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Frauen in der Schweizer Wirtschaft: Eine harte Realität

28.12.17, 07:28


Frauen hängen Männer in der Schule zwar ab. Karriere machen aber danach vor allem Männer. Für Frauen gilt daher in besonderem Masse: Kinder sind meistens Karrierekiller und wichtige Weichen werden schon bei der Berufswahl gestellt.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den Geschäftsleitungen der 100 grössten Schweizer Unternehmen beträgt der Frauenanteil nur gerade mal 8 Prozent. Etwas besser sieht es in der öffentlichen Verwaltung aus, wo Führungspositionen zu 14 Prozent von Frauen besetzt sind. 2016 lag der Frauenanteil in den Verwaltungsräten laut einer Studie des Topkader-Vermittlers Guido Schilling bei 17 Prozent.

Ernüchternd ist auch, dass in der Schweiz seit nunmehr 20 Jahren lediglich ein Drittel der Frauen eine Vorgesetztenfunktion (mindestens eine unterstellte Person) ausüben oder eine Unternehmensleitung inne haben. Umgekehrt erklimmen nach Angaben des Bundesamtes für Statistik (BFS) unverändert fast zwei Drittel der Männer die Karriereleiter.

Karrierekiller Kind

«Frauen machen Karriere am besten kinderlos», brachte es kürzlich die Zürcher Soziologieprofessorin Katja Rost auf den Punkt. Mit 38 Jahren wurde sie Mutter, vorher passte ein Kind laut ihrer Aussage nicht in ihr Lebensmodell.

«Nun hat frau zwar Karriere und Familie, aber nichts mehr vom Leben», klagte sie. Rost äusserte Verständnis für Frauen, die nach anfänglichen Versuchen, Karriere und Familie zu vereinen, sich wie 80 Prozent der Schweizer Mütter für das traditionelle Teilzeitmodell entscheiden.

Teilzeitarbeit ist ein typisches Merkmal weiblicher Erwerbstätigkeit. Rund 60 Prozent der Frauen arbeiten in der Schweiz Teilzeit, während lediglich 17 Prozent der Männer keiner Vollbeschäftigung nachgehen. Laut dem BFS reduziert gut ein Viertel der Frauen ihr Pensum auf unter 50 Prozent, aber nur gerade 6 Prozent der Männer bauen den Beschäftigungsgrad derart stark ab.

Teilzeitarbeit bedeutet aber nicht nur häufig ungesicherte Arbeitsverhältnisse und eine schlechtere soziale Absicherung, sondern auch geringere Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen.

«Der Grund für die Untervertretung von Frauen in Kaderpositionen ist, dass Teilzeit-Männer immer noch in der Unterzahl sind», schlussfolgert der Personalvermittler Adecco. Frauen übernähmen «meistens das Familien-Management und dafür eine Teilzeitstelle in einer Nicht-Management-Funktion».

Langer Atem

In der Schweiz fehle es zudem an landesweiten, für alle erschwinglichen Tagesstrukturen mit firmenfreundlichen Öffnungszeiten. «Wir sind überzeugt, dass der bevorstehende Fachkräftemangel die Rahmenbedingungen für arbeitende Eltern verbessern wird», glaubt man bei Adecco.

Frau wird allerdings einen langen Atem brauchen. Bundesrätin Simonetta Sommaruga stellte vor Kurzem in einem Interview fest: «Wenn es im gleichen Tempo weitergeht, dauert es etwa noch bis ins Jahr 2150, bis Frauen in Geschäftsleitungen von börsenkotierten Unternehmen gleich vertreten sind wie Männer.» (sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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