Wissen

Bei fast allen untersuchten roten Eichhörnchen wurde der Lepra-Erreger entdeckt. Für die Bevölkerung sehen die Forschenden allerdings keine spezielle Gefahr. Bild: EPA/DPA

Lepra-Eichhörnchen: Die meisten britischen Nager sind infiziert

Publiziert: 10.11.16, 20:16 Aktualisiert: 11.11.16, 13:34

Die meisten roten Eichhörnchen auf den britischen Inseln sind mit Lepra-Erregern infiziert, wie EPFL-Forscher mit Kollegen berichten. Für Menschen ist das Ansteckungsrisiko zwar gering, aber für den Erhalt dieser Eichhörnchenart könnte es zum Problem werden.

Der «Aussatz» war einer der Schrecken des Mittelalters. Seit rund hundert Jahren ist die Lepra aus Europa so gut wie verschwunden, dank besserer Hygiene und wirksamer Antibiotika. Zumindest beim Menschen. Nicht so in der Natur, wie Mikrobiologen der ETH Lausanne (EPFL) und der University of Edinburgh nun im Fachblatt «Science» berichten.

Demnach sind die gleichen Erreger, die beim Menschen Lepra verursachen, bei roten Eichhörnchen in England, Irland und Schottland im Umlauf, wie die EPFL am Donnerstag mitteilte. Ein Lausanner Forscherteam um Stewart Cole und schottische Wissenschaftler um Anna Meredith untersuchten 110 Eichhörnchen aus diesen Regionen per DNA-Test auf die Erreger Mycobacterium leprae und Mycobacterium lepromatosis.

Unbemerkt im Umlauf

Nur einige der Tiere hatten Symptome, andere keine. Dennoch fanden die Forschenden bei fast allen untersuchten Tieren einen der beiden Erreger. «Es war völlig unerwartet, dass M. leprae die Krankheit bei Eichhörnchen auslöst – Jahrhunderte nach seinem Verschwinden beim Menschen in Grossbritannien», sagte Cole gemäss der Mitteilung. «Das wurde vorher noch nie beobachtet.»

Die Studie zeige, dass ein Erreger jahrhundertelang unbemerkt in der Natur überdauern kann. «Der nächste logische Schritt nach dieser Studie wäre, auch den Bestand roter Eichhörnchen ausserhalb der britischen Inseln zu untersuchen, einschliesslich der Schweiz», sagte Studienautor Andrej Benjak von der EPFL.

Auch Eichhörnchen in der Schweiz müssten genauer auf Lepra untersucht werden.  Bild: Dukas

Für Menschen kaum Risiko

Für die Bevölkerung sehen die Forschenden allerdings keine spezielle Gefahr: «Selbst wenn es den Lepra-Erreger in den roten Eichhörnchen Kontinentaleuropas gibt, ist das Risiko der Übertragung auf den Menschen generell gering», so Benjak. Grund sei der geringe Kontakt zwischen Mensch und Eichhörnchen und dass die Jagd auf diese Tiere in den meisten europäischen Ländern verboten sei.

Auch in Grossbritannien habe es seit Jahrzehnten keine Lepra-Infektion mehr gegeben, betonte Benjak. Gänzlich ausschliessen könne man aber nicht, dass es seltene, nicht gemeldete oder fehldiagnostizierte Fälle gab, die in Grossbritannien ihren Ursprung nahmen. Die Erfassung von Lepra-Fällen durch das offizielle Programm der Weltgesundheitsorganisation sollte intensiviert werden, schlägt der Forscher vor.

Problem für Artenschutz

Die Entdeckung von Lepra in den britischen roten Eichhörnchen sei allerdings besorgniserregend aus Sicht des Artenschutzes, liess sich Anna Meredith in der EPFL-Mitteilung zitieren. Das rote Eichhörnchen ist in Grossbritannien besonders durch die zunehmende Verbreitung des amerikanischen Grauhörnchens in Bedrängnis.

«Wir müssen verstehen, wie und warum die Krankheit die roten Eichhörnchen befällt und sich unter ihnen verbreitet», sagte Meredith. So liesse sich die Krankheit hoffentlich besser im Zaum halten. (sda)

Und jetzt zu etwas Süsserem: Tiere mit Gips-Verband. ..

Weitere Artikel zum Thema Tierforschung

Alternative zum Tierversuch: Miniherz schlägt auf Siliziumchip

ETH-Präsident Lino Guzzella: «Ich steh' dazu, die ETH ist für die Eliteausbildung zuständig»

In Zürich sollen wieder Versuche mit Affen stattfinden: Ist das in Ordnung oder nicht?

682'000 Lebewesen im Labor – Zahl der Tierversuche in der Schweiz steigt um über 12 Prozent

Hol dir die App!

User-Review:
schlitteln - 18.4.2016
Guter Mix zwischen Seriösem und lustigem Geblödel. Schön gibt es Watson.
2 Kommentare anzeigen
2
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • exeswiss 11.11.2016 04:26
    Highlight brexit umsetzen, um GB mauer bauen -> problem gelöst. :D
    4 2 Melden
    600
  • Karl Müller 10.11.2016 21:23
    Highlight Das ist ja schon ein lustiges Foto, dieses Eichhörnchen mit dem Schirm. Jedoch ist das keines der vom Lepra bedrohten Roten Eichhörnchen, sondern just eines dieser im Text ebenfalls erwähnten Grauhörnchen. Bildunterschrift anpassen, dann passts!
    14 2 Melden
    600

Sie muss nie trinken und wohnt in Termitenhügeln: Die Schwarzfusskatze

Wir alle kennen sie: grosse Wildkatzen wie Löwen, Tiger oder den Puma. Doch gibt es auf der Welt auch unzählige kleinere Wildkatzen, die nur Wenigen bekannt sind. Eine davon ist die Schwarzfusskatze, eine Katzenart, die ausschliesslich in der Trockenzone des südlichen Afrika vorkommt. Sie ist nicht nur die kleinste afrikanische Katzenart, sondern auch die seltenste.

Die Schwarzfusskatze ist nicht nur die kleinste Katzenart von Afrika, sondern gehört zu den kleinsten Katzenarten überhaupt. …

Artikel lesen