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Bild: KEYSTONE

Immer mehr Menschen fühlen sich vom Zürcher Fluglärm gestört 

01.12.2017, 12:4001.12.2017, 13:09

Immer mehr Menschen werden rund um den Flughafen Zürich von Fluglärm gestört. Hauptgrund dafür ist allerdings nicht die Entwicklung des Flughafens, sondern das Bevölkerungswachstum. Deshalb will die Regierung die Berechnungsgrundlagen ändern.

Es ist ein jährliches Ritual der Zürcher Regierung. Seit zehn Jahren publiziert sie in der Vorweihnachtszeit die Zahl der von Fluglärm geplagten Menschen rund um den Flughafen. Gemäss Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) dürften sich höchstens 47'000 Personen stark gestört fühlen. Diesen Wert legte das Volk an einer Abstimmung fest.

Es ist allerdings auch schon ein Ritual, dass dieser Wert immer überschritten wird. In den vergangenen zehn Jahren wurde er lediglich einmal, im Jahr 2009, eingehalten. Auch 2016 zeigt eine Überschreitung. 64'110 Personen fühlten sich von Lärm gestört. Verglichen mit dem Vorjahr ist das eine Zunahme von 3.5 Prozent.

Der ZFI-Richtwert wurde somit um rund 17'100 Personen überschritten. Dabei werden die Menschen, die sich sowohl in der Nacht wie auch am Tag gestört fühlen, doppelt gezählt.

Mehr Flüge spätabends

Als besonders störend werden die Bewegungen zwischen 23.00 und 23.30 empfunden. In dieser halben Stunde, die eigentlich schon in die Nachtflugsperre fällt, können verspätete Maschinen noch landen, ohne dass sie dafür eine Bewilligung benötigen. Im vergangenen Jahr wurden 2300 solche Flüge gezählt, rund 200 mehr als im Vorjahr.

«Mit dieser Entwicklung sind wir nicht zufrieden», sagte Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) am Freitag vor den Medien. Die Regierung erwarte nun, dass Massnahmen getroffen würden, um die Zahl der verspäteten Flüge zu senken.

Deutschland spielt nicht mit

Weniger Verspätungen könnte das geplante «Betriebsreglement 2014» bringen, das eine Entflechtung der An- und Abflugrouten im Osten des Flughafens vorsieht. Es kann bis auf Weiteres aber nicht vollständig realisiert werden, weil Deutschland nicht mitspielt.

Es sei ausserordentlich unglücklich und fast schon grenzwertig, dass Deutschland seit Jahren die Unterschrift verweigere, sagte Walker Späh. «Das trübt unser Verhältnis.»

Gibt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) seine Zustimmung, könnten aber immerhin jene Teile in Kraft gesetzt werden, welche Deutschland nicht betreffen. «Das würde der Zürcher Bevölkerung schon einiges helfen.» Diese Zustimmung steht ebenfalls noch aus.

«Krasser Zielkonflikt»

Der Hauptgrund für die zunehmende Zahl der Lärmgeplagten sind allerdings nicht die verspäteten Flüge am späten Abend, sondern das Bevölkerungswachstum. Im Glattal beispielsweise hat die Bevölkerung in den vergangenen 10 Jahren um 21 Prozent zugenommen.

Dies ist von der Politik durchaus so gewollt. Das Raumordnungskonzept des Kantons gibt vor, dass 80 Prozent des Bevölkerungswachstums in bereits städtischen Gebieten angesiedelt werden soll - also dort, wo der Fluglärm ist. Mit dieser Verdichtung sollen die unverbauten Gebiete geschont werden.

«Wir sind da in einem Dilemma. Das ist ein krasser Zielkonflikt», sagte Walker Späh weiter. Der ZFI mit seinem Grenzwert an «belärmten Personen» steht deshalb seit Jahren als «Papiertiger» in der Kritik. Abschaffen will ihn Walker Späh allerdings nicht. Schliesslich habe das Volk ihn an der Urne beschlossen.

Die einfachste Lösung - einfach den Grenzwert zu erhöhen - will Walker Späh ebenfalls nicht. Sie will bei der Berechnung der lärmgeplagten Personen vielmehr grundsätzlich über die Bücher und neue Berechnungsgrundlagen schaffen. «Der ZFI hat Geburtsfehler. Diese müssen wir nun korrigieren.»

Berechnungsgrundlage für den heutigen ZFI-Richtwert, also die 47'000 belästigten Personen, sind die Anzahl Flugbewegungen und die Bevölkerungszahl aus dem Jahr 2000 und der Flottenmix und die Flugrouten aus dem Jahr 2004. (sda)

Unsanfter Rausschmiss

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