Wissen

Bald immer weniger: Getreidefeld in den USA.
Bild: LUCY NICHOLSON/REUTERS

Hitze und Dürre: Extremwetter mindert Getreideernte um zehn Prozent

Weizen- und Maisfelder ernähren Milliarden Menschen. Doch sie sind anfällig für Hitzewellen und Dürren, wie eine Langzeitanalyse zeigt. Rund um die Erde können Extremwetterlagen die Ernte um zehn Prozent senken.

06.01.16, 19:32 07.01.16, 13:14

Ein Artikel von

Starke Hitze und Dürreperioden schränken die weltweite Getreideproduktion einer neuen Studie zufolge messbar ein: In Jahren mit einem solchen Wetterextrem geht die Produktion in dem betroffenen Land im Schnitt um neun bis zehn Prozent zurück. Das berichten Forscher aus Kanada und Grossbritannien im Fachjournal Nature.

In reicheren Ländern mit ihren grossflächigen Monokulturen sind die Einbussen demnach acht bis elf Prozent grösser als in armen Ländern mit kleinteiligeren, weniger intensiv bewirtschafteten Agrarflächen. Deutsche Bauern erlebten einen solchen Einbruch von elf Prozent im Sommer 2015.

Angesichts des Klimawandels und der erwarteten Zunahme solcher Wetterereignisse sei eine Anpassung an diese Entwicklungen dringend erforderlich, schreiben die Forscher. Sie hatten rund 2800 Extremwetterereignisse – Dürren, Hitzewellen, Überflutungen und Kälteeinbrüche – zwischen 1964 und 2007 und die jeweiligen Landwirtschaftsdaten in ihre Analyse einbezogen.

Trockenphasen sind tödlich

Anders als Hitze und Dürren hatten Überflutungen und extreme Kälte demnach auf nationaler Ebene keine deutlichen Einbussen bei Weizen, Mais oder Reis zur Folge. Die Forscher um Navin Ramankutty von der McGill University Montreal haben dafür auch eine plausible Erklärung: «Die meisten Überflutungen geschehen im Frühjahr nach der Schneeschmelze», sagte er. Daher gebe es kaum Auswirkungen auf Nutzpflanzen. Auch die Wahrscheinlichkeit für Kälteeinbrüche sei ausserhalb der Wachstumsphase am grössten.

Die grössten Klimasünder

Weiterhin zeigte sich: Während extreme Hitze lediglich den Ertrag der Getreidesorten verringerte, zerstörten Trockenphasen viele Pflanzen komplett und legten ganze Anbauflächen lahm.

Um sich auf Extremwetter besser vorzubereiten, gebe es verschiedene Möglichkeiten, erläuterte Ramankutty: «Besseres Management von Wasserressourcen und Bodenqualität, aber auch der Wechsel hin zu Getreidesorten, die weniger Wasser benötigen, resistenter gegenüber Trockenheit und grosser Hitze sind oder früher ausreifen.»

«Bisher nie quantifiziert»

Christoph Müller, Klimaexperte am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), hält die Studie für eine fundierte Analyse. «Sie füllt eine Lücke im Spannungsfeld zwischen Klima, Landwirtschaft und Ernährungssicherheit, die zwar mehrfach diskutiert, aber bisher nie quantifiziert wurde.»

Die Risiken für die Ernährungssicherheit nähmen künftig zu: Zum einen werde es durch den Klimawandel mehr Hitzeereignisse geben. Inwieweit auch Dürren zunehmen werden, sei schwieriger zu sagen, weil es deutlich komplexer sei, so die Forscher. Aber schon heute sei absehbar, dass trockene Regionen, etwa rund ums Mittelmeer, bald noch trockener würden. Zum anderen gelte es eine noch mindestens über vier Jahrzehnte wachsende Weltbevölkerung mit ihrem zunehmenden Hunger auf Fleisch zu versorgen.

hda/dpa

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
1Kommentar anzeigen
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
  • trollo 06.01.2016 22:19
    Highlight und in der schweiz treibt der staat die Bauern dazu an, zu extensivieren um sich dann auf dem weltmarkt mit
    nahrungsmittel einzudecken welche dann den hungernden welt fehlen.
    2 0 Melden

Ganz ohne Plastiksäckli: In Zürich öffnet der erste Zero-Waste-Laden der Deutschschweiz

In Zürich eröffnet der erste Laden ganz ohne Abfall. Wer was kaufen will, muss seinen eigenen Behälter mitnehmen, auch für Nudeln, Reis oder Alkohol. «Zero Waste» heisst die Philosophie und steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft. 

Rüebli, Kartoffeln, Nudeln oder Seife, im Foifi, dem ersten Zero-Waste-Lasten in Zürich, findet man eigentlich alles – ausser eben Plastiksäckli. Der neue Laden steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft und setzt sich zum Ziel, keinen Abfall zu produzieren. Der Durchschnittsschweizer produziert im Jahr 344 Kilogramm Abfall – viel zu viel, finden die Betreiber des «Foifi». Der Name ist ein Vermerk auf die fünf Axiome von Zero Waste, aber auch eine Liebeserklärung an den Zürcher …

Artikel lesen