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Der Weltklimarat warnt die Welt vor der Klimaerwärmung – weiss aber selbst nicht, wieso. Bild: EPA/SCANPIX DENMARK

Finaler Bericht des IPCC

Beim Weltklimarat geht Alarm vor Genauigkeit

Der Ausstoss von Treibhausgasen muss bis 2050 um die Hälfte gemindert werden, warnt die UNO in ihrem finalen Klimareport. Das Dokument soll nüchtern über Forschung informieren – aber es unterschlägt zentrale Widersprüche. 

02.11.14, 14:06 03.11.14, 13:47

Axel Bojanowski / Spiegel Online

Ein Artikel von

Unter weltweitem Mediengetöse hat der Klimarat IPCC in den letzten 13 Monaten drei umfassende Berichte herausgebracht, die den Stand des Wissens darlegen. Jetzt das Finale.  

In Kopenhagen hat die UNO den IPCC-Synthesereport veröffentlicht, er soll das Wichtigste aus den drei Klimaberichten sammeln, neue Kenntnisse enthält er keine. Mit knapp 120 Seiten ist er etwa so lang wie die Zusammenfassungen der drei bereits publizierten Klimaberichte zusammen, allesamt als «Zusammenfassungen für Entscheidungsträger» betitelt. Warum müssen die drei bereits zugespitzten Zusammenfassungen nun nochmals umgeschrieben und zusammengestellt werden? 

Der Synthesereport solle ein «Fahrplan» für Politiker sein, sagte der IPCC-Vorsitzende Rajendra Pachauri zu Beginn der Beratungen am Montag in Kopenhagen. Das Dokument solle Delegierten helfen, bei den UNO-Klimaverhandlungen zu einer Einigung über einen Welt-Klimavertrag zu kommen. «Wir haben immer noch Zeit, eine bessere, nachhaltigere Welt zu schaffen», sagte Pachauri. 

Kenntnisse unterschlagen 

Es bleibe nur noch wenig Zeit, um eine Erwärmung über zwei Grad Celsius zu verhindern, verkündete er nun bei der Veröffentlichung des Reports. Notwendig sei die Reduzierung der CO2-Emissionen um 40 bis 70 Prozent bis 2050. Während der nächsten drei Jahrzehnte könne der Klimawandel «zu akzeptablen Kosten» gebremst werden, teilt der IPCC mit. 

Nach den Berechnungen des IPCC würde das globale Wachstum von den Kosten zur Reduzierung der CO2-Emissionen nicht «stark betroffen». Selbst «ehrgeizige» Massnahmen würden demnach nur jährlich 0,06 Prozentpunkte des weltweiten Konsums im 21. Jahrhundert kosten, wobei mit einem jährlichen Wachstum zwischen 1,6 und drei Prozent gerechnet wird. Sollte dagegen nicht rasch etwas unternommen werden, würden die Kosten stark ansteigen, warnte der Weltklimarat. 

«Die Staatengemeinschaft muss jetzt alles daran setzen, ein ambitioniertes Klimaschutzabkommen zu verabschieden; eine weitere Verzögerung wäre unverantwortlich», kommentiert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) den neuen Report. 

Doch während die vorigen Klimaberichte über weite Strecken streng den Sachstand mit all seinen Widersprüchen darstellen, unterschlägt der neue Synthesereport wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse. Das Vorgehen fällt besonders auf bei Prognosen zu den komplexesten Umweltbereichen, etwa zum Getreidewachstum, der Energieversorgung oder zu Konflikten. 

Besonders deutlich wird die Verzerrung bei den Aussagen zum vorhergesagten Artensterben.  

Aussagen zum vorhergesagten Artensterben

Im neuen Synthesereport steht zur Prognose: Eine globale Erwärmung von vier Grad oder mehr seit Beginn der Industrialisierung (ein Grad ist bereits erreicht) bedeute ein hohes bis sehr hohes Risiko eines beträchtlichen Artensterbens, sie würde die Rate des Artensterbens erhöhen. In die Prognose der Modellierungen bestehe «hohes Vertrauen». 

Das hingegen schreiben die Experten im jeweiligen Fachkapitel des UNO-Klimareports dazu: Klimamodelle können diverse Schlüsselprozesse hinsichtlich der Artenentwicklung nicht darstellen, die Anfälligkeiten von Arten gegenüber dem Klimawandel wesentlich beeinflussen – beispielsweise: die Fähigkeit der Anpassung von Erbgut und äusseren Merkmalen an neue Umweltbedingungen, die Fähigkeit zur Ausbreitung, die Dynamik von Populationen, die Effekte der Fragmentierung von Lebensräumen, die Wechselwirkung von Lebensgemeinschaften, Mikro-Rückzugsgebiete, den Effekt steigender CO2-Konzentrationen auf Vegetation. 

Beweise aus der Vergangenheit

Im Synthesereport steht zu Beweisen aus der Vergangenheit: Die derzeitige und vorhergesagte Geschwindigkeit des Klimawandels verläuft viel schneller als natürliche Klimawandel-Ereignisse während der vergangenen Millionen Jahre, die bereits deutliche Artensterben ausgelöst haben. Deshalb gibt es eine starke Basis für die Annahme, dass der Klimawandel ein Risiko für Lebewesen darstellt. 

In den Fachkapiteln des Klimareports aber steht dazu: Paläontologische Daten der vergangenen Jahrhunderttausende zeigen sehr geringe Aussterberaten während grösserer Klimaschwankungen. Diese Belege könnten darauf hindeuten, dass die Vorhersagen sehr hoher Aussterberaten übertrieben sein könnten. Am Ende der Eiszeit gab es in grösseren Teilen der Welt Klimaschwankungen von zehn Grad in 50 Jahren, also 20-mal schneller als im 20. Jahrhundert – grössere klimabedingte Artensterben sind nicht dokumentiert.

Konkrete Szenarien

Im Synthesereport steht zu konkreten Szenarien: Das erwartete Aussterben wird ausgelöst von diversen Klimaphänomenen wie Erwärmung, schrumpfenden Flüssen, Ozeanversauerung und Sauerstoffverknappung in Gewässern. Ursache des Aussterbens ist sowohl die Schnelligkeit als auch die Stärke der Erwärmung. Manche Arten mit begrenzten Anpassungsfähigkeiten, besonders in der Arktis und in Korallenriffen, sind bereits bei einer Erwärmung von zwei Grad im Vergleich zum derzeitigen Klima gefährdet. 

Im Fachkapitel des Klimareports aber steht dazu: Arbeiten seit dem letzten Klimareport 2007 haben die Fähigkeit der Klimamodelle infrage gestellt, das künftige Risiko von Artensterben vorherzusagen. Die Ergebnisse der Modelle gehen weit auseinander und sie sind schwer zu prüfen. Die Unsicherheiten könnten grösser sein als in Modellen dargestellt, weil wesentliche Faktoren nicht berücksichtigt werden. 

Während der letzte Klimareport von 2007 noch vorhersagte, dass bei einer globalen Erwärmung von zwei bis drei Grad seit Beginn der Industrialisierung 20 bis 30 Prozent der Tiere und Pflanzen auszusterben drohten, macht der neue Klimareport keine konkreten Prognosen mehr – die Unsicherheiten sind zu gross. Das bedeutet freilich keine Entwarnung, es weist schlicht auf einen erheblichen Kenntnismangel hin. 

Bereits ausgestorbene Arten

Im Synthesereport steht zu bereits ausgestorbenen Arten: Zahlreiche Arten haben ihre Verbreitungsgebiete und saisonale Aktivitäten bereits aufgrund des Klimawandels verlagert. Gleichwohl: Nur beim Aussterben weniger Arten könnte der Klimawandel bislang eine Rolle gespielt haben. 

Im Fachkapitel des Klimareports aber steht dazu: Es besteht geringes Vertrauen in die Schlussfolgerungen, dass bereits einige Arten durch den Klimawandel ausgestorben sein könnten, so eventuell beim Verschwinden zentralamerikanischer Amphibien. Soeben wurde allerdings bekannt: Eine angeblich vom Klimawandel ausgerottete Schnecke ist wieder aufgetaucht. Die allgemein höhere Aussterbegeschwindigkeit von Arten der letzten Jahrzehnte hat andere Gründe als den Klimawandel, schreiben die Experten: etwa Landwirtschaft, Waldrodung, Jagd und Fischerei. 

Die wichtigsten Klimarisiken:

Der zugrunde liegende Sachstand des Klimawissens, der am Sonntag mit dem Synthesereport zusammengefasst wird, bleibt gleichwohl besorgniserregend. Die grössten Klimarisiken sind dem IPCC zufolge: 

Die IPCC-Szenarien zu folgenden Themen unterliegen extremen Unsicherheiten: 

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
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  • Gelöschter Benutzer 03.11.2014 13:08
    Highlight "Warum müssen die drei bereits zugespitzten Zusammenfassungen nun nochmals umgeschrieben und zusammengestellt werden?"

    Beschaeftigungsprogram fuer leute die zwar zu allem faehig aber zu nichts..... ? Wer gewinnt, wer profitiert, wem nutzt es.

    Unbestritten, die industrialisierung hat grosse wirkung auf das system. Der zunehmende wohlstand der zunehmenden bewohner sorgt für immer mehr negativen einfluss auf ein system das keiner wirklich kennt und noch weniger versteht. CO², auch eine willkommene ablenkung (?) Von steinzeitlichen produktiosmethoden die mehr abfall als nutzen produzieren (?)
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