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Eben erst wieder entdeckt – schon vom Untergang bedroht

Bild: wiki commons

Es wird zusehends schwieriger, ursprüngliche, unberührte Wildnis zu finden. Und auf einer Erde, die im 21. Jahrhundert angekommen ist, solche, die nicht vom Untergang bedroht wird.

01.06.17, 19:12 02.06.17, 06:32
Richard Oppermann
Richard Oppermann


Das Leuser Ökosystem auf Sumatra, Indonesien, qualifiziert sich eindeutig für die erste Kategorie.

Leider nicht für die zweite.

Auf 650'000 Hektaren finden man dort tropische Küstenabschnitte, sumpfige Niederungen, meandrierende Flüsse, hoch aufragende Bergzüge und zwei gewaltige Vulkane.

Und auch Leguane. pixabay

Das Leuser-Areal ist somit das grösste verbleibende Wildnisgebiet Südostasiens. Auf der Insel Sumatra, etwas nördlich des Äquators, bietet es einer unglaublichen Vielfalt ganz unterschiedlicher Spezies ein Zuhause. Bis heute haben in der völligen Abgeschiedenheit dieser Berg- und Tiefland-Regenwälder seltene Grosstiere überlebt, die in anderen Regionen des Archipels schon längst ausgestorben sind. Da es sich von Meereshöhe bis auf die Spitze des 3455 Meter hohen Mount Leuser erstreckt, umfasst es mannigfache Lebensräume. 

wiki commons

Die Wiederentdeckung

Aufgrund fortlaufender Aufstände zwischen 1976 und 2005 blieb dieses riesige Areal grösstenteils unverändert. Im Verlauf dieser Unruhen kämpften Rebellengruppen gegen Regierungstruppen. Insgesamt verloren 15'000 Menschen ihr Leben.

2004 bebte die Erde im Indischen Ozean und zog einen gewaltigen Tsunami nach sich. Durch diese Naturkatastrophe konnte ein Waffenstillstand erreicht werden, um humanitäre Hilfe in die betroffenen Regionen zu bringen. Daraus ergaben sich fruchtbare Verhandlungen und letztlich: Frieden. Diesem folgte der Fortschritt. Verschiedene Nationalparks wurden wieder geöffnet und das Leuser-Areal wurde wegen seiner aussergewöhnlichen Biodiversität von der UNESCO offiziell als Weltkulturerbe anerkannt.

Wobei «aussergewöhnlich» in diesem Fall sowohl die schiere Zahl der vorhandenen Spezies wie auch deren Einzigartigkeit beschreibt.

Bild: pixabay

Der Reichtum

Die UNESCO schätzt die Zahl der vorhandenen Pflanzenspezies auf über 10'000, von denen viele ausschliesslich in diesem Gebiet existieren. Es gibt mehr als 200 Säugetier- und 580 Vogelspezies, die bislang bekannt sind. Und noch immer ist ein Grossteil des Areals unerforscht. Da sie sich dort frei bewegen können, ist der Leuser Park der letzte Ort der Erde, an dem Orang-Utans, Tiger, Elefanten, Rhinozerosse und Malaienbären in der Wildnis koexistieren.

shutterstock

In seinen üppigen Regenwäldern und den Torflandschaften speichert das Leuser Ökosystem über 1,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid und produziert unschätzbare Mengen Sauerstoff.  

wiki commons

Der Untergang

Ein grosser Teil des unberührten Waldes ist noch vorhanden. Doch das Ökosystem als Ganzes wird von neuen Strassenprojekten, illegaler Holzfällerei und Palmöl-Plantagen bedroht. Tatsächlich verlor Sumatra in den letzten 15 Jahren 50% seines Regenwaldes und im Leuser Nationalpark wurden allein in den letzten fünf Jahren 20% der Tieflandwälder abgeholzt.

Derweil setzen sich zahlreiche Nichtregierungsorganisationen mittels ununterbrochenen Prozessierens für den Schutz der Region ein. 

Nauru – ein weiteres verlorenes Paradies

PS: Eventuell haben sie etwas mehr Zeit, als alle dachten: Wissenschaftler haben dank neuer Algorithmen auf Satellitenbildern der Erde 10% mehr Wald entdeckt als bislang angenommen ... 

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  • Bijouxly 04.06.2017 07:29
    Highlight Ich verstehe nicht, warum die unesco kein Sanktionssystem oder ähnliches hat. Also, wenn es unesco Weltkulturerbe ist, dann bekommen sie auch ziemlich gutes Geld dafür. Fraglich, weshalb da nicht mehr Druck gemacht wird, dieses Gebiet auch als solches zu belassen.
    4 0 Melden
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  • Holla die Waldfee 02.06.2017 22:37
    Highlight Da haben wir noch einen Netten zu Indonesien:

    http://www.mimikama.at/allgemein/orang-utan-bordelle/
    2 0 Melden
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  • JacquelineM 02.06.2017 09:17
    Highlight ....Einwirken des Menschen betrachtet. Der Regenwald wurde bis fast zum letzten Baum gerodet. Was da angerichtet wurde wissen wir ja.
    8 0 Melden
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  • Schnuderbueb 02.06.2017 08:31
    Highlight Solange wir es nicht schaffen mit der Natur, Bär, Wolf, Luchs, Biber, in Einklang zu leben, sollten wir uns nicht anmassen über andere wie hier Indonesien zu urteilen!
    17 4 Melden
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  • JacquelineM 02.06.2017 08:10
    Highlight Wahrscheinlich sind alle Tiere dorthin geflüchtet. Der letzte freie Ort...wie schon im Beitrag geschrieben...Nun kommen erstmal alle Forscher aus allen Ecken der Welt und wollen das letzte Wunder mit eigenen Augen gesehen haben und danach folgen die illegalen Hobbyjäger diejenigen die dafür bezahlen mal irgendein Viech gekillt zu haben um stolz posierend ein Foto für ihr Büchlein zu schiessen und weg ist das letzte Wunder dann auch... Markaber? Völlig negativ Denkende? So weit weg von der Realität ist es nicht, wenn man den bisherigen Verlauf der Natur auf der Erde mit ...
    11 3 Melden
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  • Posersalami 02.06.2017 07:32
    Highlight Wir sinf einfach zu blöd. Auch die letzten Flecken werden der Verwertungskette zugeführt. In Kambodscha gibts ein ähnliches Gebiet wo die Chinesen grad munter "infestieren". 😭 Eigentlich kann man nur jetzt noch hinfahren damit man seinen Kindern mal davon erzählen kann.
    6 3 Melden
    • pedrinho 02.06.2017 12:57
      Highlight dumme idee, schutz funktionier besser, wenn keiner hingeht um zu gaffen.
      5 0 Melden
    • Posersalami 02.06.2017 15:50
      Highlight Von welchem Schutz sprechen sie? Das Problem ist ja gerade, dass diese Gebiete KEINEN Schutz geniessen. Zumindest keinen, der funktioniert. Tourismus hat zumindest das Potential, den Einheimischen die Schutzwürdigkeit eines Gebiets bewusst zu machen. Mit den Touristen können sie Geld verdienen und die kommen nur, wenn es was zu besichtigen gibt. Wir müssten halt schauen, dass die mit (sanftem) Tourismus mehr Geld verdienen als mit Feldarbeit. Dann wäre das Problem entschärft..
      3 1 Melden
    • pedrinho 02.06.2017 22:45
      Highlight sanfter tourismus, ja genau, da kommen dann per flugzeug, boot, auto etc. die horden. Wo touristen kommen kann geld gemacht werden, und aus ists mit der natur.

      Wie ichs an verschiedenen orten schon gesehen habe hilft nur ein generelles zutrittsverbot. Diverse gebiete in suedamerika (BR, BOL, CO, GCA) haben solche verbote, als erstes wurde vor +- 10 jahren der zutritt den pfaffen verboten um die naturvoelker zu schutzen, heute gilt an vielen orten fuer nicht im gebiet geborene ein zutrittsverbot - und weisst du was, es funktioniert bestens.
      4 0 Melden
    • Posersalami 03.06.2017 07:38
      Highlight Das ist aber kein Modell fûr die Welt. Sanfter Tourismus funktioniert oft sehr gut, halt vielleicht nicht da wo sie waren.
      1 2 Melden
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  • oli4 02.06.2017 03:22
    Highlight Ich bereise seit zwei Wochen Borneo und es ist erschreckend zu sehen wie hier der ursprüngliche Wald abgeholzt wurde und mit Palmöl Plantagen ersetzt wurde. Habe noch nie soviel Palmen gesehen! Bin mir bewusst dass dadurch viele Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung erschaffen werden... Aber es wird abgeholzt als gäbe es kein Morgen. Und das grosse Geld scheinen internationale Konzerne zu machen. Von Nachhaltigkeit keine Spur.
    40 1 Melden
    • Baba 02.06.2017 08:00
      Highlight Diese Beobachtung hat mich bei meiner Reise durch Borneo auch enorm aufgerüttelt. Seither schaue ich noch genauer hin, ob in 'meinen' Produkten Palmöl enthalten ist, oder nicht.

      Ich war damals auch in einer kleinen Lodge am Kinabatangan River. Auf den ersten Blick wähnte man sich mitten im Regenwald - der war aber beidseitig des Flusses nur noch wenige Meter breit. Danach: Palmölplantagen.

      Dabei ist anscheinend offiziell das Abholzen des Regenwaldes für neue Palmölplantagen verboten. Immer wenn wir abgeholztes Gebiet sahen, kam auf unsere Frage: "das war schon vorher eine Plantage..."
      9 0 Melden
    • Lami23 02.06.2017 13:38
      Highlight Wichtig ist, es nicht nur schrecklich zu finden sondern auch Konsequenzen daraus zu ziehen.
      5 0 Melden
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  • John Smith (2) 01.06.2017 21:33
    Highlight Wow, neue Logarithmen, das interessiert mich! Gibt es Genaueres zu dieser unerwarteten mathematischen Entdeckung? (Oder etwas direkter formuliert: Fremdwörter sind halt immer noch Glückssache.)
    21 5 Melden
    • gnp286 02.06.2017 00:02
      Highlight Algorithmen sind nicht Logarithmen. Das eine ist Informatik, das andere Mathematik.
      4 2 Melden
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  • Holla die Waldfee 01.06.2017 20:05
    Highlight Indonesien ist Weltmeister der Umweltzerstörung. Auch in Korruption setzt die Regierung neue Massstäbe.

    Und all die Profiteure aus der ganzen Welt. Nicht zuletzt die Schweizer Rüstungsindustrie, die gern und fleissig nach Indonesien exportiert.

    All das erzählt mir ein guter Freund. Ein Indonesier, der nach jedem Besuch in der früheren Heimat traurig zurückkommt. Traurig wegen der schlimmen Situation. Er sagt: "Die Regierung wird das nicht stoppen. Jeder will nur sich selbst bereichern. Die Regierung ist eine Mafia und ihre Komplizen sind internationale Konzerne. Sie fressen Indonesien auf."
    49 4 Melden
    • Angelo C. 01.06.2017 23:10
      Highlight Auf TELE ZUERI wurde gerade im Bild gezeigt, dass Indonesien eines der letzten grossen Paradiese der Tabakmultis ist, weil dort die meisten Kinder ab ca. 8 Jahren regelmässig und extrem rauchen.

      Hat zwar keinen kausalen Zusammenhang mit dem hier vorliegenden Bericht, aber es zeigt immerhin die Mentalität der Regierung und der Zustand des Bildungswesens.
      20 1 Melden
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  • Bluespicker 01.06.2017 19:49
    Highlight Klugscheisser-Korrektur: Algorithmen, nicht Logarithmen
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    • moray91 01.06.2017 20:10
      Highlight https://de.m.wikipedia.org/wiki/Logarithmus Hat sich wohl ausgeklugscheissert!
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Ganz ohne Plastiksäckli: In Zürich öffnet der erste Zero-Waste-Laden der Deutschschweiz

In Zürich eröffnet der erste Laden ganz ohne Abfall. Wer was kaufen will, muss seinen eigenen Behälter mitnehmen, auch für Nudeln, Reis oder Alkohol. «Zero Waste» heisst die Philosophie und steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft. 

Rüebli, Kartoffeln, Nudeln oder Seife, im Foifi, dem ersten Zero-Waste-Lasten in Zürich, findet man eigentlich alles – ausser eben Plastiksäckli. Der neue Laden steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft und setzt sich zum Ziel, keinen Abfall zu produzieren. Der Durchschnittsschweizer produziert im Jahr 344 Kilogramm Abfall – viel zu viel, finden die Betreiber des «Foifi». Der Name ist ein Vermerk auf die fünf Axiome von Zero Waste, aber auch eine Liebeserklärung an den Zürcher …

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