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Im Rahmen einer Studie zeigte BMW den Vision Next 100, ihre Vorstellung, wie Motorräder in Zukunft aussehen werden. bild: bmw

Helm und Ständer überflüssig: Ist das das Motorrad der Zukunft?

Zum 100. Firmengeburtstag hat sich BMW eine Motorradstudie geschenkt, die den Weg in die Zukunft zeigen soll. Wie weit sie von der Realität entfernt ist, sieht man anhand dem neusten Stück, das 2017 effektiv in Serie geht. 

14.10.16, 19:50 15.10.16, 14:42

Jochen Vorfelder

Ein Artikel von

Stephan Schaller, Chef der Motorradsparte von BMW, steht auf dem hoch gelegenen Balkon des Petersen Automotive Museums in Los Angeles. Zwanzig Meter unter ihm staut sich der Verkehr. Stossstange an Stossstange stehen die Autos, mit einem Blick ist alles gesagt. «In den Megacities stellt sich täglich die Frage, wie es mit der individuellen Mobilität in Zukunft weitergehen kann,» sagt er.

Die Antwort, die BMW Motorrad in LA darauf gibt, heisst «Vision Next 100: The Great Escape». Mit dieser Maschine soll also die «Grosse Flucht» aus dem immer extremer werdenden Verkehrschaos gelingen. Was de facto natürlich nur annähernd klappen könnte, wenn der Grossteil der Fahrzeuge auf den Strassen so gross ist wie ein Motorrad, also entsprechend weniger Platz wegnimmt.

Edgar Heinrich, Chef-Designer von BMW Motorrad, zeigt den Vision Next 100.

Weil das eher unwahrscheinlich scheint, verkauft es BMW auf dem Event zur Feier des 100-jährigen Firmenjubiläums blumiger: Die Studie solle eine Rückzugsmöglichkeit sein, ein tiefes Durchatmen, ein Innehalten, einen Ausweg aus dem Alltag bieten, heisst es. «Wir brauchen in unserer digitalen Zeit ein analoges Erlebnis – das muss unser Motorrad sein», sagt Schaller.

Nach einem analogen Erlebnis sieht die Studie nicht aus, eher wie eine Filmrequisite für eine «Blade Runner»-Fortsetzung. Optisch haben die BMW-Gestalter für die Vision Next 100 nach eigener Auskunft Anleihen beim schwarzen Dreiecksrahmen des ersten Motorrads von BMW, dem R32 von 1923, genommen und diese Formgebung in die Zukunft übersetzt. Dieses gestalterische Zitat ist eines der wenigen, mit Tradition verknüpften Details der Studie. Überall sonst haben die Entwickler ihren Technikträumen freien Lauf gelassen.

Helm, Gurt – überflüssig

Gelenke, Stossdämpfer und Gabelelemente sind komplett verschwunden, von vorn und der Seite wirkt das Fahrzeug wie eine fliessende Skulptur. Die Funktion von Lenkung und Dämpfer soll in Zukunft ein verformbarer Flexrahmen übernehmen, der auf Lenkerbewegung reagiert und je nach Geschwindigkeit seine Steifigkeit justiert.

Beim Antriebsaggregat bleiben die BMW-Techniker bewusst vage – natürlich fährt die Studie ohne Verbrennungsmotor und in der Theorie emissionsfrei. Aber ob Next 100 elektrisch fährt, bleibt offen: «Ich kann mir langfristig auch einen anderen Antrieb, etwa eine Brennstoffzelle, vorstellen», sagt Edgar Heinrich, Chefdesigner bei BMW Motorrad, «wichtig ist auf jeden Fall aber die klassische Boxer-Form als ikonisches Stilmittel.» In der Studie verändern die beiden markanten Zierzylinder ihre Form: Im Ruhezustand liegen sie eng an. Sobald die Fahrt beginnt, fahren sie als aerodynamische Elemente seitlich aus.

Bei Fahrt fahren die Zierzylinder als aerodynamische Elemente seitlich aus. bild: bmw

Dass elektronische Assistenzen, Vernetzung und Datenaustausch in Zukunft eine zentrale Rolle bei Mobilitätssystemen spielen werden, darauf weist das «Self Balancing»-System der Studie hin. Es soll dem Motorrad Stabilität und dem Fahrer höhere Sicherheit verleihen und sich nicht nur der Fahrsituation, sondern auch dem individuellen Können des Fahrers anpassen. Das Ziel: keine Unfälle mehr, kein Umfallen auch im Stand. Das Motorrad bleibt aufrecht stehen, wenn der Fahrer absteigt.

Kein Fall für die Warnwesten-Biker

Ohnehin sollen, so die Theorie, zukünftige Cloudanbindung und Verbundsysteme von autonom fahrenden Fahrzeugen auch Motorräder unfallfrei machen – deshalb kann der Fahrer dann auf Helm und herkömmliche Schutzkleidung verzichten. Stattdessen trägt er eine Windschutz- und Datenbrille, den sogenannten «Visor», und einen mit Sensoren durchwebten Anzug zur permanenten Kommunikation mit dem Fahrzeug.

Will man das? Wer weiss. Die heute schon in die Jahre gekommenen GS- und Warnwesten-Biker werden sich zumeist mit Grausen abwenden, doch Motorradfahrer in ein oder zwei Generationen werden aus einer anderen Welt kommen: Wer nach Mama und Papa als drittes Wort Smartphone gelernt hat und Verbrennungsmotoren nur noch aus dem Museum kennt, für den stellt sich diese Frage nicht.

Ausserdem ist die Vision noch weit von der Realität entfernt. Wie weit, manifestierte BMW in Los Angeles am Tag vor der «Great Escape» eher unfreiwillig mit der Vorstellung eines Modells, das speziell für Nordamerika entwickelt wurde: die K 1600 B.

Attacke gegen Harley-Davidson

Bisher dominiert die amerikanische Kultmarke Harley-Davidson den riesigen US-Markt fast unangefochten. Mit dem BMW «Bagger», der klassischen abgespeckten Ami-Variante des Grand Tourers, wollen die Münchener jetzt die Konkurrenz angreifen. «Wir wollen in den nächsten Jahren unseren aktuellen Marktanteil von rund 4.3 Prozent verdoppeln», sagt Heiner Faust, der Leiter von Motorrad-Vertrieb und Marketing bei den Münchnern.

So will BMW heute in den USA punkten: Mit dem XXL-Bike «Bagger». bild: bmw

Zum Angriff auf den Platzhirsch bringt der BMW-Bagger alles das mit, was an der Vision Next 100 bewusst weggelassen wurde: das Übergewicht von 336 Kilogramm, den anachronistischen Verbrenner-Motor mit sechs Zylindern, 160 PS und fettem Drehmoment, und die riesigen Seitenkoffer. «Die Bagger ist schon sehr amerikanisch, ziemlich Heavy Metal, und trotz der aktuellen Technik natürlich irgendwo Old School», urteilt Edgar Heinrich, der auch für dieses Fahrzeug verantwortlich zeichnet: «Das ist schon eine ganz andere, zur Vision Next 100 entgegenläufige Denkrichtung.»

Was die Antagonisten doch eint: Auf beiden Maschinen müssen Motorradfahrer noch etwas länger warten. Die K 1600 B will BMW ab Spätsommer 2017 ausliefern, die Studie oder ihr realitätsnaher Ableger frühestens 2030 auf den Markt kommen.

In der Slideshow alle Bilder vom Motorrad der Zukunft von BMW: 

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  • Zeit_Genosse 15.10.2016 18:43
    Highlight PR/Werbung mit Konzeptideen finden den Weg in die Medien = Gratispromotion. Es geht um Markenwerte, die vermittelt werden sollen. Das gelingt mit blonder, schlanker Frau ohne Helm auf futuristischem Designbike zielsicher. Dahinter wird das kaufbare Produkt in die Promo geschoben. Hier die K1600B einfach gratis mitgemogelt.
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  • The Origin Gra 15.10.2016 12:34
    Highlight Mir gefällt die Fahrerin mehr als das Bike
    Mal im ernst, das ganze sieht mir zu Steril aus
    1 5 Melden
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  • ma vaff... 15.10.2016 09:22
    Highlight cool...ohne Helm...dann brauchts auch keine Proteinshakes mehr...👍🏼
    4 0 Melden
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  • sanmiguel 15.10.2016 07:59
    Highlight Wer schon einmal 100 km am Stück mit mehr als 60km/h gefahren ist weiss, der Helm ist weit mehr als nur ein Schutz beim Aufprall. Der Helm wird deshalb nie überflüssig sein. Vielleicht wird er leichter und weniger klobig. Aber er schützt eben auch vor Dingen wie Stirnhöhlen- oder Mittelohrenentzündung und Tinitus.
    29 0 Melden
    • Neuromancer 15.10.2016 11:14
      Highlight Ganz zu schweigen von Tausenden Mücken etc. die man auf nem Ritt so im Gesicht und Mund hätte.
      21 0 Melden
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  • SwissMafia 15.10.2016 07:02
    Highlight hihi ständer
    37 1 Melden
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  • kleiner_Schurke 14.10.2016 21:38
    Highlight Ständer überflüssig? Das ist dann definitiv nicht mehr meiner Welt!
    41 6 Melden
    • Dä Brändon 15.10.2016 01:19
      Highlight Es gibt ja noch Viagra.
      25 0 Melden
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  • Olaf! 14.10.2016 20:49
    Highlight Ist so lange das Motorrad der Zukunft bis einem ein Auto übersieht und über den Haufen fährt...
    27 0 Melden
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  • zettie94 14.10.2016 20:36
    Highlight "Aber ob Next 100 elektrisch fährt, bleibt offen: «Ich kann mir langfristig auch einen anderen Antrieb, etwa eine Brennstoffzelle, vorstellen»"
    Der Satz macht so keinen Sinn: auch mit Brennstoffzelle ausgerüstete Fahrzeuge funktionieren elektrisch; eine Brennstoffzelle erzeugt nämlich elektrische Energie aus Wasserstoff. Sie ersetzt also im Prinzip den Akku.
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  • Spooky 14.10.2016 20:34
    Highlight Ständer überflüssig!

    Hahaaa! 👿😎😇💘
    30 4 Melden
    • Don Huber 15.10.2016 08:02
      Highlight Somit ist das Bike bei mir schon unten durch !!
      10 0 Melden
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  • EvilBetty 14.10.2016 20:31
    Highlight Hahaa... ja klar, ohne Helm und Schutzkleidung. Die Grenzen der Physik kann auch BMW nicht aufheben.
    46 4 Melden
    • Pana 14.10.2016 23:42
      Highlight Vielleicht nicht von heute auf morgen. Aber eines Tages auf jeden Fall...
      3 16 Melden
    • Neuromancer 15.10.2016 11:18
      Highlight Bei der Qualität von BMW Töffs wird die Fahrt zum Mech eh die häufigste. Da kann man auch gemächlich hintuckern.
      13 4 Melden
    600

24 japanische Kei-Cars, die cooler sind als du

Nichts gegen viel Platz im Kofferraum. Nichts gegen ordentlich viel Beinfreiheit. Und nichts gegen grosse Motoren mit vielen Pferdestärken (ich fahre privat ja selbst so ein Ding).

ABER: Fast nichts macht dermassen Spass wie einen Kleinwagen hochtourig durch die engen Gassen einer europäischen Metropole zu jagen. Mein erstes Auto war ein Lancia Y10 aus den frühen Neunzigern. Es war knapp mehr als ein glorifizierter Fiat Panda. Und es war grossartig. 

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