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Nach den Ferien ist die Laune gut – doch wie lange bleibt das so? Bild: shutterstock

Die Ferien sind vorbei: «Gibt es Möglichkeiten, die Urlaubsfrische länger zu erhalten?»

So schön die Ferien waren, so stressig sind manchmal Rückreise und der Start in die Arbeit. Eine Psychologin erklärt, wie wir uns das Ferienfeeling möglichst lange bewahren.

15.08.17, 13:50

Nina Weber / spiegel online

Ein Artikel von

Frau Binnewies, Sie erforschen, wie Menschen Arbeitsstress bewältigen. Welche Rolle spielen dabei die Ferien?
Ferien dienen definitiv der Erholung, der Grad der Erschöpfung sinkt. Leider wissen wir auch: Dieser Effekt hält nicht lange an.

Wie lange denn?
Anhand vieler Studien lässt sich sagen: maximal drei Wochen. Ein Teil der Erholung ist meist schon nach einer Woche wieder weg.

Zur Person

Carmen Binnewies ist Professorin für Arbeitspsychologie. Sie lehrt und forscht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Gibt es Möglichkeiten, die Urlaubsfrische länger zu erhalten?
Wer sofort nach den Ferien eine hohe Arbeitsbelastung hat, bei dem verfliegt die Erholung schneller. Falls man solche Freiheiten hat, kann es helfen, zum Beispiel die Abwesenheitsnotiz in der E-Mail noch ein, zwei Tage länger stehen zu lassen. Ein weiterer Tipp: Nicht direkt am Montag wieder starten. Wenn die erste Arbeitswoche kurz ist, entspannt das.

«Unterm Strich spielt es für die Erholung keine Rolle, ob man verreist oder nicht.»

Manchmal ist schon die Rückreise Stress. Stau auf der Autobahn, verspätete Flieger, Warten am Gepäckband. Wie viel Erholung raubt allein die Heimreise?
Das hat meines Wissens nach niemand untersucht. Aber Reisen allgemein ist immer mit etwas Stress verbunden: anderes Essen, andere Betten, anderes Klima – nicht alles am Reisen ist zwingend positiv und erholsam.

Sind Ferien zu Hause dann erholsamer als eine Reise?
Man spart sich zwar den Reisestress. Auf der anderen Seite haben Urlauber zu Hause mehr mit alltäglichen Aufgaben zu tun. Das kann die Erholung mindern. Es hilft, sich für den Urlaub zu Hause bewusst einiges vorzunehmen, das Urlaubsstimmung macht, Tagesausflüge etwa. Unterm Strich spielt es für die Erholung keine Rolle, ob man verreist oder nicht.

Alltag und Erholung gehen in den Ferien also schlecht zusammen?
Zumindest zeigen unsere Daten auch, dass Reisende, die mehr mit Menschen zu Hause kommunizieren – egal ob per Telefon, Mail oder Messengerdienst, sich weniger gut erholen. Dabei ist es egal, ob sie Kollegen oder Familie kontaktieren.

Aber Partner und Familie sind auch Alltag. Sollte man etwa allein verreisen, um sich besser zu erholen?
Nein, nicht unbedingt, denn gerade die Ferienzeit ist auch für Familien oft Zeit für schöne gemeinsame Erfahrungen. Wichtig ist aber, dass am Ende jedes Familienmitglied mit dem Urlaub zufrieden ist und dafür kann es manchmal hilfreich sein, zwischenzeitlich unterschiedlichen Aktivitäten nachzugehen.

Nun sind die Sommerferien vorbei und da wäre Erholung im Alltag schön. Was tun?
Etwas tun, was an den Urlaub erinnert – ein bestimmtes Gericht kochen, Musik hören, Bilder anschauen. Was aber viel wichtiger ist: Urlaub allein reicht nicht aus. Es geht wirklich darum, Erholung in den Alltag einzubinden. Dabei sind allgemeingültige Vorgaben nicht möglich. Denn erholsam ist für mich, was ich gut finde. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden und hängt auch von der allgemeinen Belastung ab. Wenn jemand vom Stress im Job überfordert ist, hilft es eher nicht, dreimal pro Woche abends in den vermeintlich entspannenden Yogakurs zu hecheln.

Was ist Ihr Rat?
Erholungssuchende sollten überlegen, wobei sie gut entspannen und sich dann fragen, warum sie das nicht öfter machen.

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  • Käsebrötchen 15.08.2017 17:14
    Highlight Mein Ferienerinnerungen hat mir mein Urlaubsland vor einigen Tagen mit einer netten Busse verzuckert. Ich hätte ohne zu Bezahlen eine Umweltzone befahren und dafür darf ich jetzt (je nach Zahlungseingang) zw. 623 - 1080.- bezahlen. Die hälfte davon ist Busse, die andere für das von London beauftragte Inkassobüro. Dabei habe ich nichts falsch gemacht. Mein Auto braucht Benzin während nur Dieselfahrzeuge betroffen sind. Jetzt ärgere ich mich seit Tagen rum, das zu beweisen. Danke Grossbritannien. Nie wieder werde ich dort Urlaub machen.
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