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FILE - In this Thursday, Dec. 18, 2014 courtroom sketch, Boston Marathon bombing suspect Dzhokhar Tsarnaev sits in federal court in Boston for a final hearing before his trial begins in January. On Friday, May 15, 2015, Dzhokhar Tsarnaev was sentenced to death by lethal injection for the 2013 Boston Marathon terror attack. Some analysts worry that Tsarnaev's eventual execution could inspire more attacks. But others, including Islamic leaders, say no: Tsarnaev was more of a lone wolf with a low profile among radical jihadists and no known links to the Islamic State group, al-Qaida or other influential terror organizations. (Jane Flavell Collins via AP, File)

Zarnajew hatte die Tat gestanden und sitzt heute in einem Hochsicherheitsgefängnis. Bild: AP/Jane Flavell Collins

US-Berufungsgericht kippt Todesurteil gegen Boston-Bomber Zarnajew



Der «Boston-Bomber» Dschochar Zarnajew wird doch nicht hingerichtet. Vier Jahre nach dem Aufsehen erregenden Prozess um den islamistischen Bombenanschlag auf den Marathonlauf in Boston 2013 hat ein US-Berufungsgericht das Todesurteil gegen den gebürtigen Tschetschenen aufgehoben. Wie aus Gerichtsunterlagen vom Freitag (Ortszeit) hervorgeht, ordneten die Richter an, dass über das Strafmass neu entschieden werden müsse.

Dabei stellte das Gericht klar, dass Zarnajew mindestens lebenslange Haft erwarte: «Dschochar wird seine verbleibenden Tage im Gefängnis verbringen. Die einzige Frage ist, ob er durch Hinrichtung sterben wird.»

Zarnajew hatte im April 2013 gemeinsam mit seinem älteren Bruder Tamerlan im Zieleinlauf des Marathons in Boston (US-Staat Massachusetts) zwei mit Schnellkochtöpfen gebastelte Sprengsätze gezündet. Dabei waren drei Menschen – darunter ein achtjähriger Junge – getötet und 260 verletzt worden. Bei einer tagelangen Verfolgungsjagd wurden Tamerlan Zarnajew und ein Polizist getötet. Dschochar Zarnajew wurde kurz nach dem Anschlag schwer verletzt gefasst. Er gestand die Tat und sitzt heute in einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Staat Colorado.

Zarnajew konnte zum Tode verurteilt werden, obwohl Massachusetts die Todesstrafe bereits in den frühen 1980er Jahren abgeschafft hatte, weil er nach Bundesrecht vor Gericht gestellt wurde. Die Geschworenen entschieden nach gut 14-stündigen Beratungen in sechs von 30 Anklagepunkten, derer er für schuldig befunden wurde, für die Todesstrafe.

Das Berufungsgericht hob das Todesurteil des Bezirksgerichts nun mit der Begründung auf, im Prozess sei nicht sichergestellt worden, dass die Geschworenen unvoreingenommen gegenüber Zarnajew seien. Das Bezirksgericht habe «Vorurteile oder Befangenheit» nicht erkennen können, weil es potenziellen Geschworenen die Möglichkeit verweigert habe, inhaltliche Fragen zu dem zu stellen, was sie über den Fall gelesen und gehört hätten.

Im Prozess hatten die Anklagevertreter Zarnajew als vom radikalen Islam inspirierten gefühllosen Mörder charakterisiert, der wegen der Kriege im Irak und in Afghanistan Rache an den USA nehmen wolle. Die Verteidigung beschrieb ihn als Mitläufer unter dem Einfluss seines Bruders. Zarnajew selbst schwieg im Prozess. Erst nach dem Todesurteil zeigte er überraschend Reue und erklärte: «Ich möchte mich gern bei den Opfern und Überlebenden entschuldigen.» Er bete zu Allah, dass der ihm gnädig sei. (viw/sda/dpa)

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Dschochar Zarnajew

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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • stefan reiser 02.08.2020 01:27
    Highlight Highlight Nach meinem Rechtsempfinden sollte
    er spätestens 2033 freikommen.
    Zur Erinnerung , der kaltblütige
    Dreifachmörder A .L. wurde in der
    Schweiz nach 14 Jahren aus der Haft
    entlassen ,ohne die geringste Spur
    von Reue .
    • Erba 02.08.2020 18:25
      Highlight Highlight Lebenslänglich im Sinne des Wortes gibt es in der Schweiz nicht. Nach spätestens 25 Jahren kommt man aus dem Gefängnis. Es kann dann aber noch die Verwahrung geben.
  • Blues 01.08.2020 10:42
    Highlight Highlight Ich bin absolut gegen die Todesstrafe. Klar, es mag die Hinterbliebenen befridigen aber das wird nicht lange anhalten. Besser wäre Lebenslänglich ohne dass er/sie jemals wieder frei wird. Es gibt zuviel Fehlurteile, gerade in den USA, die kann man nicht mehr rückgängig machen.
    • TheUglyTruth 01.08.2020 14:54
      Highlight Highlight OK, einverstanden, nur dass es hier kein Fehlurteil gibt.
    • stefan reiser 02.08.2020 16:34
      Highlight Highlight Blues
      Menschen bis ans Lebensende einmauern .
      Sie sind noch ein wahrer Humanist !
  • Stefan Morgenthaler-Müller 01.08.2020 08:06
    Highlight Highlight Wenn der Staat den Attentäter ermordet, wie könnte sich der Staat moralisch über ihn stellen? Eine richtige Entscheidung.
    • du_bist_du 01.08.2020 08:46
      Highlight Highlight Kommt auf das Rechtverständnis und den moralischen Kompass an.
      Ich befürworte die Todesstrafe nicht, sehe aber das Problem nicht ehrlich gesagt.
      Jemanden schlagen ist auch nicht gut, zu schnell fahren auch nicht... machen die Behörden bei uns auch um die Bösen zu schnappen...
    • Johannes Imhof 01.08.2020 08:49
      Highlight Highlight Ähhm... Nein?
      Die Hinrichtung eines verurteilten Mörders und der mehrfache Mord an unschuldigen Menschen sind nicht auf derselben moralischen Stufe, weiss nicht wie sie darauf kommen.

      Selbstverständlich kann und sollte man die Todeststrafe kritisieren, bin selber auch eher dagegen. Hauptsächlich da Falschurteile nicht ausgeschlossen und nicht rückgängig gemacht werden können.
    • Peter Vogel 01.08.2020 09:10
      Highlight Highlight Viele Blitzer hier. Sackschwach Leute.
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