watson-Leser empfehlen

Dir vergeht Hören und Sehen, wenn du siehst, was sich alles in deinem Körper einnisten kann

21.05.15, 08:00 22.05.15, 16:30

Wir Menschen vertilgen sowohl sehr bekömmliche als auch ziemlich übelerregende Nahrungsmittel – darunter auch viele Tiere. Doch wenn es ganz schlecht läuft, wirst du selbst zu Tiernahrung. Dann haben kleine, fiese Parasiten Eingang in dein Innerstes gefunden, dann tummeln sich Würmer, Maden und anderes Getier dort, wo es nichts verloren hat. 

Die Recherche gestaltete sich einfach, aber widerlich. Sehr widerlich. Und das schreibt einer, der sich mal zwei Wochen im OP-Saal rumlümmeln und den Menschen in geöffneten Thorax und aufgestochene Eiterbeulen schauen durfte. Das war nicht allzu ekelhaft, jedenfalls nicht so wie diese Aufzählung, die nun kommt. Sag nicht, wir hätten dich nicht gewarnt!

Schau mir in die Augen, Wurm!

So sieht der Loa loa filariasis ja noch ganz süss aus. Bild: Gemeinfrei

Der Kreislauf des Lebens aus Sicht eines Augenwurms. Bild:  Centers for Disease Control and Prevention/gemeinfrei

Der Augenwurm ist quasi ein Wanderer zwischen den Welten. Erst treibt er sich in bestimmten Bremsen herum, deren Weibchen wiederum die Larve Loa loa filariasis weitergeben, wenn sie einen Menschen in Zentralafrika stechen. Nur die Weibchen saugen Blut. Zur Not tut es auch ein Primat wie der Drill, ein Anubispavian oder ein Husarenaffe. Auch die Mongolische Rennmaus ist betroffen, weiss Wikipedia.

Im nächsten Wirt angekommen erwächst aus der Larve ein strammer Fadenwurm, der sich im Unterhautfettgewebe häuslich einrichtet, aber auch gerne mal um die Häuser zieht. Wenn er beim Auge vorbeischaut, wird er auf der Bindehaut sichtbar – und seine Bewegungen fühlbar, sofern der Parasit gross genug ist. Er kann bis zu 17 Jahre in unserem Körper überleben, wenn er nicht mit Antibiotika konfrontiert wird.

Die besonders Mutigen unter euch können in einem YouTube-Video ein Auge auf die Entfernung eines solchen langen Lümmels werfen, der auch per Pinzette aus den Sehorgan herausgezogen werden kann. Aber Achtung, das ist starker Tobak!

Aber so bekommt man einen völlig anderen Blick auf den Augenwurm. Bild: MediaMed/Tumblr

Dasselfliege, du Dussel!

Sieht ja eigentlich ganz nett aus: die Reh-Rachendassel alias Reh-Rachenbremse Bild: WikiCommons/Karsten Heinrich/Thiotrix

Eine Passage aus Wikipedia, die ich eigentlich wirklich nicht wissen wollte, aber was soll man machen, wenn es um menschliche Parasiten gehen soll? Da kommen Sie um die Dasselfliege und ihre «Flexibilität» in Sachen Durchdringung nun mal nicht herum. 

«So wachsen die Nasendasselmaden in den Schleimhäuten der Nase und im Bereich des Siebbeins der Wirte heran, die Rachendasseln leben im Rachenraum und die Hautdasseln im Bindegewebe unter der Haut. Die Magendasseln wandern über den Kehlkopf in den Magen- und Darmtrakt, wo sie sich festhaken und Blut saugen. Vor der Verpuppung werden sie von ihrem Wirtstier ausgeschieden und entwickeln sich im Boden weiter.»

Die Magendassellarve eines Pferdes verlässt ihren Wirt durch den After. Bild: WikiCommons/Lamiot

Vom Wirtstier ausgeschieden, das hört sich interessant an. In der Regel werden Huftiere befallen, aber vielleicht verwechselt so eine Dusselfliege ja Sie einmal mit einem Esel, dann könnte es (durch sie) auch dich treffen. Und tritt dieser seltene Fall bei einer Magendassellarve ein, nennt man das Ganze Hautmaulwurf, weil sich der kleine Racker unter deiner Haut durch dich hindurchfrisst. Er hat dich zum Fressen gern, ist es nicht rührend? 

Wie sich das so anfühlt, wenn die Dasselfliege bei Ihnen einzieht, erzählen Betroffene in einer Reportage von DMAX. Aber obacht, ist nichts für Kinder. Video: YouTube/Timi206

Dasselbe gilt für die Hautdassel, die neben Huf- auch Nagetiere mögen. Nur wenn du Pech hast, bringst du die Larven im internen Handgepäck mit aus den Ferien, wie einst ein Amerikaner, der sich in Belize in Südamerika die blinden Passagiere eingefangen hat. Auch hier gibt es beim New England Journal of Medicine ein Video von der Austreibung der gefrässigen Kreaturen. Und ja, auch das ist nichts für Zartbesaitete.

Von wegen bester Freund

Schwerer Befall von Hautmaulwurf beim Menschen Bild: Gemeinfrei

Hakenwürmer können sehr anhänglich sein. Normalerweise bohren sie sich durch Bellos und Büsis, so wie der Hundehakenwurm (Ancylostoma caninum) oder der Katzenhakenwurm (Ancylostoma tubaeforme). Für die Haustiere sind sie tödlich, doch bevor sie selber sterben, finden manche dann und wann auch ihren Weg in den Menschen.

Der ist aber eigentlich eine Nummer zu gross und somit ein so genannter Fehlwirt. Die Erreger können nicht auswachsen, sterben nach ein bis drei Monaten wieder ab. Hautmaulwurf, auch Larva migrans, fängt man sich in der Regel aber eher in warmen Klimazonen ein.  

Ein Tritt ins Gesicht jedes Urlaubers: Hautmaulwurf am Fuss acht Tage nach Befall. Bild: WikiCommons/Florian Höfer

Fliegenmadenkrankheit – blanker Horror inside

Jööö, guck mal, wie die guckt! Die Larve der Neuwelt-Schraubenwurmfliege geht in Südamerika gerne mal auf Kuschelkurs.

Wenn Ihnen in den Tropen gewisse Fliegen begegnen und sie irgendwo eine kleine Wunde haben, ist das für die Plagegeister womöglich das Tor zur Nachwelt. Aber die Larven können sich auch in Körperöffnungen ansiedeln. Manchmal bringen die Menschen die Larven sogar selbst ins Innerste: Etwa mit dem sardischen Casu-Marzu-Käse, der durch Maden der Käsefliege vorverdaut wird und mit seinem lebenden Inhalt verspeist wird.

Casu Marzu, ein Schafskäse mit Maden. Bilder von der Krankheit Myiasis, die diese manchmal auslösen, können wir nicht zeigen. Diese sind wie aus einem sehr fürchterlichen Horrorfilm. Bild: WikiCommons/BetacommandBot

Der Fachbegriff der Krankheit ist Myiasis. Wenn jene Fliegen ihre Gelege platzieren, die bei der Schraubenwurmfliege beispielsweise 200 bis 500 Eier umfassen, tun sie das in der Nähe offen liegenden Fleisches. Und ist das ausgeschlüpfte Larvenkind erstmal in den Brunnen gefallen ist, ernährt es sich von Ihrem Magen- oder Darminhalt oder direkt von Ihnen. In Südamerika und auf Kuba, wo das Insekt verbreitet ist, wurden laut Wikipedia schon Menschen von über 100 Maden befreit.

Wer sich ansehen will, wie diese Parasiten in einer Nasenöffnung tummeln, kann sich das mit diesem YouTube-Video antun. Doch Vorsicht: In meinen sieben Jahren im Online-Gewerbe ist mir selten ein abstossenderer Clip untergekommen. (Und ich habe ein paar Minuten vom Paris-Hilton-Sextape gesehen!)

Der Harnröhrenwels: Zurück zum Ursprung

Harnröhrenwelse gehen dahin, wo es weh tut. Und wenn dieser Amazonas-Bewohner aus der Unterfamilie Vandelliinae keinen Fisch hat, den er aussagen kann, dann schwimmt er halt in andere Lebewesen hinein.

Das dicke Ende: Der Medina- oder Guineawurm

Fadenwürmer sind im Sudan oft zu Gast bei Menschen, waren früher aber von ganz Afrika bis nach Indien verbreitet. Die Larven befallen erst Hüpferlinge, das sind kleine Krebse. Die kommen durch Trinkwasser in unsere Körper, werden im Magen freigesetzt und können im Dünndarm ins Innere gelangen. Im Bauchraum paaren sich die Tiere, dann stirbt das Männchen.

Bild:  The Carter Center/Louise Gubb

Das Weibchen frisst sich fröhlich durch Binde- und Untergewebe und kann bis zu einem Meter lang werden. Oft wandert es in Arme oder Beine, was dem Wirt starke Schmerzen bereitet. Frisst sich Dracunculus medinensis wieder aus seinem Menschen heraus, verursacht er ein Geschwür, das aufplatzt, wenn es mit Wasser in Berührung kommt.

Aus Wikipedia: «Gleichzeitig reisst die Haut des dicht darunterliegenden Wurms und dessen Uterus, der Tausende von Larven ins Wasser entlässt. Anschliessend zieht sich der Uterus wieder ins Geschwür zurück und bei erneuter Wasserbenetzung wiederholt sich der Vorgang. Nach zwei bis drei Wochen stirbt der weibliche Wurm.» Die Larven werden im Wasser wieder von den Krebsen gefressen, deren Darm sie dann durchbohren. Der Kreis schliesst sich.

Ist sie nicht herrlich, die Natur?

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
18Alle Kommentare anzeigen
18
Um mit zudiskutieren oder Bilder und Youtube-Videos zu posten, musst du eingeloggt sein.
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • bisibi 22.05.2015 10:00
    Highlight i just threw up a little.... ooooooooooooh
    0 0 Melden
    600
  • So en Ueli 21.05.2015 11:41
    Highlight Ja denn en guete. Isch ja gli Mittag.
    9 0 Melden
    600
  • Gelöschter Benutzer 21.05.2015 09:28
    Highlight Hab ich es doch gewusst! Nach dem Ekel-Parasiten-Artikel von gestern wusste ich, dass solch ein Artikel folgen wird, und ist ja klar, dass ich Idiot auch noch alles anschauen muss......aaaaarrrrgggghhhh wie HÄSSLICH! Danke Watson! Dafür schuldet ihr uns morgen einen zusätzlichen Extra-Freitags-Special-Picdump!
    39 0 Melden
    600
  • Zeit_Genosse 21.05.2015 07:10
    Highlight Ignoranzmanagement: Ich schreibe einen Kommentar ohne den Artikel gesehen zu haben. Man schütze sich vor Bildern, die einmal gesehen, immer im Kopf verfügbar bleiben. Man muss auch mal nein sagen können.
    21 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 21.05.2015 09:28
      Highlight hät ich doch bloss deinen Kommentar zuerst gelesen, die Bilder sind nun drin :-)
      15 0 Melden
    600
  • King Susi auf der Autobahn 21.05.2015 00:31
    Highlight Damn nature, yo scary!
    10 1 Melden
    600
  • Jaing 20.05.2015 23:52
    Highlight Und da soll noch einer behaupten, der coole Schnurrwurm aus dem Picdump sei eklig!
    12 0 Melden
    600
  • gianna 20.05.2015 23:43
    Highlight was ist los mit watson und ekelhaften tieren in letzter zeit?😂
    16 0 Melden
    600
  • Chrigu91 20.05.2015 23:27
    Highlight Sind eigentlich Ekelwochen bei Watson??
    18 1 Melden
    • Mr.Stepper 23.05.2015 09:43
      Highlight fehlt nur noch ein Artikel über Irina Beller ;-) iiiiiiiiiii
      6 0 Melden
    600
  • sambeat 20.05.2015 23:02
    Highlight Myiasis in der Nase.
    Tja, kommt davon, wenn man seine Nase überall reinsteckt!

    Jap, ich weiss, selten blöder Kommentar. Musste aber raus, sonst wächst noch irgend ein Viech darin ;)
    14 1 Melden
    600
  • DarkStanley 20.05.2015 22:11
    Highlight Oh nei, ohne mich...
    5 0 Melden
    600
  • droelfmalbumst 08.04.2014 12:32
    Highlight en guete.... :D
    10 1 Melden
    600
  • Sebastian Fela Narendra Schneeberger 07.04.2014 22:59
    Highlight also der mit Myiasis hätte man gar nicht erst erwähnen müssen. Jugendlicher Leichtsinn und Wissensdurst führte mich dazu, es zu googeln..
    37 0 Melden
    • Julian Wermuth 09.04.2014 13:46
      Highlight dito.
      14 1 Melden
    • missesX 20.05.2015 21:28
      Highlight mich auch....
      7 1 Melden
    • Sark 20.05.2015 23:01
      Highlight Mich auch. Kann jetzt nicht schlafen.
      9 0 Melden
    600
  • Gelöschter Benutzer 07.04.2014 22:18
    Highlight wääh
    7 0 Melden
    600

Weniger Herzprobleme, mehr Selbstvertrauen

12 Gründe, weshalb jedes Kind einen Hund oder eine Katze braucht 

«In eine richtige Familie gehört ein Hund» oder «Unsere Katze macht unsere Familie erst komplett», hört man Haustierfreunde immer wieder sagen. Dieser Meinung sind aber nicht nur Hündeler und Kätzeler, sondern auch Wissenschaftler. 

Bei einer Studie, durchgeführt vom Kuopio-Universitätsspital in Finnland, waren jene Neugeborenen, die das erste Jahr ihres Lebens mit einem Hund verbrachten, deutlich weniger von Husten, Schnupfen und Co. betroffen als die haustierlosen Babys. …

Artikel lesen