Interview
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epa02091575 A photograph made available on 25 March 2010 showing two salesgirls show the one kilo Metalor gold bullions made by Swiss company Metalor on the first day of trading in Beijing 24 March 2010.  It is the first foreign brand gold bullion traded in Beijing.  EPA/LAO CAI

Chinesinnen mit Goldbarren, die bei Metalor in Neuchâtel produziert wurden. Bild: EPA

Interview

«Die Schweiz ist eine Gold-Weltmacht – ein enormes Risiko»

Die Schweiz ist beim Handel und der Verarbeitung von Gold eine Weltmacht. Sie geht dabei ein enormes Risiko ein. Der Basler Korruptionsexperte Mark Pieth hat ein Buch über «die schmutzigen Geheimnisse des Goldhandels» geschrieben.



Ich besitze eine vergoldete Armbanduhr. Klebt Blut daran?
Mark Pieth:
Das lässt sich nicht so einfach sagen. Die Auffassungen gehen auseinander. Die offizielle Schweiz und die hier ansässigen Raffinerien sagen, man könne nicht ausschliessen, dass es dreckiges Gold gibt, aber der Anteil sei gering. So steht es im Bericht des Bundesrats zum Goldhandel. Der Inhaber der Raffinerie Argor-Heraeus hingegen hat einmal in einem Interview gesagt: «Es gibt keine Möglichkeit in dieser Branche, sauberes Gold zu raffinieren.» Er ist ein Insider, er muss es eigentlich wissen.

Hat Sie das motiviert, ein Buch zum Thema Gold zu schreiben?
Meine «Klassiker» sind Korruptionsabwehr und Geldwäscherei, ich bin seit mehr als 25 Jahren in diesem Bereich tätig. Das Thema Rohstoffe hat mich auch interessiert, aber damit waren andere Leute beschäftigt. Sie haben gute Arbeit geleistet. Dann aber wurde mir bewusst, dass die Schweiz im Goldbereich stark exponiert ist, verbunden mit einem enormen Risiko.

Mark Pieth, Universität Basel, Experte für Korruption und Geldwäscherei

Der 66-jährige Mark Pieth ist Professor für Strafrecht an der Universität Basel. bild: ho

Was heisst das konkret?
Die Schweiz führt rund 70 Prozent des neu geschürften Goldes ein und den grössten Teil wieder aus. Nicht alles wird umgeschmolzen, aber wenn die Schweiz nur schon 50 Prozent des Goldes verarbeitet, sind wir eine Weltmacht. Das mag finanzielle Vorteile bringen, ist aber auch mit Risiken verbunden, denn Gold hat oft einen schwierigen Ursprung. Das bestreitet niemand.

«Wer sich einen Ehering machen lässt, will sicher nicht, dass das verwendete Gold von Kindern geschürft wurde. Gerade in diesem Bereich aber ist das Problem dramatisch.»

Mark Pieth

Die teilweise prekären Verhältnisse bei der Goldförderung sind bekannt.
Der Bundesrat hat dies in seinem Bericht bestätigt. Die Herkunft des Goldes sei heikel, deshalb müsse es Regeln geben. Bis zu diesem Punkt bin ich mit ihm absolut einverstanden. Ich habe auch nichts gegen die Selbstregulierung der Industrie. Es ist gut, dass sie Verantwortung übernehmen will. Nur schafft sie das nicht. Ich weiss das durch meine eigenen Recherchen und Berichte von Nichtregierungsorganisationen. Auch die OECD, die ich durch meine langjährige Tätigkeit sehr gut kenne, bestätigt, dass die Selbstregulierung beim Gold nicht funktioniert.

Was sind die Gründe dafür?
Man geht nicht bis zu den Minen zurück, sondern nur bis zum letzten Zwischenhändler. Wenn dort alles in Ordnung ist, begnügt man sich damit, auch wenn sich dahinter jede Menge Dreck befindet. Also geht man zu einem Importeur mit gutem Ruf und kümmert sich nicht darum, dass das gelieferte Gold aus Kinder- oder Sklavenarbeit stammen könnte, verbunden mit Umweltzerstörung und organisiertem Verbrechen.

Keine schöne Ausgangslage, wenn man eine Uhr oder ein Schmuckstück aus Gold anschaffen will.
Wer sich einen Ehering machen lässt, will sicher nicht, dass das verwendete Gold von Kindern geschürft wurde. Gerade in diesem Bereich aber ist das Problem dramatisch, es handelt sich um eine der schlimmsten Formen von Kinderarbeit. Zehnjährige Kinder werden in enge Schächte gesteckt. Sie müssen mit Quecksilber hantieren oder schwere Lasten schleppen. Häufig arbeiten sie auch als Sklaven, zum Beispiel in Burkina Faso. Sie werden von ihren Familien verkauft.

HANDOUT ZUR MEDIENMITTEILUNG DER ERKLAERUNG VON BERN EVB - Groesste Schweizer Raffinerie profitiert von Schmuggelgold aus Kinderarbeit. Woher kommen die Schweizer Goldimporte aus dem westafrikanischen Togo, das ueber gar keine solchen Vorkommen verfuegt? Der neue Report der Erklaerung von Bern (EvB)

In Burkina Faso ist Kinder- und Sklavenarbeit in den Goldminen verbreitet. Bild: NOOR

Kann man nichts dagegen unternehmen?
Das Gold aus Burkina Faso wird häufig in Nachbarländer geschmuggelt. Zum Beispiel nach Togo. Dort gibt es kein Gold. Die Schweizer Handelsstatistik aber hat sehr viel Gold aus Togo ausgewiesen. Da fragt man sich, wo es herkommt.

«Nach ersten Medienberichten hat die in Neuchâtel ansässige Raffinerie Metalor die Flucht nach vorne ergriffen und angekündigt, kein Gold aus artisanalen Minen mehr anzunehmen. Das aber ist eine heikle Sache.»

Mark Pieth

Sie erwähnen im Buch das Beispiel Uganda. Dort gibt es ebenfalls kaum Gold. Man geht davon aus, dass das von dort exportierte Gold eigentlich aus dem Kongo kommt.
Woher sonst? Es gibt UNO-Berichte, die dies nachweisen. Man kennt Namen und Herkunft, die ganze Lieferkette wurde aufgezeigt. Die Bundesanwaltschaft hat in einem Verfahren gegen eine Raffinerie einen entsprechenden Bericht erstellt. Das Gold wurde erst nach Kampala geflogen, dann nach Jersey und von dort in die Schweiz. Der Bundesanwalt hat von Kriegsverbrechen gesprochen, trotzdem wurde das Verfahren gegen die Raffinerie eingestellt, weil man nicht nachweisen konnte, dass sie über die wahre Herkunft Bescheid wusste. Dabei ist allgemein bekannt, dass es in Uganda kein Gold gibt und es aus dem Nachbarstaat stammen musste.

Könnte Ihr Buch etwas bewirken?
Das geschieht möglicherweise bereits. Nach ersten Medienberichten hat die in Neuchâtel ansässige Raffinerie Metalor die Flucht nach vorne ergriffen und angekündigt, kein Gold aus artisanalen Minen mehr anzunehmen. Das aber ist eine heikle Sache. 80 Prozent des Goldes kommt aus Industrieminen und 20 Prozent aus kleinen, so genannt artisanalen Minen. Dahinter stehen häufig verarmte Gemeinschaften, die das Gold unter prekären Bedingungen aus dem Boden holen. Rund 100 Millionen Menschen weltweit sichern sich damit ihren Lebensunterhalt. Für sie ist es ein Problem, wenn das Gold nur noch von Industrielieferanten bezogen wird. Diese sind oft nicht besser. Ich schildere in meinem Buch ein Beispiel aus Ghana. Professionell heisst nicht sauber.

Was bedeutet das konkret?
Die grossen Minen verwenden kein Quecksilber, um das Gold aus dem Gestein zu extrahieren, sondern Cyanid. Dieser Stoff ist hochgiftig. Von einem Teelöffel mit zweiprozentigem Cyanid stirbt man sofort. In den Minen gibt es eigentliche Cyanidseen, die nicht immer dicht sind. In Rumänien hat ein solcher See nach einem Dammbruch die gesamte Donau bis zur Mündung ins Schwarze Meer verseucht.

Goldwäsche Buch von Mark Pieth

Das Buch «Goldwäsche» ist seit dieser Woche im Handel erhältlich und erscheint demnächst auch in englischer Sprache. Am Mittwoch findet in der Buchhandlung Labyrinth in Basel eine Vernissage statt. Eine weitere folgt am 3. Juli im Kaufleuten in Zürich.

Aus Ihrer Sicht ist der «Kurswechsel» von Metalor fragwürdig?
Er hat sozial negative Konsequenzen und geht ökonomisch nicht auf. Die Raffinerien kämpfen alle um Gold. Jährlich werden rund 3200 Tonnen gefördert. Nimmt man das Recycling-Gold hinzu, kommt man vielleicht auf 4500 Tonnen. Die weltweite Kapazität der Raffinerien aber beträgt rund 20'000 Tonnen. Ein anderer Raffineur in der Schweiz hat mir gesagt, er könne auf die 400 Tonnen aus artisanalen Minen nicht verzichten. Zwei der fünf Schweizer Raffinerien verzichten nun auf derartiges Gold. Aber diese Strategie geht nicht auf und entspricht nicht den Vorschlägen der OECD. Sie fordert die Raffinerien auf, sich Mühe zu geben. Ausserdem gibt es die so genannte Better Gold Initiative, die vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) unterstützt wird und der sich alle Raffinerien angeschlossen haben. Sie ist darauf ausgerichtet, den kleinen Minen zu helfen, auf einen grünen Zweig zu kommen.

«In den USA und Europa könnten wir uns zumindest Mühe geben und gewisse Lieferketten etablieren, damit man weiss, woher das Gold kommt.»

Mark Pieth

Was ist von Zertifikaten wie Fairmined und Fairtrade zu halten?
Sie machen an sich Sinn. In Minen, die sich an die Vorgaben der Better Gold Initiative halten, wird das Gold in der Regel ohne Einsatz von Quecksilber gewonnen. Aber dafür gibt es keine Garantie. Ich wollte in Peru eine «Better Gold»-Mine besuchen. Der Empfang war nicht besonders freundlich. Als wir uns mit den Leuten unterhielten, gaben sie zu, Quecksilber zu verwenden. Fairmined und Fairtrade anerkennen, dass Quecksilber im Moment ein notwendiges Übel ist. Aber man muss Schutzmassnahmen für Mensch und Umwelt ergreifen. Als ich das in besagter Mine kontrollieren wollte, wurde uns das verweigert. Das deutet nicht darauf hin, dass besonders seriös gearbeitet wird.

Was kann man dagegen tun?
Man sollte eben nicht auf Gold aus artisanalen Minen verzichten. Sonst gehen die nach Dubai mit ihrem Gold, und das wäre auch nicht sinnvoll. Es wäre besser, die Einhaltung der Zertifikate zu kontrollieren. Ein grosser Teil des Goldes wird in China, Indien und im Mittleren Osten verbraucht. Aber in den USA und Europa könnten wir uns zumindest Mühe geben und gewisse Lieferketten etablieren, damit man weiss, woher das Gold kommt. Hier wären Fairmined und Faitrade gefordert.

Ist die Branche überhaupt an Transparenz interessiert?
Darüber reden tun alle. Aber wenn man die Raffinerie Valcambi im Tessin besucht, stellt man fest, dass nur eine von zehn Fabrikationsstrassen so genanntes «Green Gold» verarbeitet. Und man erfährt nicht, woher das Gold stammt. Es gibt Versprechungen und ein gewisses Bewusstsein, aber oft heisst es, als einzelnes Unternehmen könne man wenig bewirken. Aber in der London Bullion Market Association sind 70 Raffinerien vereinigt, die besten der Welt. Zusammen könnten sie es schaffen und die Minen kontrollieren. Was ich allein gemacht habe, könnten die erst recht.

Sie haben in Peru die Minenstadt La Rinconada in der Nähe des Titicacasees besucht, die sie als «dreckigsten Ort der Welt» bezeichnen.
Er liegt auf über 5000 Meter. Auf dem Weg dorthin fährt man während fünf Kilometern an Abfällen mit Geiern vorbei. Im Ort selber gibt es keine Kanalisation, das Abwasser fliesst auf der Strasse. Und das ist nicht einmal das Schlimmste. An den Häusern sieht man kleine Kamine. Sie haben nichts mit Heizungen zu tun. Man dampft das Amalgamat aus Gold und Quecksilber ab. Das bedeutet, dass Quecksilber auf diesem Weg in die Luft geleitet wird. Es setzt sich auf dem nahe gelegenen Gletscher ab, aus dem das Trinkwasser bezogen wird. Man trinkt in La Rinconada ständig verseuchtes Wasser. Die Lebenserwartung ist gering, sie beträgt etwa 50 Jahre.

In this Wednesday, Jan. 17, 2018 photo, an area lays deforested by illegal gold mining in the Madre de Dios province of Peru, one day before Pope Francis arrives to Peru's Amazon. In a letter to bishops, the pontiff likened the rainforest to one of the

In Madre de Dios sind die Folgen des Goldabbaus verheerend, nicht nur für die Umwelt. Bild: AP/AP

Ein anderer berüchtigter Ort ist Madre de Dios im Amazonasgebiet.
Dort ist es noch schlimmer. In La Rinconada herrscht Informalität. Es geht zu wie in einem Casino. Findet man Gold, hat man Glück gehabt, sonst eben nicht. Alle Menschen sind bewaffnet, es gibt keine Polizei. Es ist gefährlich, aber es gibt kein organisiertes Verbrechen. Das ist in Madre de Dios anders. Dort gibt es organisiertes Verbrechen, systematisches Abholzen des Nationalparks und Frauen, die entführt und in die Zwangsprostitution gezwungen werden. Selbst der peruanische Ministerpräsident, mit dem ich reden konnte, bezeichnet die dortigen Zustände als illegal.

«Man müsste sich aus Sicht von Economiesuisse fragen, ob dieser relativ kleine und gleichzeitig sehr angreifbare Wirtschaftssektor nicht schädlich ist für die Schweiz.»

Mark Pieth

Trotzdem scheint der Wille gering zu sein, etwas zu unternehmen. Sie schreiben selber, dass auch das dreckigste Gold einen Abnehmer findet.
In China oder Indien ist Better Gold kein grosses Thema. Die Schweiz vergleicht sich mit solchen Ländern, aber nicht mit der EU. Diese will die OECD-Regeln bis 2021 gesetzlich verpflichtend machen. Das Seco stellt sich auf den Standpunkt, die EU werde das nicht schaffen, doch damit ist das Anliegen ja nicht falsch. Die Richtlinie der OECD wird allgemein akzeptiert. Und die Schweiz ist eine Grossmacht, sie importiert gegen 70 Prozent des geschürften Goldes. Wir müssen uns anders verhalten. Wenn die EU etwas machen kann, können wir das auch.

Die Schweiz scheint auf Zeit zu spielen. Was ist der Grund dafür?
Mich erinnert das ein wenig an frühere Geschichten wie Geldwäscherei und Steuerhinterziehung. Das Thema ist sehr riskant, auch für den Fall, dass die Konzernverantwortungsinitiative zur Abstimmung kommen sollte. Am meisten darunter leiden wird Economiesuisse. Für sie ist das Thema äusserst unangenehm. Man verdient nicht so viel mit dem Gold. Die Gewinnmarge der Raffinerien ist klein, und es handelt sich um KMU. Gleichzeitig beschädigt es den Ruf der Schweizer Wirtschaft massiv.

Umso mehr fragt man sich, warum die Schweiz sich daran klammert.
Es gab einen Grund, warum die Schweiz gross ins Goldgeschäft eingestiegen ist, und der ist nicht besonders schön. Es begann mit dem Nazi-Gold und setzte sich fort mit dem Apartheid-Gold. Damals baute man die Raffinerien in der Schweiz. Man hat das Gold aus Südafrika systematisch umgeschmolzen und faktisch gewaschen. Darum heisst das Buch auch «Goldwäsche». Man konnte damit die UNO-Sanktionen gegen Südafrika umgehen. Heute sind die Raffinerien fast alle in ausländischer Hand. Man müsste sich aus Sicht von Economiesuisse fragen, ob dieser relativ kleine und gleichzeitig sehr angreifbare Wirtschaftssektor nicht schädlich ist für die Schweiz.

Sie haben die Konzernverantwortungsinitiative angesprochen. Könnte sie etwas ausrichten?
Man könnte auf gesetzlichem Weg relativ einfach etwas machen. Es gibt ein Edelmetallgesetz und eine zugehörige Verordnung. Darin heisst es, man dürfe kein illegales Gold annehmen. Das bezieht sich aber nur auf gestohlenes Gold. Man könnte den Artikel ausdehnen auf die Herkunft. Man könnte auch das Geldwäschegesetz ändern. Ihm ist praktisch nur raffiniertes Gold unterstellt, und nicht das Doré genannte Rohprodukt. Man könnte mit den existierenden Gesetzen sehr viel machen. Die Konzernverantwortungsinitiative braucht es nicht für das Gold. Sie ist möglicherweise nicht einmal anwendbar. Ich persönlich könnte auch mit einem Gegenvorschlag leben.

ZUR MELDUNG, DASS DER NEUENBURGER EDELMETALLUNTERNEHMEN METALOR VOM JAPANISCHEN UNTERNEHMEN TANAKA KIKINZOKU KOGYO UEBERNOMMEN WIRD, STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG 12. JULI 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. EIN KAUFPREIS WURDE NICHT GENANNT. - Le siege Metalor de Marin Neuchatel, photographie ce mardi 9 juin 2009. (KEYSTONE/Sandro Campardo)

Metalor will kein Gold aus kleinen Minen mehr annehmen – eine zweifelhafte Massnahme. Bild: KEYSTONE

Die grossen Wirtschaftsverbände wie Economiesuisse wollen davon nichts wissen, aber ausgerechnet der Rohstoffhandel befürwortet einen Gegenvorschlag.
Das Risiko ist relativ gross, dass die Initiative angenommen wird. Wenn man weiss, dass unser Reichtum mit Kinderarbeit verbunden ist und sich dies mit Fotos belegen lässt, sagen viele Leute, dass sie das nicht mitmachen. Nicht nur Linke sind für die Initiative, sondern auch die Landeskirchen. Grosse Teile der CVP sind für einen Gegenvorschlag. Aber für die Regulierung des Goldhandels braucht es die Konzernverantwortungsinitiative nicht.

Der Wille zu einer besseren Regulierung scheint aber nicht vorhanden zu sein.
Der Bundesrat hat versagt mit seinem Bericht zum Goldhandel. Er will einfach abwarten, bis die anderen etwas machen. Und eigentlich soll die Branche die Sache selber regeln.

«Bei grossen Unternehmen kann es mit der Blockchain funktionieren, aber nicht im kleinen Sektor. La Rinconada? No way!»

Mark Pieth

Beim Bericht zum Rohstoffhandel war es nicht anders. Er zeigt die damit verbundenen Probleme klar auf und setzt am Ende doch auf Selbstregulierung.
Der Rohstoffbericht liest sich in der ersten Hälfte wie ein Papier der Erklärung von Bern (lacht). Das Problem ist, dass er von verschiedenen Ämtern geschrieben wurde. Die erste Hälfte stammt von der Direktion für Entwicklungszusammenarbeit, und die zweite Hälfte vom Seco ...

... und dieses will keine Massnahmen, die der Branche schaden könnten.
Das ist ungeschickt. Die Schweiz hat nichts zu verlieren. Wir sind stark und könnten ein positives Bild abgeben.

Sie erwähnen im Buch die Blockchain. Wäre sie ein Ansatz, um die Lieferkette des Goldes fälschungssicher verfolgen zu können?
Es gibt erste Versuche. Das Problem beim Gold aber ist der Weg von der Mine zur Raffinerie. Bei grossen Unternehmen kann es mit der Blockchain funktionieren, aber nicht im kleinen Sektor. La Rinconada? No way!

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39 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Ökonometriker
19.06.2019 11:47registriert January 2017
Besser als den Goldhandel nach China zu verlagern wäre, die Förderländer zum Einhalten der Vorschriften zu bewegen. Als Europa könnten wir einen Teil der Entwicklungshilfegelder davon abhängig machen.
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Markus97
19.06.2019 11:07registriert August 2018
Ich fragem mich: Ist es moralisch verwerflicher mit Rohstoffen zu handeln, als aus den verwerflichen Rohstoffen Industriegüter zu produzieren und zu konsumieren? Ich finde es grundsätzlich gut, wenn der Rohstoffhandel in der Hand entwickelter Länder ist. So besteht zumindest die Chance, dass Umweltinteressen und Menschenrechte eingehalten werden. Natürlich muss man das sichererstellen z. B mit der Konzernverantwortungsinitiative. Ich denke nicht, dass sich irgendetwas bessert wenn sich die Schweiz aus diesem Geschäft zurückzieht. Konsumieren werden wir die Rohstoffe ja trotzdem.
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Fulehung1950
19.06.2019 12:04registriert June 2014
Public Eye hat schon vor Jahren ein Dossier zum Gold aus Burkina Faso publiziert. Da ist die ganze Lieferkette von Burkina Faso über Togo (Schmuggel, um Ausfuhrzölle zu umgehen) nach Genf und weiter in die Raffinerie im Tessin und als Barren zurück nach Genf. Der Genfer Importeur ist wie der Zwischenhändler in Togo Libanese, die Endverbraucher-Firma eine Tochtergesellschaft des libanesischen Importeurs. Mit Ausnahme von Burkina Faso, eines der ärmsten Länder der Welt, werden dabei alle steinreich. Man weiss alles, unternimmt aber nichts.
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Vergiftete Böden und Kinderarbeit – was sich Schweizer Firmen im Ausland alles erlauben

Am 29. November stimmt die Schweiz über die Konzern-Initiative ab. Sie soll Schweizer Unternehmen bei Rechtsverstössen im Ausland stärker haftbar machen. Höchste Zeit also, um sich ein paar Beispiele von bis jetzt ungeahndeten Menschenrechts- und Umweltvergehen anzusehen.

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