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Russland kündigt tägliche dreistündige Feuerpause rund um Aleppo an



Das russische Militär hat eine tägliche dreistündige Feuerpause rund um die umkämpfte nordsyrische Grossstadt Aleppo ab Donnerstag angekündigt. Dadurch soll laut dem Verteidigungsministerium in Moskau der Zugang von humanitärer Hilfe ermöglicht werden.

General Sergei Rudskoi vom russischen Generalstab sagte während einer Pressekonferenz, die Feuerpause solle täglich von 10 bis 13 Uhr Ortszeit (9 bis 12 Uhr Schweizer Zeit) gelten. Während des «humanitären Zeitfensters» werde es weder Angriffe aus der Luft noch mit Artillerie geben. Russland unterstützt in dem Konflikt die syrische Führung um Staatschef Baschar al-Assad.

Rudskoi fügte hinzu, seit Samstag seien im Südwesten Aleppos mehr als tausend Rebellen getötet und zweitausend verletzt worden. Diejenigen Kämpfer gegen Assad, welche die Waffen niederlegen wollten, seien aufgerufen, dazu einen der von Damaskus und seinem russischen Verbündeten eingerichteten «sieben humanitären Korridore» zu benutzen.

Der UNO-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien sagte, es würden «zwei Fahrbahnen und etwa 48 Stunden» benötigt, um ausreichend Lastwagen mit Hilfsgütern in die Stadt bringen zu können. Bereits am Dienstag hatte sich O'Brien bei einem Treffen mit dem UNO-Sicherheitsrat für wöchentliche Feuerpausen von 48 Stunden Dauer ausgesprochen.

Die Vertreterin für die Nothilfe der SOS-Kinderdörfer in Syrien, Katharina Ebel, forderte für Aleppo eine Feuerpause und humanitäre Korridore unter Aufsicht der Vereinten Nationen. Ebel sagte am Mittwoch, nur wenn eine neutrale Partei wie die UNO dort tätig werde, hätten die Zivilisten eine Chance auf Sicherheit und damit auf ein halbwegs stabiles Leben. Darüber hinaus forderte sie, dass Waffenlieferungen an jede Partei eingestellt werden müssten.

Entscheidende Schlacht naht

Die syrischen Regierungstruppen halten Aleppo belagert. Ein Teil der Stadt wird von bewaffneten Aufständischen und mit ihnen verbündeten Dschihadisten kontrolliert. In Erwartung der entscheidenden Schlacht um Aleppo haben beide Seiten weitere Kämpfer und Waffen in der einstigen Wirtschaftsmetropole zusammengezogen.

Die Rebellen kontrollieren in Aleppo seit dem Sommer 2012 mehrere Viertel im Osten, in denen nach verschiedenen Schätzungen noch 250'000 bis 275'000 Menschen leben. Die Regierungstruppen hatten Mitte Juli den Belagerungsring um die Viertel der Rebellen geschlossen, doch gelang es diesen kürzlich, das Viertel Ramussa zurückzuerobern und damit die Belagerung zu durchbrechen.

Die jüngsten Kämpfe führten zum Ausfall der Strom- und Wasserversorgung. Auch die Nahrungsmittelversorgung blieb äusserst schwierig. Nach Einschätzung von Hilfsorganisationen droht eine humanitäre Katastrophe.

Am Mittwoch erreichte erstmals wieder ein Transport mit Nahrungsmitteln die belagerten Stadtviertel. Der kleine Lieferung habe vor allem aus frischem Gemüse bestanden, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Mengen seien aber nicht ausreichend. Der Transport sei schwierig, weil die Wege in die Rebellenviertel immer wieder unter Beschuss gerieten.

Bedingungen für Gespräche

Nach Angaben von Aktivisten wurde am Mittwoch ein medizinisches Ausbildungszentrum bei Aleppo durch einen Luftangriff getroffen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens fünf Toten bei einem Angriff «in der Nähe eines medizinischen Instituts».

Die USA und Frankreich hatten am Dienstag die Fortsetzung der Gespräche für eine Beilegung des Syrien-Konflikts an den freien Zugang für Hilfsorganisationen nach Aleppo geknüpft. Es sei wichtig, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, sagte die UNO-Botschafterin der USA, Samantha Power, nach einer Sitzung des UNO-Sicherheitsrats in New York.

Ihr russischer Kollege Witali Tschurkin erklärte hingegen, es dürfe keine Vorbedingungen für die Syrien-Gespräche geben. Diese sollen nach UNO-Angaben Ende des Monats in Genf fortgesetzt werden. (sda/dpa/afp)

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