Islamischer Staat (IS)
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Bart weg, Schleier weg, Zigarette angesteckt: So feiern ehemalige «IS»-Geiseln ihre Freiheit

Women carry newborn babies while reacting after they were evacuated by the Syria Democratic Forces (SDF) fighters from an Islamic State-controlled neighbourhood of Manbij, in Aleppo Governorate, Syria, August 12, 2016. The SDF has said Islamic State was using civilians as human shields. REUTERS/Rodi Said     TPX IMAGES OF THE DAY

Mütter mit ihren Neugeborenen nach der Befreiung: Nach Berichten sind rund 2000 Geiseln aus den Händen des «IS» befreit worden. Bild: RODI SAID/REUTERS



Nach der Entführung von etwa 2000 Zivilisten im nordsyrischen Manbidsch hat die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) hunderte Geiseln freigelassen. Wie die den Rebellen nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) sowie Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) zudem am Samstag erklärten, wurde der «IS» vollständig aus Manbidsch vertrieben.

Nach wochenlangen erbitterten Kämpfen hatten die SDF, ein kurdisch-arabisches Bündnis, Manbidsch Anfang August erobert und die meisten Dschihadisten aus der Stadt vertrieben. Einige wenige Kämpfer leisteten Widerstand – sie nahmen am Freitag bei ihrem Rückzug aus Manbidsch in Richtung Dscharablus nach Angaben von Rebellen und Aktivisten 2000 Zivilisten als Geiseln.

Viele der Zivilisten seien von den «IS»-Kämpfern als menschliche Schutzschilde missbraucht worden, um etwa Angriffen zu entgehen, erklärte der Leiter der in Grossbritannien arbeitenden Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Andere seien aber auch «freiwillig aus Angst vor Repressalien» seitens der SDF-Allianz mitgegangen.

A woman smokes as she rests after she was evacuated with others by the Syria Democratic Forces (SDF) fighters from an Islamic State-controlled neighbourhood of Manbij, in Aleppo Governorate, Syria, August 12, 2016. The SDF has said Islamic State was using civilians as human shields. REUTERS/Rodi Said

Nach der Befreiung die Zigarette: Eine ältere Frau gönnt sich einen Moment der Ruhe, nachdem der «IS» aus Mandschib vertrieben worden ist. Bild: RODI SAID/REUTERS

Mehrere hundert seien «nun wieder in Freiheit», erklärte die Organisation. Aus dem Umfeld der arabisch-kurdischen Allianz hiess es, einige Zivilisten hätten fliehen können, andere seien freigelassen worden.

Ob alle 2000 Zivilisten wieder frei waren, blieb am Samstag unklar. Die Angaben der in Syrien breit vernetzten SOHR sind nur schwer überprüfbar.

Frauen legen Schleier ab, Männer rasieren Bärte

Manbidsch selbst wurde von der Beobachtungsstelle sowie der SDF-Allianz für befreit erklärt. «Es gibt keinen IS-Kämpfer mehr», hiess es von Seiten der SDF. Auch die Beobachtungsstelle erklärte, in Manbidsch seien «weder Dschihadisten noch Partisanen der Gruppe».

Der im irakischen Erbil stationierte Sender Kurdistan24 zeigte Bilder von jubelnden Zivilisten in Manbidsch. Frauen im Nikab umarmten kurdische Kämpfer, andere warfen ihre Schleier weg und trugen lächelnd ihre Babys im Arm.

Civilians react after they were evacuated by the Syria Democratic Forces (SDF) fighters from an Islamic State-controlled neighbourhood of Manbij, in Aleppo Governorate, Syria, August 12, 2016. The SDF has said Islamic State was using civilians as human shields. REUTERS/Rodi Said

Jubel bei befreiten Zivilisten: Der «IS» missbrauchte Zivilisten offenbar als menschliche Schutzschilde. Bild: RODI SAID/REUTERS

Vor der Kamera verbrannte eine Frau ein langes schwarzes Kleid, das ihr von den Dschihadisten aufgezwungen worden war. Einige Männer schnitten sich mit Scheren den langen Bart ab, den sie unter dem «IS» tragen mussten.

Ein kurdischer Kämpfer berichtete, der Kampf um Manbidsch sei «sehr hart» gewesen und der «IS» habe die Stadt vermint. Ein SDF-Kämpfer habe am Freitag ein Haus betreten und einen Schuh auf einem Koran entdeckt – was im Islam als Beleidigung gilt. «Als er ihn heruntergenommen hat, gab es eine Explosion und er wurde getötet.»

Kinder in Kriegsregionen

Luftbrücke für Aleppo?

Der Kampf um Syrien konzentriert sich auch auf die Metropole Aleppo, die zwischen Regierungstruppen und Aufständischen geteilt ist. Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier sprach sich in der «Welt am Sonntag» für eine Luftbrücke zugunsten der dort Not leidenden Menschen aus. Die Bundesregierung sei mit der UNO, den USA und mit Russland darüber im Gespräch, wie die so dringlich gebotene humanitäre Hilfe nach Aleppo geliefert werden könne, sagte er.

Sollten beide Teile Aleppos auf dem Landweg weiterhin nur unzureichend versorgt werden können, «sollten wir auch die Möglichkeit von Hilfe aus der Luft prüfen, vor allem bei medizinischen Gütern», sagte Steinmeier. (wst/sda/afp)

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