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Angst vor Mathe? Das hilft wirklich dagegen

Mathe-Aufgaben können Panik auslösen. Doch Studien zeigen: Die Angst vorm Rechnen lässt sich verringern – etwa mit Einzelunterricht oder spielerischen Übungen am Computer.

23.09.15, 12:15 07.01.16, 16:35

Holger Dambeck / Spiegel online

Ein Artikel von

«Was ist sieben mal acht?», fragt der Lehrer. Einige Kinder ducken sich weg. Bitte nicht ich, denken sie. Sie fürchten, sich vor den Mitschülern zu blamieren. Sie sind dann wie blockiert. Und bei manchem besteht die Phobie auch noch im Erwachsenenalter.

Psychologen der Standford University berichten nun über einen erfolgreichen Abbau von Mathe-Ängsten. In einem Experiment mit 46 Schülern habe sich gezeigt, das individueller Einzelunterricht tatsächlich hilft. Dies hätte sich auch in Hirnscans gezeigt, berichten die Forscher im Fachblatt Journal of Neuroscience.

Selbst Kinder mit guten Leistungen in Mathe fürchteten das Fach mitunter, schreiben die Forscher. Manche begleite die Angst das ganze Leben. Sie hätten dann nicht den Mut, anspruchsvolle Mathematik zu erlernen und würden Berufe meiden, in denen Mathematik wichtig sei.

«Das war unterm Radar»

Psychologen glaubten lange, Mathe-Phobien würden sich bei Schülern erst in der Oberstufe entwickeln, wenn der Stoff anspruchsvoller wird. Doch inzwischen scheint klar, dass sie schon in der Grundschule auftreten können.

Ängste vor Mathe seien bislang unterschätzt worden, beklagt Kaustubh Supekar von der School of Medicine. «Das war unterm Radar.» Man habe gedacht, das gehe vorbei. «Doch für viele Kinder und Erwachsene stimmt das nicht.»

In ihrer Studie arbeiteten die Forscher mit 46 Drittklässlern, die über einen Zeitraum von acht Wochen intensiv gefördert wurden. Der Individualunterricht bestand aus 22 Lektionen, in denen Addition und Subtraktion geübt wurden. Vor und nach der Studie erfassten die Forscher den Leistungsstand der Kinder. Zudem führten sie Hirnscans bei den Kindern vor und nach dem Tutorprogramm durch.

Die Forscher nutzten in ihrer Studie das Konzept der Konfrontationstherapie. Dabei werden Angststörungen therapiert, indem Betroffene den angstauslösenden Reizen ausgesetzt werden. Wichtig ist dabei, dass die Konfrontation mit dem Angstauslöser, zum Beispiel Spinnen, in einer von den Betroffenen als sicher empfundenen Umgebung stattfindet.

Angstfrei Lernen

«Der Unterricht hatte einen standardisierten Ablauf, aber er wurde auch auf die Person zugeschnitten», erklärt Vinod Menon, einer der Autoren. Wenn ein Kind an einer Stelle nicht mehr weiterkam, versuchte der Lehrer das Problem gemeinsam mit dem Kind zu lösen, indem er es immer wieder ermutigte. «Weil das im Zweiergespräch geschieht, kann bei den Kindern nicht die Angst entstehen, vor ihren Mitschülern schlecht dazustehen.» Dies könne eine wichtige Rolle spielen und müsse künftig weiter untersucht werden.

Wie wichtig angstfreies Lernen gerade im Fach Mathematik ist, darüber hatten Psychologen der Universität Amsterdam bereits 2013 im Fachblatt Learning and Individual Differences berichtet. Brenda Jansen und ihre Kollegen liessen Kinder der Klassenstufen drei bis sechs mehrere Wochen lang mit einer spielerisch angelegten Lernsoftware am Computer üben.

Das von den Kindern praktizierte Training verbesserte ihre Mathe-Performance und minderte die Ängste vor dem Fach – ermittelt über einen Fragebogen. Beim Üben am PC drohe keine Blamage vor Mitschülern, berichteten die Amsterdamer Forscher, und solche negativen Erlebnisse seien es gerade, die Mathe-Phobien offenbar auslösen könnten.

Spezifische Aktivitätsmuster im Gehirn

Die Angst vor Zahlen und Geometrie lässt sich auch im Gehirn nachweisen, wie Forscher der Stanford University bereits 2012 herausgefunden haben. Christina Young und ihre Kollegen hatten bei fMRI-Hirnscans von Grundschülern verstärkte Aktivitäten in der rechten Amygdala beobachtet, wo negative Emotionen verarbeitet werden. Zudem sei eine Mathe-Phobie mit verringerten Aktivitäten im parietalen Assoziationskortex und Bereichen des präfrontalen Kortex verbunden. Die beobachteten Muster seien spezifisch für die Angst vor Mathematik und unterschieden sich von jenen bei Angst generell.

Mit derartigen Hirnscans hatten nun auch Vinod Menon und seine Kollegen von der Stanford University den Effekt des Tutorprogramms nachgewiesen. «Unsere spannendste Erkenntnis war, dass der individuelle Förderunterricht nicht nur die Leistung verbesserte, sondern auch Ängste reduzierte», sagte Menon. Dies sei überraschend gewesen. Im Anschluss an den achtwöchigen Förderunterricht seien die Aktivitäten der Amygdala reduziert gewesen, dies habe der Vergleich von fMRI-Scans vorher und nachher gezeigt.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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