Brasilien
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Angriff auf die grüne Lunge: Amazonas-Regenwald schrumpft stark



FILE - In this Sept. 15, 2009, file photo a forest in the Amazon is seen being illegally burnt, near Novo Progresso, in the northern Brazilian state of Para. The cutting of trees, scientists say, is hindering the immense jungle’s ability to absorb carbon from the air _ and to pull enough water through tree roots to supply gigantic “sky rivers” that move more moisture than the Amazon river itself. More than two-thirds of the rain in southeastern Brazil, home to 40 percent of its population, comes from these sky rivers, studies estimate. When they dry up, drought follows, scientists believe. (AP Photo/Andre Penner, file)

Bild: AP/AP

Der neue brasilianische Präsident Bolsonaro gilt als Freund der Landwirte und Holz-Unternehmer. Der Dschungel ist für ihn vor allem eine Wirtschaftsressource. Kritiker befürchten, dass der Ex-Militär den Holzfällern weitgehend freie Hand lässt.

Im Amazonas kreischen die Kettensägen: Nach dem Amtsantritt des rechtspopulistischen Präsidenten Jair Bolsonaro steigert sich die Abholzung des Regenwaldes in Brasilien weiter. Im brasilianischen Amazonasgebiet legte die Abholzung im Januar - dem ersten Monat von Bolsonaros Amtszeit - nach Angaben des Forschungsinstituts Imazon um 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 108 Quadratkilometer zu.

Zwar wurde vor allem auf Privatgelände Holz eingeschlagen. Immerhin sieben Prozent der Abholzung fand allerdings auf Ländereien der indigenen Gemeinschaften statt, fünf Prozent in ausgewiesenen Naturschutzgebieten. Allerdings hatte auch schon vor Bolsonaros Amtsantritt die Abholzung kräftig zugelegt.

«Die Bekämpfung der Abholzung liegt in der Verantwortung Brasiliens und sollte eine Priorität der Regierung sein», sagte Carolina Marçal von der Naturschutzorganisation Greenpeace im Vorfeld des Internationalen Tag des Waldes am 21. März. «Die neue Regierung verfolgt eine Politik, die die Rechte der indigenen und angestammten Bevölkerung verletzt und zu mehr Gewalt auf dem Land und mehr Umweltzerstörung führt.»

Priorität auf wirtschaftlichem Wachstum

Bolsonaro hat immer wieder klar gemacht, dass Umweltschutz und der Kampf gegen den Klimawandel nicht ganz oben auf seiner Prioritätenliste stehen. Er will keine neuen Schutzgebiete im Amazonasgebiet ausweisen, weitere Rodungen im Regenwald zulassen und den Umweltschutz an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausrichten. «Unter dem indigenen Land liegt Wohlstand», sagte er einmal.

Gleich nach seinem Amtsantritt an Neujahr übertrug er die Zuständigkeit für die Schutzgebiete der indigenen und afrobrasilianischen Gemeinschaften dem Landwirtschaftsministerium. An die Spitze des Ressorts setzte er die einflussreiche Agrar-Lobbyistin Tereza Cristina. Kritiker meinen, damit werde der Bock zum Gärtner gemacht.

Ein Blick von oben

Der Richtungswechsel könnte auch den internationalen Klimaschutz in Gefahr bringen, da sich die indigenen Gemeinschaften Brasiliens traditionell als «Hüter des Waldes» verstehen und Widerstand gegen die grossflächige Abholzung leisten. Brasilien kommt im Kampf gegen den Klimawandel eine wichtige Rolle zu, da das Amazonasgebiet als CO2-Speicher von globaler Bedeutung ist.

Temperaturanstieg um 1.45 Grad

Direkt vor Ort dürften die Folgen der Abholzung auf das Klima sogar noch schneller und stärker zu spüren sein. In tropischen Regionen sorgen Wälder durch Sonnenreflexion und Verdunstung für Abkühlung. Sollte der Verlust von Waldflächen in Brasilien im gleichen Tempo bis bisher voranschreiten, könnte laut einer Studie der Universität von Rio de Janeiro die Durchschnittstemperatur in der Region bis 2050 um bis zu 1.45 Grad steigen.

«Höhere Temperaturen in bereits warmen Gebieten könnten Sterblichkeitsraten und Strombedarf erhöhen, die landwirtschaftlichen Erträge und Wasservorräte reduzieren und zu einem Kollaps der Artenvielfalt beitragen», schreiben die Autoren der Studie im Fachmagazin «Plos One».

Trotz der massiven Abholzung im Amazonasgebiet ist die Erde laut einer Studie der US-Raumfahrtbehörde Nasa heute allerdings grüner als vor 20 Jahren. Verantwortlich für den Anstieg seien vor allem Aufforstungsprojekte in China und intensivere Landwirtschaft in Indien, heisst es in dem Nasa-Bericht. Allerdings könnten diese neuen Pflanzungen den Verlust an Biodiversität durch die Abholzung beispielsweise in Brasilien und Indonesien nicht ausgleichen.

Für Bolsonaro stellt der Amazonas-Regenwald vor allem ein bislang ungenutztes wirtschaftliches Potenzial dar. «Brasilien tut sehr viel für die Umwelt und den Naturschutz», sagte er zuletzt auf der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. Das Land verfüge über zahlreiche natürliche Ressourcen - das wolle er nutzen. «Wir wollen Fortschritt erzielen und gleichzeitig die Umwelt schützen und Artenvielfalt erhalten.» (sda/dpa)

Was Waldtiere machen, wenn sie sich unbeobachtet fühlen

Bei Besuchen in Schweizer Wälder ist Vorsicht geboten

Play Icon

Aufregendes und Anregendes zum Klimawandel

14 Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz

Link zum Artikel

Weltweit grösstes Solarkraftwerk eingeweiht

Link zum Artikel

Der Klima-Putsch – oder wer rettet die Welt: Die Öko-Aktivisten oder die Öko-Kapitalisten?

Link zum Artikel

Aufregendes und Anregendes zum Klimawandel

14 Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz

27
Link zum Artikel

Weltweit grösstes Solarkraftwerk eingeweiht

0
Link zum Artikel

Der Klima-Putsch – oder wer rettet die Welt: Die Öko-Aktivisten oder die Öko-Kapitalisten?

0
Link zum Artikel

Aufregendes und Anregendes zum Klimawandel

14 Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz

27
Link zum Artikel

Weltweit grösstes Solarkraftwerk eingeweiht

0
Link zum Artikel

Der Klima-Putsch – oder wer rettet die Welt: Die Öko-Aktivisten oder die Öko-Kapitalisten?

0
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

18
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • RatioRegat 21.03.2019 10:02
    Highlight Highlight Die Abholzung des Regenwaldes ist stupid, da es langfristig weitaus mehr Nachteile als Vorteile hat, und zwar nicht nur für Brasilien, sondern für den gesamten Kontinent.

    PS: Hier ein interessantes, kurzweiliges Video über die Folgen der Regenwaldabholzung:
    Play Icon


  • Gogl Vogl 21.03.2019 09:19
    Highlight Highlight Wie kann es sein, dass Unternehmen schon seit den 70ern Persönlichkeitsrechte besitzen und diese wehement verteidigen dürfen, während der Amazonas (immerhin Lunge der Welt) behandelt wird wie Dreck?

    Liebe Klimajugend; Wir müssen Persönlichkeitsrechte für Mutter Natur einfordern und zwar international. Nur so kann sie konsequent und effektiv verteidigt werden!

    Ich habe es satt meine Zukunft für den "Profit" einiger zu opfern. Ich bin es leid noch eine Generation in Stumpfsinn versinken zu sehen.

    Höchste Zeit für wirksame Veränderung!
    • rodolofo 21.03.2019 13:19
      Highlight Highlight Wenn wir uns nicht ändern, dann ändert sich die Welt!
      Sie versucht heute schon, die "Menschliche Plage" los zu werden, mittels muliresistenter Bakterien.
      Doch diese gefrässigen Menschen-Schädlinge halten mit Gentech sind einfach nicht tot zu kriegen!
      Jetzt wollen sie sich mit Gentech ein Natur zusammenbastelm, die sich brav malträtieren und ausnehmen lässt, eine Untertanen-Natur...
  • AfterEightUmViertelVorAchtEsser___________________ 21.03.2019 08:35
    Highlight Highlight Die grösste Katastrophe seit Tschernobyl.

    Liebe Klimastreiker: Das wäre eines der dringendsten Themen für eure nächste Demo.
    • arpa 21.03.2019 18:42
      Highlight Highlight Könnte schlimmer als Tschernobyl werden.. und damit möchte ich Tschernobyl nicht klein reden..
    • Me:ish 21.03.2019 20:06
      Highlight Highlight Um das Methan unter dem Permafrost zurückzuhalten ist es eh schon zu spät und diese Folgen dann auszugleichen, da hilft das bisschen Regenwald leider auch nichts mehr. Intelligenz ist wohl, möglichst zielstrebig auf den Untergang hinzuarbeiten, wobei unkontrollierte Vermehrung ungemein hilft.
  • uicked 21.03.2019 08:22
    Highlight Highlight Zum Glück bin ich schon 30-ig und muss nur noch 50-60 Jahre. Die Ignoranz und die Idiotie tut schon beim lesen weh. Viel Glück.
  • rodolofo 21.03.2019 07:48
    Highlight Highlight Die Raucherlunge der Menschheit.
    Und in Brasilien ist ein Bewunderer von Marlboro-Man an der Macht...
  • tzhkuda7 21.03.2019 02:39
    Highlight Highlight Wir müssen das anders regeln Genossen

    Ich schlage folgendes vor hier in der Runde

    Wir zweigen nachdem die Flugzeuge für unsere Bubis unterm Dach sind einmalig 1.2 Milliarden aus de VBS Budget ab

    Kaufen damit etwa Regenwald so gross wie 3-4x die Schweiz und lassen dann das einzäunen mit graben.

    Würde wetten Bolsonaro zieht mit wenn er all das Geld sieht nur dafür das der Wald stehen bleiben soll, wenn da noch DE und GB draufpacken ist minimum die Hälfte des jetztigen Restbestanden, zumindest in Südamerika (Asien noch nicht dabei) save

    Können ja in 5 Jahren dann dem VBS noch eine abzwacken
  • BassBox 21.03.2019 00:19
    Highlight Highlight Menschen benötigen Sauerstoff und CO2 ist das Abfallprodukt.
    Die Pflanzenwelt benötigt CO2 und Sauerstoff ist das Abfallprodukt.
    Schön dass wir auf diesem Teil der Erde über irgendwelche CO2-Abgaben sprechen und auf der anderen Seite der immer noch selben Erde fleissig der Regenwald abgeholzt wird...
  • real donald trump 20.03.2019 23:20
    Highlight Highlight yeaahh! wirtschaft, geld, arbeitsplätze!
    • arpa 21.03.2019 18:44
      Highlight Highlight In zusammenhang mit deinem nick eine wahrhaftig freudige ironie 😊
  • Ganesh LXIX 20.03.2019 21:51
    Highlight Highlight Kettensägenmassaker und gehirntote Politikelite.
  • I bims 20.03.2019 21:16
    Highlight Highlight Wiedermal ein Präsident der nur ans Geld und die Wirtschaft denkt.🎉

    Und wir singen im Atomschutzbunker
    Hurra, diese Welt geht unter
    Hurra, diese Welt geht unter
    Hurra, diese Welt geht unter
  • I_am_Bruno 20.03.2019 19:42
    Highlight Highlight Spannend wäre zu wissen - was können wir dagegen tun? Wofür wird das Holz gebraucht? Papier & Karton für Onlineshopping? Möbel? Land für Fleischproduktion?
    • RatioRegat 21.03.2019 11:46
      Highlight Highlight Den Regenwald aufkaufen: https://www.rainforesttrust.org
    • arpa 21.03.2019 18:45
      Highlight Highlight Und dann wird er trotzdem abgeholzt? Geld weg, holz auch weg.. die scheren sich ja nicht um grenzen und gesetze.

Ein Paar in Brasilien pflanzte 20 Jahre lang Bäume – und lebt jetzt in einem Wald

Es ist eines der grössten Aufforstungsprojekte der Welt: Das Ehepaar Salgado pflanzte in 20 Jahren einen 68 Millionen Quadratmeter grossen Wald. Sie haben bewiesen, dass der Klimawandel nicht nur gestoppt, sondern auch rückgängig gemacht werden kann.

Anfang der 90er-Jahre wurde der brasilianische Fotografjournalist Sebastiao Ribeiro Salgado nach Ruanda geschickt, um über den schrecklichen Völkermord zu berichten. Das vor Ort Erlebte traumatisierte ihn schwer. 1994 kehrte Salgado in seine Heimat zurück. Er hoffte zu Hause in Minas Gerais, wo er von einem üppigen Wald umgeben aufgewachsen war, Ruhe und Erholung zu finden.

Statt des Waldes aber fand er kilometerweit staubiges und karges Land vor. In wenigen Jahren fand in seiner Heimatstadt …

Artikel lesen
Link zum Artikel