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Ex-EU-Kommissar Vitorino sticht Trumps Kandidaten als IOM-Chef aus

29.06.18, 16:40


Der frühere EU-Kommissar António Vitorino wird überraschend Chef der Uno-Organisation für Migration (IOM) in Genf. Der 61-jährige Portugiese setzte sich überraschend deutlich gegen den Kandidaten des US-Präsidenten Donald Trump, Ken Isaacs, durch.

Die Mitgliedsländer ernannten Vitorino am Freitagnachmittag per Akklamation, wie die IOM mitteilte. Vorausgegangen waren mehrere Kampfabstimmungen, bei denen Isaacs durchgefallen war. Unterlegen war auch die stellvertretende IOM-Generaldirektorin Laura Thompson aus Costa Rica.

Vitorino tritt sein Amt am 1. Oktober an. Seine Wahl war unerwartet, weil der Chefposten der IOM seit fast 50 Jahren in amerikanischer Hand war. Die USA sind der grösste Geldgeber der Uno-Organisation, die in den vergangenen Jahren durch die Flüchtlings- und Migrationskrise ins internationale Rampenlicht gerückt ist.

Isaacs arbeitet seit Jahrzehnten als Nothelfer einer evangelikalen missionarischen Hilfsorganisation. Trump hatte ihn nominiert. Doch war sein Image wegen kontroverser Tweets ramponiert, in denen er den Klimawandel in Frage gestellt und den Islam als «nicht friedliche Religion» bezeichnet hatte.

Die IOM ist zusammen mit dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR stark in der Bewältigung der Flüchtlings- und Migrantenkrise involviert. Während das UNHCR sich um schutzbedürftige Flüchtlinge kümmert, unterstützt die IOM beispielsweise gestrandete Flüchtlinge in Libyen und anderswo bei der freiwilligen Rückkehr in ihre Heimatländer. Die IOM hat mehr als 10'000 Mitarbeiter in mehr als 150 Ländern.

Schon lange auf internationalem Parkett

Der neue IOM-Chef Antonio Vitorino ist Jurist und seit Jahren auf internationalem Parkett unterwegs. Als Sozialist war er ab 1994 Abgeordneter im Europäischen Parlament, anschliessend portugiesischer Verteidigungsminister und von 1999 bis 2004 EU-Kommissar für Justiz und Inneres. Später leitete er das Jacques-Delors-Institut für Europafragen.

Die portugiesische Regierung stellte die Kompetenz Vitorinos in Flüchtlingsfragen bei der Nominierung heraus: Er sei seit Jahren im Beirat mehrerer Initiativen, die sich um Migrationsprobleme kümmern.

In Zeiten nationalistischer Tendenzen in den EU-Mitgliedstaaten ist Vitorino ein Verfechter multilateraler Lösungen. Migration müsse in partnerschaftlicher Absprache zwischen Ab- und Zuwanderungsländern geregelt werden, sagt er. Ganz so hat es die Europäische Union beim jüngsten Gipfel wieder betont. (sda/dpa)

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