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Giggerig auf hyggelig? Willkommen im soften Lifestyle-Scheiss

Oooohhh, Blümlein! Schön! Allgemein sind schöne Naturerscheinungen (und selbstgetöpfertes Geschirr) äusserst wichtig zum Glück. Sagt der Hygge-Knigge. Bild: shutterstock

Du bist ein Auenland-Freak, liebst Lego und lebst für Wolle und Kaffee? Dann brauchst du «Hygge» das neue deutsche Magazin zum komischen dänischen Trend.

20.08.17, 14:20 21.08.17, 15:45

Birken. Lasst Birken wirken. Irgendwie wimmelt es immer davon. Auch in einer «Geschichte über die Liebe», in der zwei nackte Menschen auf den Grund eines idyllischen Moorsees tauchen und dort nicht etwa ein schnödes altes Velo finden, sondern – einen Kronleuchter! Wow! Ein Velo wär ja auch echt zu wenig schön.

Die kleine Geschichte ist als Sommerlektüre in einem neuen deutschen Magazin verpackt. Es heisst «Hygge». Seine Fotos sehen aus, als hätten sie allesamt Instagram-Wettbewerbe gewonnen. Sein Papier fühlt sich irgendwie wahrer an als normales Papier. Als sei es in sandiger Erde gewachsen. Willkommen im Flachwasser des Lebens. Dort, wo alles so untief, ungefährlich und ungemein super ist, dass nicht einmal mehr Schneeflocken schmelzen. Willkommen im Hygge-Land. Es ist sowas wie das Auenland von Europa, auch bekannt als Dänemark. 

Wolle und Kaffee gelten als zwei superhyggelige Substanzen. Bild: Shutterstock

«Hygge» ist dieses dänisches Wort und Lebensgefühl für alle, die Wolle wollen und selbstgepflückte Blaubeeren und die von morgend bis abends den drei K des Hygge-Kults frönen, nämlich Kaffee, Kuchen, Kerzen. Dänen sollen nämlich pro Jahr 5,3 Kilo Kaffeebohnen vertrinken, alle andern Europäer nur 4 Kilo. Zudem essen Dänen 8,2 Kilo Süssigkeiten, gerade mal doppelt so viel wie alle andern. Und wer ist glücklicher? Na? 

«Hyggelig» heisst: gemütlich, angenehm, nett, gut. Sinngemäss auch noch: geborgen, beschützt, malerisch, herzerwärmend und freundschaftlich.

Der hyggelige Mensch ist sowas wie der entschleunigte, enturbanisierte, auch weitgehend entalkoholisierte Hipster, der beschlossen hat, sein Leben irgendwie Astrid-Lindgren-mässig zu verbringen. Aber nicht wie die wilde Pippi Langstrumpf, lieber wie die viel zahmeren Kinder von Bullerbü. Alles, was er liebt und tut, klingt so, als wäre er mindestens 77 Jahre alt. «Werte» ist ein Wort, auf dass er viel Wert legt. Auch «Handwerk» und ganz besonders «einfach». 

Wenn der hyggelige Mensch in der Stadt leben muss, dann allerhöchsten in diesem herzigen bunten Quartier von Kopenhagen. Bild: Shutterstock

«Einfach glücklich sein» ist denn auch das Motto des «Hygge»-Magazins, das auf seinem ersten Cover mit «Gemeinsam kochen, lachen, Beeren sammeln» wirbt. Wir lesen darin wunderschöne Geschichten von Menschen, die einen tollen, aber gemütlichen Job bei Lego kriegen und so viele «Luftlöcher» in ihren Arbeitstagen haben, dass sie unentwegt «spontan» (auch ein wichtiges Wort) Menschen zum Essen einladen können. Natürlich zu einem einfachen Essen, also höchstens Tomaten-Spaghetti, Hauptsache, die Tomaten sind aus dem eigenen Garten.

«Teetrinken ist hyggeliger als Champagnertrinken. Brettspiele sind hyggeliger als Computerspiele.»

Aus: «Hygge – ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht» von Meik Wiking.

Im Hygge-Märchenland gibt es vieles nicht: Politik, Armut, Arbeitslosigkeit, Krankheit zum Beispiel. Und sowieso keinerlei Ungerechtigkeit. Nur glückliche Kleinfamilien. Meist handelt es sich dabei um ausgewanderte Deutsche oder Amerikaner. Würden sie nicht Hipster sein wollen, sie würden Heuballen-Heftli wie «LandLiebe», «Landlust», «Landspiegel», «Landluft» oder «Daheim» kaufen. 

Zimt ist das wichtigste Gewürz im Hygge-Kult, Zimtschnecken sein Gebäck. Weil? Weihnachtlich wahrscheinlich. Bild: Shutterstock

Man muss schon sagen: Dänemark ist verdammt genial in der Lancierung einander entgegengesetzter Begriffe, die gemeinsam eine erstaunliche Vielzahl von Konsumenten-Wünschen bedienen: Wem «Hygge» zu soft und zu konservativ ist, der ist mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Fan des anderen, düsteren, brutalen und sozialkritischen Dänemarks, das es unter dem Begriff «Nordic Noir» in ein paar der wichtigsten TV-Serien der letzten Jahre zu sehen gibt. 

Man kann sich schlecht vorstellen, dass «Hygge» und die Serien «Borgen» oder «Forbrydelsen» im gleichen Land stattfinden sollen.

Wahrscheinlich tun sie das auch nicht. Weil beide Fiktionen sind. «Nordic Noir» ist die Fiktion guter Drehbuchautoren. «Hygge» diejenige von Menschen, die mit viel Geschick dänische Landschaften, Architektur, Geschirr, Zimtschnecken und rustikale Designermöbel an emotional und atmosphärisch ausgehungerte Arbeitstiere verkaufen.

Hyggelig klingt das nicht. Aber korrekt berechnet. Denn was wäre ein Fantasie und eine Sehnsucht schon wert, wenn sie sich nicht zu Geld machen liesse?

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  • dahocksdi 25.08.2017 15:35
    Highlight Liebe Simone Meier,

    Hut ab! Ein wirklich gründlich misslungener Artikel. Ich wohn´direkt unter der Grenze und hab´sehr viele dänische Freunde. "Hygge" ist schon ewig DIE dänische Lebensart und wird gelebt, so wie jedes Land seine Einstellungen hat.
    Ja, sie leben entschleunigt, ja sie essen sehr gerne, ja, sie sind sehr, sehr höflich und verstehen es wirklich, aus allem das Beste zu machen. Ja und? Kann es sein, dass Schweizer + Deutsche genau darauf neidisch sind, weil sie das auch können möchten, aber es einfach nicht hinkriegen?
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  • DerElch 22.08.2017 16:34
    Highlight Auch ich bin Dänin. Und ich fühle mich doch tatsächlich ungemein tüpiert ob der herablassenden Art, wie unser Lebensgefühl, unsere Art und unsere Kultur auf sehr sehr platte Klischees und Vorurteile reduziert wird.
    Und bitte nicht mit "das ist Sarkasmus, total, versteht denn das keiner?" kontern. Mit Klischees um sich hauen sollte man konsequenterweise gar nie, nicht nur wenn es um Flüchtlinge oder sonstige Aspekte geht.
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  • StineRasmus 21.08.2017 09:58
    Highlight Clichés und Halbwahrheiten, welche wohl beim Durchblättern von hippen Magazinen oder Lifestyle-Sendungen aufgeschnappt wurden. Frau Meier hat mit Sicherheit keine Minute in Dänemark verbracht, geschweige denn in Gesellschaft von Dänen. Sonst wüsste sie, dass Hygge nur wenig mit Wollsocken, Kaffee und Kerzen zu tun hat. Ein durch und durch lachhafter Artikel, der von schlechtem Journalismus, mieser Recherche und offensichtlicher 'Grund-Unzufriedenheit' der Autorin zeugt. Vielleicht noch von einem Quäntchen Neid?
    So, hab mich genug mit dem Thema beschäftigt.
    Peace
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  • obi 21.08.2017 08:35
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  • Buddha of Suburbia 20.08.2017 19:30
    Highlight Recht haben Sie, Frau Meier.
    Ich verstehe zwar, dass Menschen, die Skandinavien und Hygge schon lange kennen, sich vielleicht etwas auf den Schlips getreten fühlen.
    Aber eigentlich müssten sich genau diese über den Artikel freuen. Der Hyggeboom ist doch ein weiteres Beispiel der oberflächlichen und kommerziellen Totalausschlachtung einer Stils, einer Haltung oder eines Lebensgefühls (als ob man sich sowas kaufen könnte). War schon mit Yoga & Buddhismus so, dann kamen die Achtsamkeitsmagazine, irgendwann der Shabby Chic und jetzt Hygge. Nervt mich auch!
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  • Billy79 20.08.2017 18:52
    Highlight
    Finde ich recht flach, die Sitten eines Landes ins Lächerliche zu ziehen, weil ein paar Marketingfritzen und Journis mit billigen Klischees einen Trend heraufbeschwören. Die Autorin scheint den Sinn des Wortes hygge absolut nicht verstanden zu haben. Ein deutsches Heft ist vielleicht nicht der beste Aufhänger, um über die dänischen Gepflogenheiten abzulästern.
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  • äti 20.08.2017 18:25
    Highlight Ein hyggiger Artikel über hygge. Taufe womöglich mein Pseudo in "Hyggäti" um und lebe danach.
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  • Lichtblau 20.08.2017 18:09
    Highlight '«Hyggelig» heisst: gemütlich, angenehm, nett, gut. Sinngemäss auch noch: geborgen, beschützt, malerisch, herzerwärmend und freundschaftlich.'

    Klar wirkt dagegen ungemütlich, unangenehm, unfreundlich, böse, ausgesetzt, alleingelassen, öde, hässlich, kalt und einsam weitaus verlockender. Echt jetzt: Ich verstehe Frau Meiers Ansatz schon, kann aber auch den Erfolg der erwähnten Publikationen nachvollziehen. Titel wie "Landliebe" u. Co. verzeichnen als praktisch einzige einen nennenswerten Leserzuwachs. Und dies auch bei Käufern aus der Stadt.

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  • Calvin WatsoFF 20.08.2017 16:27
    Highlight Jetzt bin ich ganz flauschig, aber so was von. 😂😂😂
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  • Pupsi 20.08.2017 15:48
    Highlight Ganz ehrlich, hygge gefählt mir! Ist genau der entschleunigte Lebensstil, den ich momentan versuche umzusetzten! Würden sich mehr menschen in der westlichen welt mit hygge beschäftigeb, wäre die welt um einiges besser!
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    • Matrixx 20.08.2017 18:47
      Highlight Naja. Glaubst du, die Welt wäre wirklich besser, wenn sich alle auf dem Sofa in eine Decke einkuscheln, einen Tee trinken und ein Buch lesen?
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    • Billy79 20.08.2017 23:28
      Highlight @Matrix Wenn alle wirklich ALLE meint, dann ja. Kaffee und Kuchen statt Krieg! :)
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    • Pupsi 20.08.2017 23:30
      Highlight Ja, das glaube ich. Besinnung zu sich selbst und nicht immer nur hetzen von a nach b würde der welt definitiv gut tun.
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    • Matrixx 21.08.2017 12:20
      Highlight @Billy Und wenn jeder zuhause hockt bei Kaffee und Kuchen, wer produziert dann den Kaffee und den Kuchen? 😉
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    • Billy79 24.08.2017 11:03
      Highlight @Matrixx Pöööh!
      😉
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  • forestkidd 20.08.2017 14:55
    Highlight Ich als Dänin bin minimal genervt von diesem Artikel. Hygge an sich hat doch nichts mit Märchenland, Realitätsflucht oder Geldmacherei zu tun. Hygge ist einfach nur ein Wort um seelische Zufriedenheit auszudrücken. Wir brauchen hygge gefühlt in jedem dritten Satz. Das Wiedersehen mit Verwandten war hyggelig, der Spaziergang im Schnee, Eis essen mit Freunden oder das neue Kissen auf dem Sofa. Ich finde es toll ein Wort zu haben das Glücksgefühle so gut beschreiben kann. Und was wird heutzutage schon nicht kommerzialisiert? Wenn ein paar Hipster Freude an Hygge haben, muss mich das nicht stören.
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  • kleiner_Schurke 20.08.2017 14:55
    Highlight Ich verstehe nicht ganz was an dem Magazin nun schlecht sein soll. Wenn sie Frau Meier unbedingt immer nur den letzten Terror Anschlag live im hysterischen TV mit verfolgen wollen, nur zu. Wenn sie Armut erleben wollen und zusehen wie Menschen auf der Strasse verrecken, fahren sie nach Indien. Das bekommen sie dort geboten. Aber Vorsicht, es wird sie verändern. Warum nicht mal etwas für den eigenen Seelenfrieden tun? Denn auch wenn ich mi 24h pro Tag ein Blutbad nach dem anderen ansehe, wird die Welt davon wohl kaum besser werden.
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  • lukewatzlawick 20.08.2017 14:30
    Highlight Was für ein platter Artikel mit zahlreichen Klischees, aufgegleist auf die Vermarktung eines deutschen Magazins... Keine richtige Argumentation verpackt mit schlechtem Halbwissen über ein ganzes Land. Kulturbashing das niemand braucht.
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    • redeye70 20.08.2017 20:49
      Highlight Ich verstehe die Absicht von Frau Meier auch nicht. Nicht zum ersten Mal fällt mir ihr wertender Stil negativ auf. Frau Meier, was haben ihnen denn all diese Hipster, Hyggster und auch Instagrammer denn angetan? Leben und leben lassen, schon mal davon gehört? Sie erinnern mich an diesen total frustrierten, unzufriedenen Mensch, der ständig nörgelt und runtermacht. Okay, das war jetzt auch wertend.
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It's science, Leute ... wir sagen ja nur.

Aufstrecken, wer einen Veganer kennt, der nichts lieber tut, als von seiner fleischlosen Ernährung zu schwärmen und davon, wie glücklich er deshalb sei! Ja – den Typen kennen wir alle. Er ist aber offenbar eher eine Ausnahme. Oder aber er übt sich im Schönreden. Denn während eine allzu einseitig fleischlastige Ernährungsweise vielleicht die Wahrscheinlichkeit von Herzerkrankungen, Fettleibigkeit, Diabetes etc. erhöhen kann, soll das Umgekehrte schlicht zu Unglücklichsein führen. Sagt …

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