Umwelt
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Olga und Sylvain Dubey, die Co-Gründer von AgroSustain (Mitte), mit ihrem Team. Bild: zvg

5 Schweizer Start-ups, die die Welt verändern

Es gibt sie, die umweltfreundlichen und revolutionären neuen Technologien, Made in Switzerland, die unserem Planeten und seinen Bewohnern nachhaltig helfen können. Hier sind fünf eindrückliche Beispiele.



Die Klimastreik-Bewegung sendet mit ihren Demonstrationen ein klares Signal an Politik, Wirtschaft und Bevölkerung: So kann es nicht weitergehen, wir müssen nachhaltiger leben und arbeiten und die Umwelt besser schützen.

Angesichts der drohenden Klimakatastrophe und der übermächtig erscheinenden Herausforderung ist es wichtig, nicht zu resignieren und sich nicht lähmen zu lassen.

Umso erfreulicher sind Good News, die uns von privaten und öffentlichen Forschungsinstituten und Unternehmen erreichen. Die grüne Tech-Revolution ist am Anrollen. Zahlreiche Start-ups arbeiten an bahnbrechenden Produkten, die das Potenzial haben, die Welt grundlegend zu verändern.

Im Folgenden präsentieren wir fünf junge Firmen, die beispielhaft sind für eine neue Generation von Forschern und Unternehmern. Sie machen uns Mut, und zeigen, dass es sich lohnt, vorwärts zu blicken und Neues anzupacken.

Der perfekte Song zur Story: «Hurra die Welt geht unter», von K.I.Z.

abspielen

Video: YouTube/K.I.Z. Official

Geniale Biowaffe im Kampf gegen Food Waste

Schimmelpilze sind allgegenwärtig – als kleines Ärgernis, wenn das Brot im Kasten nicht mehr geniessbar ist, und als globales Food-Waste-Problem katastrophalen Ausmasses.

Täglich werden Unmengen frisch geerntete Früchte und Obst wegen Pilzbefalls weggeworfen. Obwohl in der industriellen Landwirtschaft tonnenweise künstliche Pestizide versprüht werden, ist der Schaden immens.

Jährlich gehen rund 60 Milliarden Franken verloren, weil Schimmelpilze das Obst und Gemüse nach dem Ernten infizieren. Und einschliesslich der Vorernte werden die Verluste auf 100 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt.

Das Waadtländer Start-up AgroSustain, gegründet von der Molekularbiologin Olga Dubey (28) und ihrem Mann und Forscherkollegen Sylvain Dubey, hat dem Pilzbefall den Kampf angesagt. Schlagen wollen sie die fiesen Winzlinge mit einer selbst entwickelten biologischen Waffe.

«Wir schützen frisches Obst und Gemüse umweltfreundlich vor Schimmelpilzen – ohne chemische Rückstände auf Obst und Gemüse zu hinterlassen – und reduzieren so die Verschwendung von Lebensmitteln.»

Dr. Olga Dubey

Olga Dubey, AgroSustain, Co-Gründerin

Olga Dubey. bild: zvg

Die Schweizerin mit russischen Wurzeln hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Lausanner Universität ein Molekül entdeckt, das gegen Schimmelpilze hilft.

Sie sagt: «Unser Unternehmen entwickelt natürliche Lösungen gegen Schimmelpilze, die frisches Obst und Gemüse während der Lagerung und des Transports befallen.» Ziel ist es, die Haltbarkeit entscheidend zu verlängern.

Hoffentlich springt die Industrie darauf an: Es handelt sich um eine wirksame, wirtschaftliche und biologische Alternative zu den bisher ausschliesslich chemischen «Lösungen».

Die ambitionierte Forscherin und Jungunternehmerin zeigt sich zuversichtlich:

«Es gibt eine globale Bewegung hin zu einer gesünderen und ökologischeren Lebensweise. Ich bin davon überzeugt, dass sich mit genügend Erfahrung, Wissen und der geeigneten Technologie alle Antworten auf unsere Probleme in der Natur finden lassen.»

quelle: swissinfo.org

Mehr über AgroSustain, Olga Dubey und ihre Biowaffe gegen Schimmelpilze erfährst du in diesem Artikel.

Kommt die welterste Haut-Maschine aus Zürich?

Dass wir 2019 zwar den Wind auf dem Mars hören können, aber nicht in der Lage seien, menschliche Haut zu regenerieren, das mache sie verrückt, sagt Daniela Marino.

Seit 14 Jahren lebt und arbeitet die gebürtige Sizilianerin in Zürich. Mit ihrem Start-up Cutiss entwickelt sie eine neuartige Heilungsmethode, die Millionen Patienten das Leben retten und sie vor Höllenqualen bewahren kann.

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So sehen die Haut-Transplantate aus. bild: zvg

Hoffen können junge und alte Menschen, deren Haut durch starke Verbrennungen, Krankheit, Operationen oder aus anderen Gründen geschädigt oder zerstört wurde.

«Denovoskin» baut auf einer am Kinderspital entwickelten revolutionäre biomedizinischen Technologie auf, die ermöglicht, menschliche Haut im Labor herzustellen.

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grafik: cutiss.swiss

Ein Stückchen gesunde Haut – nicht grösser als eine Briefmarke – reicht aus, um es auf die 70-fache Grösse zu züchten. Das gewonnene Material kann dann für effiziente Eigenhaut-Transplantationen verwendet werden.

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Daniela Marino. bild: zvg

Erste klinische Tests verliefen erfolgreich, nun soll die Heilungsmethode mithilfe namhafter Investoren möglichst rasch in eine praxistaugliche Therapie umgesetzt werden. Die für Spitäler gedachte Anwendung muss nicht nur sicher sein, sondern auch kostengünstig.

Die 37-jährige Cutiss-Geschäftsführerin:

«Wir möchten unsere Hauttransplantate als die weltweit erste, automatisch hergestellte Hautgewebe-Therapie positionieren. Eine Therapie, die in grossem Massstab verkauft wird, um so vielen Patienten wie möglich zu helfen.»

quelle: moneycab.com

Bleibt die Frage, wann die Realität die Science-Fiction-Filme überflügelt. Laut Daniela Marino könnte die Haut-Maschine aus Zürich schon in drei Jahren marktreif sein.

Aus Schiff-Abgasen Nährstoffe gewinnen

Scrubber.

Klingt nach Reinigen, Schrubben, ja. Und in diesem Fall geht es um ein besonders dreckiges Problem.

1000 Millionen Tonnen Kohlendioxid: So viel blasen Öltanker, Kreuzfahrtschiffe und grosse Frachter jedes Jahr in die Atmosphäre. Die Hochseeschifffahrt ist für rund 2,5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Ausgerechnet aus dem Binnenland Schweiz, der Alpenrepublik ohne Meeranstoss, kommt eine Erfindung, die die Situation grundlegend verbessern kann.

Das Start-up Daphne Technology, das im Waadtland zuhause ist, hat ein neuartiges Katalysatorsystem entwickelt. Damit lassen sich die von Schiffsmotoren erzeugten öligen Schadstoffe in landwirtschaftliche Düngemittel umwandeln. Und die Reeder erhalten gleichzeitig eine nachhaltige Lösung, um beim Treibstoffverbrauch die Kosten zu halbieren.

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Container-Schiffe müssen keine Umweltsünder sein. bild: shutterstock

Der sogenannte «NanoScrubber» basiert – richtig geraten! 😉 – auf Nanotechnologie und kann Schwefeloxid-Emissionen um 99,3 Prozent und Stickstoffoxid-Emissionen um 85 Prozent verringern. Das auf den Schiffen gefilterte Schwefeldioxid wird nicht – wie sonst üblich – ins Meer geleitet, sondern an Bord zwischengelagert und kann später auf Feldern als wertvoller Nährstoff wieder ausgebracht werden.

Die Co-Gründer Juan Mario Michan und Björn Asplind informieren: «Wir industrialisieren unsere Technologie derzeit in Zusammenarbeit mit einer führenden europäischen Reederei und gehen davon aus, dass wir unsere Scrubber ab 2020 auf den Markt bringen werden.»

Der Zeitpunkt wäre perfekt: Am 1. Januar 2020 tritt ein internationales Gesetz in Kraft, das in der kommerziellen Schifffahrt strengere Grenzwerte einführt für giftige Schwefeloxide und Stickoxide.

Langfristiges Ziel der zuständigen Sonder-Organisation der UNO ist es, die gesamten Treibhausgasemissionen aus der Schifffahrt bis 2050 mindestens zu halbieren.

Daphne Technology ist als Start-up aus einem Forschungsprojekt an der École Polytechnique Fédérale in Lausanne (EPFL) hervorgegangen und hat seinen Hauptsitz seit 2017 im Innovations-Park auf demselben Campus.

Abgas-Wäsche für Schiffe

Ab dem 1. Januar 2020 darf der Schwefelanteil im Treibstoff von Schiffen nur noch maximal 0,5 Prozent betragen. Bisher liegt der Grenzwert für die meisten Regionen der Welt bei 3,5 Prozent. Reeder haben im Wesentlichen drei Optionen, um die neuen Regeln einzuhalten: 1. die Nutzung von teurerem Marinediesel, 2. eine aufwendige Umrüstung auf Flüssig-Erdgas (LNG) oder 3. eine Kombination des günstigen, aber sehr schmutzigen Schweröls mit einem Scrubber, der für die «Nachbehandlung» der Abgase sorgt.
(Quelle: green-shipping-news.de)

Mit «unkaputtbaren» Kabeln gegen wachsende Elektroschrott-Berge

Hand aufs Herz! Wie viel Elektronik hast du schon in den Müll geworfen – oder (hoffentlich) fachgerecht entsorgt?

Nanoleq hat angeblich die Lösung für ein Problem gefunden, das praktisch alle moderne Menschen betrifft.

Das Zürcher Start-up wurde 2017 von vier Ingenieuren gegründet – drei Schweizern und einem Franzosen. Sie versprechen, dass nie mehr ein Kopfhörer kaputt gehe, dank «dehnbarer Elektronik für die nächste Generation von Kabeln».

«Es handelt sich um elastisches Material mit der besten Leitfähigkeit der Welt, weshalb wir es in Kabeln einsetzen können.»

Vincent Martinez, Co-Gründer quelle: forbes.fr

Herkömmliche Kabel brechen zu oft durch wiederholte mechanische Bewegungen, davon können nicht nur iPhone-Nutzer mit ihren Ladekabeln ein Liedchen singen.

Das kann mit den ultrarobusten Nanoleq-Kabeln nicht mehr passieren. Wobei ihr an der ETH Zürich entwickeltes Material natürlich nicht nur für Unterhaltungselektronik taugt, sondern beispielsweise auch für Herzschrittmacher.

Die Ingenieure haben nämlich ein Verbundmaterial entwickelt, das Datenkabel perfekt vor störenden Ausseneinflüssen abschirmt und trotzdem beweglich bleibt. Das ist besonders interessant für höchst sensible Anwendungsbereiche, etwa in der Luftfahrt- und Raumfahrtindustrie, dem medizinischen Sektor und dem Telekommunikationssektor.

Vorläufig vermarktet Nanoleq keine eigenen Produkte, sondern startet Projekte mit Partnerunternehmen. Nach nur 18 Monaten Entwicklungszeit konnten die ersten Kunden gewonnen werden, wie das «Forbes»-Magazin berichtete.

In Zukunft sehe das Start-up viele weitere Anwendungen für das einzigartige Material, von intelligenter Kleidung bis hin zu elektrischen Implantaten. Sicher sei: Die neue Technologie habe noch lange nicht all ihre Geheimnisse enthüllt.

Jute statt Plastik, und Naturflachs statt Kohlefaser!

Flachs ist eine uralte Kulturpflanze – und seine Fasern sind das perfekte Material für Hightech-Produkte, wie die Westschweizer Firma Bcomp seit 2011 beweist.

Längst haben multinationale Unternehmen das Potenzial der von den Gründern patentierten Naturfaser-Technologie erkannt. Der schwedische Autohersteller Volvo kündigte letztes Jahr an, seine Fahrzeuge in Zukunft viel umweltfreundlicher zu bauen. Ab 2025 soll ein Viertel des in Neuwagen verbauten Kunststoffs aus rezykliertem Ozean-Plastik bestehen. Möglich machen dies Naturfaserverstärkungen von Bcomp.

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Eine Bcomp-Sprecherin sagt: «Es gibt eine kontinuierliche Revolution hin zu einer saubereren Mobilität, und wir wollen definitiv ein Teil davon sein!» bild: bcomp

Aus ökologischer Sicht bietet die Verwendung von Naturfasern anstelle von Karbon-, Glasfasern oder Aluminium verschiedene Vorteile: Es wird weniger Material benötigt und es entsteht weniger Abfall. Zudem lassen sich die Abfallprodukte als normaler Hausmüll entsorgen – und die beim Verbrennen entstehende Wärme zum Heizen nutzen.

Naturflachsfasern sollen in Zukunft nicht nur in der Autoindustrie genutzt werden. Neben der Weltraumforschung ist auch die zivile Luftfahrtindustrie an der Schweizer Innovation interessiert: Je leichter ein Flugzeug, desto tiefer der Treibstoffverbrauch und die Umweltbelastung.

So berichtete watson über den ersten Tesla aus Flachs ...

Die US-Serie «Silicon Valley»

Schweizer Start-Up revolutioniert Windkraft

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lucida Sans 12.06.2019 22:13
    Highlight Highlight Einfach genial! Hoffentlich klappt es auch mit einer erfolgreichen Vermarktung.
  • Sagittarius 12.06.2019 20:29
    Highlight Highlight Wow...Sehr gut!! Hoffe sie bleiben alle dran und die Patente werden nicht verkauft und „stillgelegt“...
  • Freebee 12.06.2019 19:00
    Highlight Highlight Super Beispiele für Schweizer Start-ups, die wirklich etwas bewegen! Hoffentlich werden sie nicht gleich in die USA verkauft, was mit den meisten guten CH Start-ups passiert.
    • TheBase 13.06.2019 12:06
      Highlight Highlight Tja, warum wohl, mhmmm? Das haben WIR und nur WIR ALLEINE zu verantworten! Solange in diesem Land die Mittelmässigkeit als Tugend betrachtet wird, niemand Risiken eingehen und investieren will und helle Köpfe generell als „nutzlose, faule, unfähige Theoretiker“ diffamiert werden, die „eh nicht wissen, was Arbeiten bedeutet“, und „eine Lehre eh besser als jede akademische Bildung ist“, wird sich daran auch nichts ändern...
  • Bruuslii 12.06.2019 18:49
    Highlight Highlight zu 1
    nur weil etwas organisch oder biologisch gewonnen wird, heisst das noch lange nicht, dass es gesünder oder weniger umweltschädlich ist.
    solange keine studien dazu vorliegen, melde ich hier zweifel an.
    für mich sieht es eher nach einer schlupflochsuche aus 🤔
  • Nicklassix 12.06.2019 16:34
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
  • crik 12.06.2019 15:05
    Highlight Highlight Zu Punkt 4: Ich habe noch kaum etwas weggeworfen, weil ein Kabel kaputt war, obwohl ich nicht speziell aufpasse. Hauptursache für Müll ist meiner Erfahrung nach, dass jedes Produkt mit neuem Netzteil/Kabel/Kopfhörer etc. kommt, wovon ich einen Grossteil nie brauche.

    Die neuen Kabel sind sicher sehr nützlich, werden aber kaum den Elektroschrott vermindern.
  • Froggr 12.06.2019 14:30
    Highlight Highlight Das zeigt, dass das Unternehmertum in der Schweiz unbedingt gefördert werden muss. Darauf baut unser Wohlstand auf!
    • Wolkenlos 12.06.2019 19:51
      Highlight Highlight Auch, aber mehr noch die Bildung und Forschung, wie der Artikel mmn. schön aufzeigt.
  • Coffeetime 12.06.2019 13:39
    Highlight Highlight Schön, mal wieder good News. Und das von jungen Forschern.... stimmt mich zuversichtlich!

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