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Review

Diese Doku zeigt, was sich hinter den glücklichen Bäumen von Bob Ross verbirgt

Bob Ross ist bis heute kult. Jetzt hat Netflix seine Geschichte aufgerollt. Das Image des TV-Malers erleidet dabei keinen einzigen Kratzer – aber ein «dunkles» Geheimnis wird doch gelüftet.
27.08.2021, 19:5527.08.2021, 20:31

Die grosse Erleichterung

Keine Frage: Bob Ross war ein begnadeter Landschaftsmaler. Und Bob Ross hatte eine auffällige Frisur. Doch Bob Ross war in den 1970er nicht der erste, der vor einer TV-Kamera den Leuten das Malen beibringen wollte. Er war auch nicht der Mann, der die sogenannte Nass-in-Nass-Technik erfand. Die gibt es seit Jahrhunderten. Bob Ross wurde zum bekanntesten TV-Maler der Welt, weil er vor allem eines war: Bob Ross.

«Der Bob, den man im TV sieht, kommt dem echten Bob sehr nahe», sagt sein Sohn Steve Ross in der neuen Netflix-Doku «Bob Ross: Glückliche Unfälle, Betrug und Gier». Bob liebte die Natur, Bob liebte Tiere und Bob liebte die Menschen und das Malen. «Nur nette Menschen malen», sagte Bob Ross einst. Das war sein Antrieb, die Menschen zum Malen zu bewegen.

Steve Ross, der Sohn des Kultmalers, ist die Hauptfigur in der Netflix-Doku.
Steve Ross, der Sohn des Kultmalers, ist die Hauptfigur in der Netflix-Doku.
Screenshot: Netflix

Der Dokumentarfilm wurde von Netflix als «Das düstere Geheimnis von Bob Ross» angekündigt. Bei manchen Fans hat dies vermutlich für Verunsicherung gesorgt. Doch deine Meinung zu Bob wird sich kaum oder gar nicht ändern.

Ich muss gestehen, dass ich selbst noch etwas mehr von Ross entzückt bin, als ich es vorher schon war. Und das, obwohl sein Leben schon vorbei war, als ich zur Welt kam.

Die Bösen

Der Kunstlehrer, der bekanntlich sagte, dass es keine Fehler gibt, nur glückliche Zufälle, starb 1995 im Alter von 52 Jahren an Lymphdrüsenkrebs. Zwischen 1983 und 1994 zeigte Ross in seiner Malsendung «The Joy of Painting», wie man Wölkchen und fröhliche Bäume auf die Leinwand pinselt.

Sein Tod bedeutete aber nicht das Ende seines Erfolges. Noch heute begeistert er mit seiner Malsendung Millionen von Zuschauern. Bob Ross war zeitlebens ein Phänomen und ist es bis heute geblieben.

Bild: youtube

Dass die Marke Bob Ross über seinen Tod hinaus Gewinn einbringt, damit rechneten seine ehemaligen Partner Annette und Walter Kowalski schon früh. Schliesslich erkannte das Paar das Talent des Künstlers bereits Anfang der 80er. Und hier beginnt «das düstere Geheimnis», das von den Filmemachern angekündigt wurde.

«Es war eine Schande, was sie getan haben und die Leute sollten davon wissen», sagt Steve Ross ganz zu Beginn der Doku.

Bob Ross und Annette Kowalski.
Bob Ross und Annette Kowalski.

Die Kowalskis vermarkten bis heute Bob Ross' Vermächtnis. Während Bob Ross den Menschen die Freude am Malen geben wollte, hatten die Kowalskis vor allem Freude am Geldvermehren. Und Bob Ross war ihr Goldesel. So zumindest stellen es die ehemaligen Weggefährten dar, die in der Doku zu Wort kommen. Die Kowalskis lehnten Interviewanfragen ab und drohten indirekt mit dem Anwalt. Auch mehrere andere Involvierte wollten nicht vor die Kamera, aus Angst vor Repressalien durch die Kowalskis, die einen grossen Einfluss auf den US-Kunstmark haben.

Die Anfänge und Gier

Kennengelernt haben sich Bob Ross und die Kowalskis in Malerkreisen. Bob Ross besuchte damals einen Malunterricht. «Ich bemerkte sofort, dass er ein wahrer Künstler ist», erinnert sich sein Mallehrer zurück. Sein Talent bemerkten auch die Kowalski und motivierten ihn, Geld damit zu verdienen.

Bob Ross liess sich auf den Vorschlag ein, eine eigene Malsendung zu starten, in der er Motive mit Ölfarben in seine spezielle Nass-in-Nass-Technik auf die Leinwand bringt. «Er machte das nicht wegen des Geldes. Er hatte einfach Freude am Malen. Erfolg war Bob wichtig, aber niemals so wichtig wie den Kowalskis», sagt ein alter Freund von Ross.

Kurz nach Beginn der Sendung begannen die Kowalskis damit, Pinsel und Farbe unter der Marke Bob Ross zu verkaufen. Bei Bobs Maltechnik spielt vor allem die Zusammensetzung der Farben eine wichtige Rolle. Er wollte angeblich nicht, dass Produkte auf den Markt kommen, die seinen Ruf schädigen könnten.

Doch das war dem Paar anscheinend egal. Sie fingen an, alle möglichen Dinge wie Kaffeetassen oder T-Shirts mit Bob Ross' Gesicht darauf zu verkaufen. «Mein Vater sprach nicht gerne über das Geschäft. Aber da kam es zu heftigen Diskussionen», erinnert sich Steve Bob.

bild: radbag

Für Diskussionen sorgte auch die Affäre zwischen Annette Kowalski und Bob Ross. «In den 80er schlief jeder mit jedem», nimmt ein Freund Bob in Schutz. Doch der Ausrutscher förderte die Beziehung der beiden nicht. Im Gegenteil. Es begann ein Machtkampf.

Kowalski erschien nicht mehr zu den Dreharbeiten von Ross. Als sie von seiner Krankheit erfuhr, soll sie verzweifelt versucht haben, selbst mit Malen erfolgreich zu werden. Sie veröffentlichte ein Malbuch, welches sie angeblich fast eins zu eins von einer anderen Künstlerin kopiert hatte. Der grosse Erfolg blieb aus. Die Marke Bob Ross hingegen florierte weiter.

«Währendem er im Sterben lag, wollte man seinen Namen stehlen.»
Steve Ross

Der erbitterte Streit

Doch Bob war da bereits von seiner Krebserkrankung gezeichnet. Malsendungen konnte er bereits keine mehr geben. Seine Artikel wurden jedoch weiter ungewöhnlich gut verkauft worden. «Um sich für den schlimmsten Fall abzusichern, haben die Kowalskis alles versucht, um an die Namensrechte von Bob Ross zu kommen», erzählt der Sohn des Künstlers. Vor dem Tod sollen sie Steve Ross gefragt haben, ob er ein Dokument unterzeichnen könne. «Sie sagten mir, dass es um ein Denkmal von Bob ginge», so Steve Ross.

Er lehnte ab. Doch das Paar gab nicht auf und erreichte schliesslich sein Ziel. Denn: Sowohl der Sohn als auch der Onkel besassen im Falle eines Todes alle geistlichen Rechte der Marke Bob Ross. «Mein eigener Onkel hatte die Rechte unterzeichnet. Gegen den Willen von Bob», sagt Steve Ross. Dies erfuhr er aber erst viele Jahre später, als er versuchte, die Kowalskis zu verklagen. «Sie haben seinen Namen geklaut», so Steve Ross.

«Die Kowalskis verdienten Millionen, indem sie Bobs Namen und Image ausschlachteten.»
Steve Ross

Steve Ross klagte gegen die Kowalskis – und verlor 2019. Grund dafür: Die Unterschrift seines Onkels. Steve, das zeigt sich früh in dieser Doku, hadert mit dem Ausgang der Geschichte.

Und die Kowalskis vermarkten bis heute die Marke Bob Ross, was ihnen jährlich Millionen einbringt. Sie bestreiten, dass Bob jemals unter der Marke gelitten hätte. Ob die Geschichte noch weitergeht, wird sich zeigen.

Das wirklich dunkle Geheimnis

Ein anderes Geheimnis wird in der Doku aber gelüftet und wenn man so will ist es das wirklich dunkle Geheimnis dieser Geschichte. Es ist das Geheimnis der unnachahmlichen Stimme von Bob Ross. Der Mann, der beim Malen «so tut, als rede er mit einer Frau im Bett», wie es eine ehemalige Weggefährtin in der Doku sagt, hat seine Stimme bewusst so gewählt. Sohn Steve sagt: «Es stimmt, er hat es geübt. Er wollte ein bisschen sexy sein».

Die Dokumentation ist seit dem 25. August auf Netflix verfügbar.

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