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Frühmenschen erreichen ihren Tageshöhepunkt etwa sechs Stunden nach der Aufwachzeit. Bild: shutterstock

Innere Uhr

Frühaufsteher sind morgens besonders fit? Nichts da! Die Höchstleistung erbringen sie erst deutlich später

Frühaufsteher sollten am besten mittags Sport treiben, Nachtmenschen erst nach ihrem Feierabend. Eine aktuelle Studie zeigt, wie stark die Leistungsfähigkeit über den Tag schwankt – und wie gross der Einfluss der inneren Uhr darauf ist.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Jeder, der Sport treibt, kennt die beiden Zustände: An manchen Tagen fühlt sich der Körper einfach träge an, wie eine grosse undefinierte Masse, die sich nicht bewegen möchte. An anderen hingegen scheinen unsichtbare Schnüre Arme und Beine in die Höhe zu ziehen, um den Körper voranzutreiben.

Ob das Training besonders leichtfällt oder zur Qual wird, hängt nicht nur von der jeweiligen Tagesform an. Wie eine Studie jetzt zeigt, ist auch die innere Uhr entscheidend. Athleten, die eher früh in den Tag starten, sind um die Mittagszeit am fittesten, Langschläfer eher in den Abendstunden, berichten britische Wissenschaftler im Fachblatt «Current Biology».

Für ihre Untersuchung ermittelten Elise Facer-Child und Roland Brandstaetter von der Universität Birmingham zunächst den Biorhythmus von mehr als hundert Wettkampfsportlern – alles Hockeyspieler. Dabei unterschieden sie zwischen Lerchen, die morgens am fittesten sind, einem Mischtyp, dem es mittags am besten geht, und Eulen, die abends ihr Hoch erreichen.

Etwa ein Viertel der mehr als hundert Sportler waren Frühmenschen, ein Viertel waren Spätmenschen, der Rest lag dazwischen. Wie die innere Uhr bei einem Menschen gepolt ist, bestimmen in erster Linie die Gene. Durch das Verhalten lässt sich das kaum verändern.

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Wie stark schwankt die Leistungsfähigkeit?

Anschliessend testeten die Forscher bei 20 der Hockeyspieler – sie waren alle Anfang 20 und repräsentierten mit ihren Biorhythmen die ganze Gruppe –, wie sich ihre Leistungsfähigkeit über den Tag veränderte. Zu sechs verschiedenen Tageszeiten mussten die Sportler ihre Ausdauer beweisen. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede, je nach innerer Uhr.

Während Frühmenschen und Mittelmenschen ihren Tageshöhepunkt etwa sechs Stunden nach der Aufwachzeit erreichten, also mittags, war um diese Uhrzeit bei den Eulen noch nicht viel zu holen. Sie konnten gegen Abend das meiste leisten, etwa elf Stunden nachdem der Wecker geklingelt hatte.

Ausserdem schwankte bei den Spätmenschen die Leistungsfähigkeit über den Tag am gewaltigsten: Im Vergleich zu ihrem Tief am Morgen waren sie abends 26 Prozent fitter. Die Frühaufsteher hingegen verkrafteten die verschiedenen Uhrzeiten am besten, bei ihnen unterschieden sich die verschiedenen Leistungsfähigkeiten über den Tag nur um knapp acht Prozent, bei den Mittelmenschen dokumentierten die Forscher Schwankungen von zehn Prozent.

«Diese enormen Unterschiede könnten einen grossen Einfluss auf die Suche nach Talenten, die Einschätzung der Leistung eines Sportlers und den Erfolg bei Wettkämpfen haben», schreiben Facer-Child und Brandstaetter in ihrer Studie. Ausserdem könnten sie erklären, warum internationale Spitzensportler eher Frühtypen sind.

Olympische Spiele: Ein Prozent entscheidet

Bei Wettkämpfen könnte schon ein Prozent mehr Leistung enorme Vorteile bringen, schreiben die Forscher weiter. Bei den Olympischen Spielen in Peking etwa hätte ein Unterschied von einem Prozent beim 100 Meter Sprint der Männer den vierten Platz mit 9,93 Sekunden in einen zweiten Platz und die Silbermedaille verwandelt.

Eine mögliche Erklärung für die verschiedenen Leistungsprofile sehen die Wissenschaftler in den Hormonen: Frühere Studien hatten gezeigt, dass Lerchen am Morgen grosse Mengen des Stresshormons Kortisol im Blut haben und das Level des Hormons im Blut über den Tag relativ hoch bleibt. Spätmenschen hingegen haben morgens und auch im Laufe des Tages deutlich geringere Mengen des Hormons im Blut.

Kortisol spielt eine wichtige Rolle bei der Muskelfunktion – demnach haben Eulen grundsätzlich schlechtere Chancen, sportliche Höchstleistungen zu erreichen.

Mit ihren 20 Teilnehmern ist die Studie zwar klein, ihre Ergebnisse decken sich jedoch mit früheren Erkenntnissen. «Man kann den eigenen Biorhythmus auf Dauer und mit viel Anstrengung umtrainieren, aber manche Menschen sind einfach Frühsportler, andere lieben ihr abendliches Training», sagte Christine Graf von der Deutschen Sporthochschule Köln. (irb)



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