftverschmutzung in der Schweiz. Gerade Deutsche Motoren sind auf Teufel komm raus auf C02 Vermeidung getrimmt, da nimmt man echten giftigen "Dreck" halt hin.
      5 0 Melden
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  • Mantarochen 15.05.2017 18:42
    Highlight Ach ja, dann haben wir diese “Dreckschleudern“ also noch etwa 20 Jahre, bis sie defekr sind oder in den Export wandern.
    19 1 Melden
    600
  • HansDampf_CH 15.05.2017 18:41
    22 1 Melden
    • RacKu 15.05.2017 20:54
      Highlight Beste! Lets fake it! ✌️
      6 3 Melden
    • Gohts? 15.05.2017 22:59
      Highlight Vielen Dank, @HansDampf.
      6 1 Melden
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Studie beweist: Veganer sind unglücklicher als Fleischesser

It's science, Leute ... wir sagen ja nur.

Aufstrecken, wer einen Veganer kennt, der nichts lieber tut, als von seiner fleischlosen Ernährung zu schwärmen und davon, wie glücklich er deshalb sei! Ja – den Typen kennen wir alle. Er ist aber offenbar eher eine Ausnahme. Oder aber er übt sich im Schönreden. Denn während eine allzu einseitig fleischlastige Ernährungsweise vielleicht die Wahrscheinlichkeit von Herzerkrankungen, Fettleibigkeit, Diabetes etc. erhöhen kann, soll das Umgekehrte schlicht zu Unglücklichsein führen. Sagt …

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