Afrika
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Dünen in der marokkanischen Sahara-Wüste.

«Sie kommen mitten in der Nacht» – weshalb in Marokko plötzlich Dünen verschwinden

Hamza Mekouar / afp



Die Plünderer haben ganze Arbeit geleistet: Am angesagten Monica-Strand in Mohammedia ist nur eine einzige Düne übrig geblieben. «An der ganzen Küste hier sind die Dünen verschwunden», sagt der marokkanische Umweltaktivist Jawad Hadi von der Organisation Anpel.

Während an den Atlantikstränden zwischen Rabat und Casablanca immer mehr Appartementblocks entstehen, wird der Sand dort immer weniger. Eine «Sandmafia» zerstöre die Küste, schreibt das Uno-Umweltprogramm (Unep) in seinem jüngsten Bericht.

«Die Diebe kommen mitten in der Nacht, meist ausserhalb der Saison», hat eine Anwohnerin am Monica-Strand beobachtet. «Jetzt kommen sie seltener - es gibt einfach nichts mehr zu holen.»

Etwa zehn Millionen Kubikmeter Sand werden laut Unep in Marokko jedes Jahr illegal abgebaut. Das ist mehr als die Hälfte des Sandes, den die Bauindustrie verbraucht. Beton besteht zu vier Fünfteln aus Sand und ist nach Wasser der am meisten konsumierte Rohstoff.

«In Marokko werden mit dem Sand der Strände häufig Hotels, Strassen und andere touristische Infrastruktur gebaut», heisst es in dem Uno-Bericht.

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Blick auf Essaouira an der Atlantikküste Marokkos. bild: shutterstock

Bald nur noch Fels

«Wenn der Abbau in diesem Mass weiter geht, bleibt bald nur noch Fels übrig», sagt Adnane Afouss, der sich ebenfalls bei der Organisation Anpel engagiert. Fehlt der Sand, erodiert die Küste.

Nicht nur am Atlantik, auch an der Mittelmeerküste ist die Sandmafia aktiv. Zwischen Essaouira und Safi habe die Sandmafia einen grossen Strand in eine Steinlandschaft verwandelt, schreibt die Unep. Manchmal kommen die Plünderer mit Eseln oder Lastenrädern, andernorts laden sie ganze Lastwagen voll.

Der Sand werde teilweise von «organisierten Netzwerken» geklaut, die mit Funktionären gemeinsame Sache machten, sagt Umweltaktivist Hadi. Politiker stellten Genehmigungen aus, ohne sich an die vorgeschriebenen Abbauquoten zu halten.

«Hier ist eine gut organisierte Mafia am Werk, die keine Steuern zahlt», sagt ein offizieller Sandhändler, der nicht namentlich genannt werden will. Sie verkaufe Sand, der «weder gewaschen noch entsalzt» sei, und so eigentlich nicht zum Bauen verwendet werden dürfte. «Mit diesem Geschäft wird viel Geld gewaschen», sagt der Branchenvertreter.

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Strand in Agadir: Der Bauboom bedroht die Dünen. bild: shutterstock

Baggern ohne Bewilligung

Umweltaktivist Afouss zeigt das Ausmass der Zerstörung auf seinem Smartphone - auf den Satellitenaufnahmen von Google Earth: «Hier in der Nähe von Safi haben sie den Sand auf einer Länge von sieben Kilometern abgebaut. Das war ein ehemaliger General», sagt er. Afouss zoomt auf eine andere Stelle: Dort habe ein Politiker entlang mehrerer Kilometer Küste den Sand abbaggern lassen - obwohl er nur die Genehmigung für zwei Hektar gehabt habe.

In einer Erklärung nach der Uno-Klimakonferenz in Marokko 2016 nannte das nordafrikanische Land den Umweltschutz als eine seiner wichtigsten Aufgaben. Es werde gerade ein Plan zum Küstenschutz erarbeitet, sagt die zuständige Staatssekretärin Nezha El Ouafi auf die Frage nach dem illegalen Abbau von Sand.

Das Uno-Umweltprogramm warnt unterdessen: «Wird weiter so viel gebaut, wird das wahrscheinlich dazu führen, dass die grösste natürliche Attraktion für Touristen - die Strände - verschwindet.» (sda/afp)

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • El Vals del Obrero 24.07.2019 13:40
    Highlight Highlight Vielleicht wäre es auch gut, bei Bauten (egal wo) öfter wieder anderes als einfach immer nur standardmässig langweiligen Beton zu verwenden.
  • hansa 24.07.2019 13:20
    Highlight Highlight Selten so einen Stuss gelesen! Mit 10 Mio m3 Sand (entspricht über 1Mio Lastwagenladungen!!!j könnte man die ganze Schweiz mit 2,5 cm überdecken! Der Verfasser dieses Berichtes hat wohl die Sahara-Hitze etwas zu stark zu gesetzt.
  • Hiker 23.07.2019 18:33
    Highlight Highlight Ich dachte zuerst das sei ein Scherz. Sandmafia tönt auch mehr nach Kindergarten. Aber das scheint ein ernstes Problem zu sein. Was es nicht alles gibt. Danke für den Artikel.
    • atorator 23.07.2019 19:14
      Highlight Highlight Sand ist einer der wichtigsten Rohstoff weltweit.
  • NocheineMeinung 23.07.2019 18:01
    Highlight Highlight Es gab mal einen Witz (in oder über die DDR): Was passiert, wenn man in der Sahara den Sozialismus einführt? Antwort: Dann wird der Sand knapp.
    Dass hier ist aber Neo-Liberalismus: Der Staat soll sich ja heraushalten und der Markt regelt dies von alleine.
    Denkste!
    • Marco86 24.07.2019 09:11
      Highlight Highlight Nonsens: Im Artikel wird klar erwähnt das auch staatliche Stellen involviert sind... Es handelt sich um ein illegaler Abbau der nicht unterbunden wird - das hat mit der Wirtschaftsform rein gar nichts zu tun... wohl eher mit Korruption - aber ja, wieder mal das Wort Neo-Liberalismus komplett falsch verwendet: TOP!!
  • Wombat94 23.07.2019 17:46
    Highlight Highlight So viel ich weiss eignet sich der Sand aus dem Meer/Küste nicht wirklich für die Produktion von Beton.. Der Sand aus dem Meer ist Rund geschliffen, somit wird der Beton nicht gleich stabil da sich die Sandkörner nicht ineinander verhacken können. Wüsten Sand ist ein bisschen weniger Rund geschliffen aber auch der eignet sich nicht wirklich..


    • häxxebäse 24.07.2019 01:49
      Highlight Highlight In ländern in welchen die staatliche kontrollen versagen oder bestechlich sind, wird damit gebaut.
    • salisalisalidsunneschiintfüralli 24.07.2019 13:12
      Highlight Highlight alsooo so viel ich weiss, ist es genau anders rum (lässt sich auch zimli easy recherchieren)
  • Jim_Panse 23.07.2019 17:44
    Highlight Highlight Wir sollten unsere Sprichwörter umändern. „Gibt es wie Sand am Meer“ ersetzen mit „Gibt es wie Idioten auf der Welt“
  • Firefly 23.07.2019 17:28
    Highlight Highlight Na in Nordafrika wirds ja wohl genug Sand geben!?
    • Kruk 23.07.2019 17:38
      Highlight Highlight Wüstensand ist angeblich zum Bau nicht geeignet. Deshalb importieren z. B. auch die Emirate Sand.
      (habe leider vergessen an was das liegt)
    • Firefly 23.07.2019 17:50
      Highlight Highlight @Kruk Danke, muss mich mal erkundigen...
    • PHI (formerly known as Pat the Rat) 23.07.2019 17:52
      Highlight Highlight @ Firefly & @ Kruk:

      Wüstensand (und eigentlich auch Strand-Sand) bestehen hauptsächlich aus durch Wind und Wasser rund geschliffenen Körnern.

      Damit Beton stabil wird, braucht es aber scharfkantige Sandkörner, die sich ineinander verhaken können.
      Sonst passiert bei einem Erdbeben ab einer gewissen Stärke das selbe, wie vor ein paar Jahren in der Türkei (glaube 2011)...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Statler 23.07.2019 17:28
    Highlight Highlight ARTE Doku von 2013.

    Das Thema ist alles andere als neu.

    Allerdings ist Euer Titel nicht ganz korrekt. Wüstensand (also auch solcher von Dünen) eignet sich nicht für Beton, weil er rundgeschliffen ist. Es geht vor allem um Sand von Stränden (und dem vom Meeresgrund).
    Die Dünen in Marokko bestehen wohl nur ganz nah am Strand aus brauchbarem Sand.
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    • Rupert The Bear 23.07.2019 19:11
      Highlight Highlight Du weist schon, dass es an Stränden auch Dünen gibt?
    • YvesM 23.07.2019 19:27
      Highlight Highlight Ist so.
    • Statler 23.07.2019 21:26
      Highlight Highlight Ich sag ja, dass die Dünen nur am Strand aus brauchbarem Sand bestehen. Weiter in's Landesinnere ist's dann nur noch Wüstensand.
      Der Titel klingt aber so, als würden überall in Marokko Dünen verschwinden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • TingelTangel 23.07.2019 17:26
    Highlight Highlight Umweltaktivist Afouss Lebt Gefährlich.
  • E7#9 23.07.2019 17:21
    Highlight Highlight In Südspanien (zwischen Málaga und Marbella) änderten die Strände zu richtig schön und sauber (ohne Algen), weil jährlich die Küste mit Wüstensand aus Marokko filtriert wird. Einmal abgesetzt lässt dieser Sand gleichzeitig den Einstieg ins tiefere Wasser abflachen. Man hat mir dort gesagt, dass man hierfür keinen Sand brauchen kann, der schon im Wasser war, weil durch die unterschiedliche Art der Erosion die filtrierende Wirkung nicht dieselbe sei. Das Resultat beeindruckt, Sand aus der Wüste herbei zu schiffen fand ich aber damals schon schräg. Ob da wohl auch die Sandmafia mitspielt?
    • Waseli 23.07.2019 17:50
      Highlight Highlight Die Sandmafia interessiert sich nur für den stark limitierten eckigen Sand der zum Bauen geeignet ist.
      Der abgerundete Sand aus der Wüste, den es in rauhen Mengen gibt, ist daher nicht als Baustoff geeignet.
      - Die Inseln in Dubai z.b. bestehen etwa nicht aus Wüstensand, sondern wurden von weiter weg hertransportiert
  • Garp 23.07.2019 17:15
    Highlight Highlight Das ist alles seit Jahren bekannt und nichts wird unternommen, weltweit!

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