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Blick auf das

Übernachtungen an edlen Orten dürften diesen Sommer günstiger werden – Blick auf das «Null Stern»-Hotelzimmer oberhalb von Walenstadt in der Ferienregion Heidiland. Bild: keystone

Jetzt purzeln die Preise: Im Coronasommer wird die Hotelübernachtung billiger

Eine Umfrage der ETH Zürich zeigt: Rekordhohe 50 Prozent der Betriebe planen, die Zimmerpreise zu senken.

Niklaus Vontobel / ch media



«Preisreduktionen bei Hotels liegen schlichtweg nicht drin», sagte Andreas Züllig noch Anfang Mai. Der Präsident des Branchenverbands HotellerieSuisse begründete die Absage an einen Preiskampf mit den ohnehin sehr dünnen Margen. Und auch Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus, rät von einer Rabattschlacht ab. «Das wäre nicht gut.»

Dennoch fallen im Coronasommer die Zimmerpreise. Die Hotellerie hätte es lieber vermieden. Doch zeitgleich mit der Wiedereröffnung von Bergbahnen und Campings, von Badeanlagen und Kulturlokalen, zeigt eine Umfrage: Es geschieht. In einer vierteljährlich durchgeführten Umfrage der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich sagen rekordhohe 50 Prozent aller Schweizer Hotels, dass sie in den nächsten drei Monaten ihre Zimmerpreise senken werden.

Im Coronasommer wird hinter den schicken Kulissen vieler Hotels und Restaurants ums Überleben gekämpft. Nydegger von Schweiz Tourismus sagte gestern an einer Pressekonferenz: «Seit den Kriegsjahren um 1940 haben wir nicht mehr erlebt, was wir seit dem Frühling 2020 erleben müssen.»

Die Dramatik gehört zur neuen Kampagne, die heisst: «Ich brauch Schweiz.» Doch auch die Umfrage zeigt, dass der Preisdruck hoch ist, ähnlich wie nach dem Frankenschock. Als die Nationalbank den Mindestkurs aufhob, planten ähnlich viele Hotels mit sinkenden Preisen. Vor allem der alpine Tourismus kämpfte lange, bis er preislich wieder wettbewerbsfähig war.

Dass es zum Preisdumping ausartet – das wird die Ausnahme bleiben, die in Coronazeiten jedoch vorkommt. Es gibt Beispiele von Viersternehotels, die ein Zimmer mehr oder weniger zum Preis von Jugendherbergen anbieten. Doch sind die Preise bereits landesweit gesunken. Diese Woche zeigte der Landesindex für Konsumentenpreise, dass im Mai die Übernachtungen bereits 4 Prozent günstiger waren als im Vorjahr.

Touristische Seeregionen mit grösstem Preisdruck

Im Coronasommer gehen die touristischen Welten preislich jedoch auseinander. Am meisten Bewegung wird es in den touristischen Seeregionen geben, also etwa in Luzern oder in Interlaken. Dort plant über die Hälfte aller Hotels, die Zimmer billiger anzubieten: 54 Prozent. Das zuvor boomende Geschäft mit asiatischen Freizeittouristen bricht vollständig weg.

«Im Coronasommer wird vieles auf den Kopf gestellt», so Guglielmo Brentel. Der heutige Präsident von Zürich Tourismus war lange Präsident des Branchenverbands Hotelleriesuisse, sitzt in den Verwaltungsräten mehrerer Hotels und ist als Berater tätig. «Es geht Regionen schlecht, die zuvor boomten dank Gästen aus Asien oder den Golfstaaten. Es läuft gut in Regionen, an denen dieser Boom vorbeiging, die aber immer auf Schweizer Gäste setzten.» Das Paradebeispiel dafür ist Graubünden. Die touristische Hochburg stand jahrelang mehr oder weniger im touristischen Abseits. Nun macht dieses Abseitsstehen den Kanton zum Gegenstück vom Sommerelend, das anderswo zu beobachten ist. Die Preise werden sich kaum bewegen, glauben Kenner. Brentel erwartet mehr Gäste als im letzten coronafreien Sommer. «Mit ein bisschen Wetterglück wird Graubünden einen guten Sommer haben.»

Rabattaktion: Zimmer um 20 Prozent billiger

Irgendwo zwischen den Extremen von Seeregionen und Graubünden reiht sich alles andere ein. Näher an den Seeregionen zu finden, sind die grösseren Städte, wo nur halb so viele Gäste erwartet werden wie letztes Jahr. Dort wollen laut Umfrage rund 48 Prozent mit den Preisen runter gehen.

Beispiel Zürich. Die Stadt ist zusammen mit ihrer Umgebung zur mit Abstand grössten touristischen Region aufgestiegen. Nun kann fast die Hälfte der sonst anreisenden Gäste gar nicht kommen. Sie reist gewöhnlich mit dem Flugzeug an, doch der Flughafen ist im Sommer weitgehend stillgelegt. Geschäftstouristen kommen so gut wie gar nicht. Brentel: «Dagegen mit Rabatten anzukämpfen, ist ohnehin zwecklos.»

Sinken werden die Preise dagegen für Freizeitgäste. Um zu retten, was zu retten ist, wird in den Städten um diese Gäste geworben, vor allem in der Schweiz und in Deutschland. In Zürich werden in einer gemeinsamen Werbeaktion rund 80 Hotels ihre Zimmer an Wochenenden um 20 Prozent günstiger anbieten.

Ferien in der Schweiz – wie in den Neunzigerjahren

Näher an Graubünden und weiter weg vom touristischen Sommerelend finden sich andere alpine Regionen. Brentel gibt etwa Zermatt gute Chancen auf einen erfreulichen Sommer. Es gilt generell, was der KOF-Experte Florian Hälg sagt: «In den alpinen Regionen geraten die Preise weniger unter Druck.»

Im alpinen Tourismus werden ausländische Gäste weniger vermisst. Es kommen mehr Schweizer Gäste, die im Coronasommer lieber in der Heimat bleiben. An manchen Tagen wird der Andrang gar gross sein. Die Rückkehr alter Gewohnheiten ist zu beobachten. Brentel sagt: «Es gibt wieder Familien, die zwei ganze Ferienwochen in der Schweiz buchen. Das habe ich zuletzt in den Neunzigerjahren gesehen.» Doch alles ist relativ. Der alpine Tourismus leidet weniger. Doch auch ihm fehlen diesen Sommer drei von zehn Logiernächten. Die Gäste, die kommen, können von Abschlägen profitieren: Vier von zehn Hotels rechnen mit tieferen Zimmerpreisen.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lustiger Baum 07.06.2020 20:03
    Highlight Highlight Lässig dieser Rabatt. Nur welche Familie mit einem Durchschnittlichen Einkommen soll sich das leisten?

    350.- die Nacht für Zwei Zimmer, dazu nich essen für rund 150-200 pro Tag und an Erlebnis war da noch nichts drin. Sind schlappe 4‘000 Stützli für 7 Nächte...

    Nein ich denke die wenigsten werden sich das leisten können und wollen.
  • MaPhiA 07.06.2020 11:57
    Highlight Highlight es ist ja eigentlich schon traurig, wenn man nicht wirklich ferien im eigenen land vermag, trotz 20% nachlass...
  • Eyeore 07.06.2020 11:34
    Highlight Highlight Wohnt der Grossteil an einem solchen Sch...-Ort oder geht es einfach ums Prinzip man muss halt weg? Mal ehrlich könnt ihr in einem 18m2 Zimmer wirklich besser abschalten als zu Hause?
    Es ist ja nicht so, dass die Möglichkeiten innerhalb 1 1/2 Stunden Zugfahrt ab Ort X in drr Schweiz so anders wären wie wenn ich an Ort Y übernachte.
    • esmereldat 07.06.2020 13:39
      Highlight Highlight Abwechslung macht das Leben spannend. 😉

      Ich habe ein schönes Zuhause, bin jetzt aber in den letzten 3 Monaten wirklich viel daheim gesessen.

      Und ja, ich kann in einem Hotelzimmer toll abschalten. Weg vom Alltag, der volle Wäschekorb und die dreckige Pfanne vom Kochen lachen mich nicht an, das Bett ist immer frisch gemacht, wenn ich nach draussen gehe, bin ich an einem Ort, an dem ich normalerweise nicht bin und ich gönne mir an der Bar mal einen Schlummertrunk, den ich zu Hause nicht habe.
    • Eyeore 07.06.2020 14:41
      Highlight Highlight Das kannst du doch alles zu Hause machen. Ja das Bett ist nicht gemacht aber der Rest kein Problem. Mal eine Woche nicht waschen, jeden Tag auswärts essen gehen und Schlummis sind auch kein Ding. Du kannst vor allem jeden Tag wo anders essen gehen und sparst immer noch.
  • Der Bademeister 07.06.2020 08:39
    Highlight Highlight Hab’s schonmal geschrieben. Beispiel Grächen Vs bereits die Nebenkosten sind üppig. Hotel nur Frühstück 2 Erw plus 2 Kind (unter 8) = 1900 (dafür habe ich in AT bereits Halbpension. Nun kommen aber noch Kurtaxen und eine Erlebnistaxe! Von 8,50fr pro Tag und Erwachsene Person. .Dann Kosten für das Gemeindeparkhaus Fr. 10 pro Tag.Das Hotel hat einen sehr kleinen Spa. Der ist in den 1900 nicht inkl. sondern kostet noch einmal 18 Stutz pro Tag und Person.... Auf der Homepage des Tourismusverbandes gibt es 10% aber nicht auf den Übernachtungspreis sondern einen Wertgutschein....
    • Hühne Bueber 07.06.2020 11:38
      Highlight Highlight @Bademeister: genau! Und am Schluss erwrten sie noch dass du für den Gutschein vor Dankbarkeit auf die Knie gehst...
  • Thor_Odinson 07.06.2020 00:00
    Highlight Highlight Nehmen wir nur mal die Jungfraujochbahn. Welcher normale Schweizer vermag es für 190.- pro Person da rauf zu gehen. Da kann der Kessler noch lange sagen, die Jungfrau gehört momentan nur den Schweizern...
  • Swen Goldpreis 06.06.2020 22:56
    Highlight Highlight Naja, aber 20 Prozent Nachlass auf die Schweizer Preise - das ist immer noch verdammt teuer für Leute, die zuvor in die Türkei oder nach Thailand geflogen sind.
    • Kruk 07.06.2020 01:55
      Highlight Highlight Rechnet man das ganze drumherum was sich viele in den Ferien halt gerne gönnen, einen Kaffee mehr, einen Fruchtsaft, im Restaurant essen etc. auch noch mit, dann ist es finanziell schon sehr uninteressant in der Schweiz Ferien zu machen.
      Wenn alles etwa 20x mehr kostet bringen 20% aufs Hotel nicht viel.
    • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 07.06.2020 05:35
      Highlight Highlight Und? Dann langt's halt nebst den Ferien nicht auch noch für ein iPhone 12. Man muss nicht s'Foifi und s'Weggli haben.
    • Heb dä Latz! 07.06.2020 08:50
      Highlight Highlight Dafür ist die Gefahr Käferli einzufangen oder aus einer politisch motivierten Laune inhaftiert zu werden um 100 Prozent günstiger.

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