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Walter Steiner - ein Skispringer als kulturelles Phänomen



Walter Steiner hat Kultstatus, nicht nur bei den Fans des Skispringens. Seit bald 30 Jahren lebt der mehrfache Medaillengewinner in Schweden. Für acht Wochen kehrt das Phänomen mit der Ausstellung «Ein Stück weit Pionier - Walter Steiner» zurück ins Toggenburg.

Walter Steiner, 1951 in Wildhaus geboren, ist eine Legende. Noch heute kennt man den ehemaligen Skispringer in der Heimat unter seinem Spitznamen «Der Vogelmensch», obwohl seine aktive Zeit Jahrzehnte zurückliegt.

In den 1970er-Jahren gehörte Walter Steiner zu den besten Skispringern der Welt. Wie kein anderer verkörperte er die Magie dieses Sports, den Traum vom Fliegen.

Walter Steiner hatte ein absurdes Problem, schreibt das St. Galler Amt für Kultur, das die Ausstellung initiiert hat. Er sprang zu weit, flog über die Weltbestmarken im Skispringen hinaus und landete im Flachen statt am Hang - das war bisweilen lebensgefährlich. Freiwillig verkürzte er darum auch im Wettkampf den Anlauf und startete weiter unten.

Der Traum vom Fliegen

Mit dem Film «Die Ekstase des Bildschnitzers Steiner» von 1974 des international angesehenen Regisseurs Werner Herzog hat sich Steiner in die kollektive Erinnerung eingeschrieben und ist zur Kultfigur weit über die Sparte Sport hinaus geworden. Als Kind träumte Werner Herzog selber davon, Skispringer zu werden.

Eine Ausstellung im Wartsaal des Bahnhofs in Lichtensteig geht ab dem 22. März dem Phänomen Walter Steiner nach und beleuchtet dabei exemplarisch Schnittstellen zwischen künstlerischem und körperlichem Können wie auch zwischen Sport und Geisteswelten, wie es in der Mitteilung vom Donnerstag heisst.

Walter Steiner selber sah im Herzog-Film allerdings weniger die Gelegenheit, sich als Star feiern zu lassen, als vielmehr die Möglichkeit, sein dringendes Anliegen bekannt zu machen: Die Sprungschanzen müssen neu gebaut, den Entwicklungen angepasst werden, damit sie dem Menschen und seinen Möglichkeiten zu fliegen und nicht dem Spektakel und Profit dienen. Rund 20 Jahre hat es gedauert, bis sein Anliegen und seine Vision Realität geworden und die Schanzen neu gebaut worden sind.

Bildschnitzer Steiner

Parallel zu den nationalen und internationalen Erfolgen als Skispringer und Skiflieger absolvierte Steiner im Bildhauer-Atelier von Johann Ulrich Steiger in Flawil von 1968 bis 1972 eine Ausbildung zum Holzbildhauer. Für ihn bedeutete dies die Möglichkeit, das Skispringtraining während der handwerklichen Tätigkeit mental voranzutreiben.

Seit 1990 lebt Walter Steiner - nach Jahren als Trainer in Deutschland und den USA - im schwedischen Falun, wo er bis vor kurzem als Restaurator, aber auch schon als Koch und Therapeut gearbeitet hat.

«Ich war eben ein Stück weit Pionier», sagt Walter Steiner und meint damit seine unkonventionelle Art zu trainieren, nämlich «gerade so, wie ich es für richtig empfinde, selbst dann, wenn es anderen zu kompliziert scheint».

Aus den Gesprächen mit Walter Steiner, seinen Interessen und seinen Leidenschaften wurden für die Ausstellung «Ein Stück weit Pionier» vier Themenstränge bestimmt: «Fliegen und Träumen», «Schanzen- und Chancenbau», «Respekt und Ressourcen» sowie «Rückzug, Warten, Einkehr».

Kunst und Skispringerlieder

Den einzelnen thematischen Feldern sind ausgewählte Bildwerke zugeordnet - Holzschnitzereien, die Walter Steiner in den Siebziger- und Neunzigerjahren hergestellt hat. Herzstück der Ausstellung sind die zehn sogenannten «Zeigbücher», Erinnerungsalben von Walter Steiner mit Fotografien, Zeitungsberichten, Fan-Post und vielem mehr aus der Zeit von 1971 bis 1979, die für die Ausstellung digitalisiert worden sind und nun dem Publikum zur Verfügung stehen.

Künstlerinnen und Künstler bereichern die Ausstellung mit ausgewählten oder eigens für die Ausstellung entwickelten Werken. Dazu gehören Rolf Graf, Lutz/Guggisberg, Yves Mettler, Elisabeth Nembrini, Roman Signer, Giorgia Vian, Birgit Widmer. Zum Veranstaltungsprogramm gehören etwa eine exklusive Vorführung des Films von Werner Herzog sowie die Skispringerlieder von Christoph & Lollo.

Die Ausstellung dauert bis zum 13. Mai. Sie ist die zweite Station der Veranstaltungsreihe «Kulturraum S4». Diese möchte dem kulturellen Erbe rund um den Säntis - entlang der Bahnlinie S4 - im Dialog mit zeitgenössischem Kunstschaffen verstärkt Aufmerksamkeit geben. (sda)

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