Justiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Banker gesteht Tötung von Kundin (86) mit Münzstrumpf und Folie



Ein österreichischer Finanzberater soll eine Kundin jahrzehntelang belogen und schliesslich brutal umgebracht haben.

Aus Angst um seinen Ruf habe er der Frau weisgemacht, ihr Vermögen betrage rund 700'000 Euro, obwohl er sich vor 20 Jahren verspekuliert habe, gestand der Banker am Dienstag zum Auftakt des Prozesses vor dem Landgericht Wiener Neustadt.

Er habe den Verlust von damals rund 140'000 Euro auszugleichen versucht und falsche Kontostände vorgelegt – aus Angst vor der Reaktion der Kundin, die er seit mehr als drei Jahrzehnten kannte, und auch aus Angst um seinen Beruf als Berater und Gerichtsgutacher. Zum Schluss waren die Konten der Bauunternehmerin und Erbin laut einem Zeugen so gut wie leer.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft beging der Bankberater deshalb im September 2019 einen lange und kaltblütig geplanten Mord. Seine Verteidiger argumentierten dagegen mit einer Affekttat. Er habe von Beginn an reumütig und umfassend ausgesagt und der Polizei Details erzählt, die er nicht habe erzählen müssen, hiess es.

Als der Mann endgültig aufzufliegen drohte, habe er mehrere Optionen erwogen – die 86-Jährige umzubringen, ebenso wie Suizid. Mit einem mit Münzen gefüllten Strumpf, einem Messer und Frischhaltefolie im Gepäck sei er mehrfach zum Haus der Frau gefahren – zuletzt am 16. September mit einem Mietwagen.

Flucht zu Fuss auf der Autobahn

An den Hergang der Tat laut Anklage – die Frau wurde demnach zehnmal mit dem Strumpf gegen den Kopf geschlagen, dann mit Frischhaltefolie und schliesslich mit den Händen erstickt – erinnere er sich nur in Bruchstücken. Unter dem Vorwand, die Toilette benutzen zu müssen, sei er mit den versteckten Utensilien ins Haus der Frau im niederösterreichischen Bezirk Neunkirchen gelangt. Dann habe er der 86-Jährigen gestanden, dass von ihrem Vermögen nur noch mehrere zehntausend Euro übrig seien.

Das laute Gespräch, in dem die Kundin ihn einen Verbrecher genannt habe, hörte ein Nachbar, der daraufhin an der Tür klopfte. «In dem Moment habe ich gedacht, jetzt ist es vorbei», so der 62-Jährige – und habe dann auf die Frau eingeschlagen. Nach ihrem Tod floh er zu Fuss auf die Autobahn und versuchte zweimal, sich von einem Lastwagen erfassen zu lassen. Der Mann überlebte schwer verletzt.

Ein Urteil wird am kommenden Dienstag (28. Juli) erwartet. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das Leben als Sträfling in El Salvador

Nach 34 Jahren Knast – Hugo Portmann im Juli auf freiem Fuss

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Die Schweiz könnte im Fall Nawalny eine wichtige Rolle übernehmen»

Der Fall Alexej Nawalny müsse im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zur Sprache kommen, fordert der Anwalt des Oppositionspolitikers. Nikolaos Gazeas sieht das Leben seines Mandanten in Gefahr.

Nikolaos Gazeas ist in diesen Tagen ein gefragter Mann. Wir erreichen den 38-jährigen deutschen Anwalt des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny nach etlichen gescheiterten Versuchen am späten Mittwochabend telefonisch in Köln. Er habe kaum Zeit, sagt er entschuldigend - um dann doch ausführlich über einen Fall zu berichten, der international für Aufsehen sorgt.

Herr Gazeas, stehen Sie in Kontakt zu Alexej Nawalny?Nikolaos Gazeas: Ich stehe mit den russischen Kolleginnen und Kollegen …

Artikel lesen
Link zum Artikel