Fussball

Es passt momentan bei YB – auch dank vielen Spielern mit Wurzeln in Afrika. Bild: EPA/EPA

YB auf der Erfolgsstrasse: Ein Abbild der modernen Schweiz

Die Berner Young Boys sind auch dank ihrer afrikanischen Power überlegener Tabellenführer der Super League.

19.11.17, 13:54

markus brütsch / Schweiz am wochenende

>>> Wir tickern heute das Spitzenspiel zwischen YB und dem FCZ ab 16 Uhr live!

Plötzlich ist der Publikumsliebling weg. 3,5 Millionen Euro hat Gent für Yuya Kubo auf den Tisch gelegt. Doch YB ist vorbereitet und engagiert Roger Assalé vom kongolesischen Spitzenklub Mazembe. «Wir hatten ihn schon lange auf dem Radar», sagt Chefscout Stéphane Chapuisat. Und erzählt, wie er noch um den Ivorer gezittert habe, als dieser bei Anderlecht zum Test erschien.

Jean-Pierre Nsame und Roger Assalé: Die beiden rocken Bern. Bild: KEYSTONE

Doch es ist gut gekommen, und der torgefährliche Assalé hat eingeschlagen. «YB stürmt mit Afrika-Connection an die Spitze» titelte unlängst die «Berner Zeitung», nachdem der Kameruner Jean-Pierre Nsame sowie Assalé den FC Lugano erledigt und den ausgeprägten afrikanischen Einfluss auf YB bestätigt hatten. Einmal, in Lausanne, standen acht Akteure mit afrikanischem Blut in der Startformation.

Ernst Graf weiss, dass es ein paar Leute gibt, denen dies ein Dorn im Auge ist. Anfangen kann der YB-Verwaltungsrat mit einer solchen Denkweise nichts. «Ausser Assalé wurden alle im europäischen Raum integriert und haben unsere Kultur bestens angenommen», sagt Graf. «Man kann nicht besser berndeutsch sprechen als Grégory Wüthrich.» Der Verteidiger, dessen Vater aus Ghana kommt, wurde in Bern geboren.

Durch und durch ein Berner Giel: Gregory Wüthrich. Bild: KEYSTONE

Als die Young Boys 1987 mit dem Cupsieg letztmals einen Titel gewannen, hiessen die ausländischen Stars Robert Prytz, Björn Nilsson und Lars Lunde und kamen aus Skandinavien. Afrikaner gab es, wie auch zehn Jahre später, keinen im Kader. Ein weiteres Jahrzehnt danach aber trugen mit Joetex Frimpong, Thierry Doubai, Saif Ghezal, Franck Madou, Kader Mangane, Gilles Yapi und Kamil Zayatte bereits sieben Profis mit afrikanischem Hintergrund das gelb-schwarze Trikot.

Spiegelbild der Schweiz

Jetzt sind es zehn. «Was wir sehen, ist ein Spiegelbild der Schweiz, einem multikulturellen Land», sagt YB-Sportchef Christoph Spycher. «Dieses wurde einst von italienischen und spanischen Einwanderern beeinflusst, dann von solchen aus dem Balkan, und nun haben wir viele mit einem Bezug zu Afrika. Das ist die moderne Schweiz

Christoph Spycher scheint ein Händchen als Sportchef zu haben. Bild: KEYSTONE

Bei YB sagen Graf, Spycher und Chapuisat unisono, es gebe keine Strategie, auf Afrikaner zu setzen. «Es geht einzig darum, dass ein Spieler zu 100 Prozent in unser Profil passt, was Qualität und Mentalität angeht. Wir sind ein Ausbildungsklub und wollen die Jungen hochbringen», sagt Spycher. Dass in der Schweiz geborene, afrikastämmige Spieler aber gut ins YB-Beuteschema passen, bestätigt Chapuisat. «Der Fussball ist schneller und physischer geworden. Diese Spieler bringen die nötigen Voraussetzungen mit, sind aber auch deshalb interessant, weil sie in der Schweiz im taktischen und technischen Bereich gut ausgebildet wurden.»

Die guten Kontakte in die Romandie

Graf sagt: «Sie sind hungrig und frisch. Das Publikum hat Freude an Typen wie Kevin Mbabu, wenn dieser mit seinen Rastazöpfchen wie ein Töff nach vorne prescht.» Spycher weist jedoch darauf hin, dass Spieler wie Christian Fassnacht und Miralem Sulejmani den «Afrikanern» betreffend Schnelligkeit und Technik in nichts nachstünden.

Seydou Doumbia sorgte bei YB vor einigen Jahren für Furore. Bild: KEYSTONE

Als vor neun Jahren Seydou Doumbia aus Japan für ein paar Franken zu YB kam (und später für 15 Millionen weiterverkauft wurde), entstand die Idee einer Zusammenarbeit mit der Fussballakademie AS Adjamé in der Elfenbeinküste. Diese wurde aber nach zwei Jahren wieder beendet, weil sich YB in der Spielerauswahl zu sehr eingeschränkt sah. Auch mit dem Spielervermittler Jean Bernard Beytrison, bei dem die halbe Mannschaft unter Vertrag stand, wird nicht mehr geschäftet.

Mit Denis Zakaria, Yvon Mvogo, Jordan Lotomba und Kevin Mbabu haben die Young Boys einige Spieler aus der Romandie nach Bern gelockt. Dies einerseits dank der Partnerschaft mit dem Team Fribourg, andererseits wegen der hervorragenden Kontakte Chapuisats in die Westschweiz. «Wichtig ist, dass die Spieler sehen, dass sie bei YB eine Chance bekommen», sagt Chapuisat. «YB ist ein attraktives Sprungbrett in eine grosse Liga», sagt Spycher.

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • AlpenMaradona 19.11.2017 18:51
    Highlight Who cares. Hauptsache Basel wird nicht Meister....
    9 1 Melden
  • demian 19.11.2017 15:50
    Highlight Wir sprechen von gerade mal 4 Afrikanern. Der Rest sind Schweizer oder EU-Bürger.

    Ich würde mal sagen viel Lärm um nichts.
    15 8 Melden
  • Fruchtzwerg 19.11.2017 15:29
    Highlight Was für ein Quatsch!
    Das wilde Zusammenkaufen von beliebigen Spielern aus Afrika (oder woher auch immer) ist lediglich ein Abbild der Auswüchse des modernen Fussballs.
    Da gefallen mir die Bemühungen von GC und Basel deutlich besser, die mit einer eigenen Fussball-Akademie (und der dazu gehörigen schulischen Ausbildung) den Spielern aus der Region das Rüstzeug für den Fussball UND das Leben mitgeben.
    19 44 Melden
    • loquito 19.11.2017 15:45
      Highlight YB machts gleich, nur gibt YB schweizern mit afrikanischen Wutzeln, die anderen solchen mit Balkan-Wurzeln eine Chance...
      17 3 Melden
    • demian 19.11.2017 15:51
      Highlight Wenn ich mir den Kader von Basel anschaue, wimmelt es da nicht gerade von Nachwuchsspielern aus der eigenen Akademie.
      25 3 Melden
    • häfi der Spinat 19.11.2017 16:15
      Highlight Der Weg von YB ist eben wesentlich günstiger als die Nachwuchsförderung.

      Von da her wirklich ein wenig Abbild der Schweiz.
      7 16 Melden
  • häfi der Spinat 19.11.2017 15:21
    Highlight Das die Schweiz ein multikulturelles Land ist, ist Realität. Was dies mit den z.T. aus Afika geholten Spielr zu tun hat, ist eine andere Frage.

    Wenn man an die Kosten denkt, und das die Sozhilfeqote von Eriteern 2015 fast 84 Prozent betrug,, muss man sich fragen, ob diese Entwicklung im Sinne der schon länger in der Schweiz lebenden Personen ist.
    14 35 Melden
    • demian 19.11.2017 15:53
      Highlight Hat jetzt mal absolut nichts, aber auch gar nichts mit Migranten aus Eritrea zu tun.

      Keine Angst, die Spieler werden von YB bezahlt und fallen nicht dem Schweizer Staat zur Last.
      27 3 Melden
    • häfi der Spinat 19.11.2017 19:12
      Highlight Doch der Titel dieses Artikels.
      Haben sie, s gar nicht bemerkt?
      1 9 Melden
  • Luca Brasi 19.11.2017 15:08
    Highlight YB profitiert v.a. von der sehr guten Nachwuchsarbeit von Servette, Lausanne und Xamax...
    20 11 Melden
    • AJACIED 19.11.2017 15:41
      Highlight Versteht sich von selbst das die jungen Schwarz Afrikaner zuerst zu einem welschen Club gehen wo sie auch französisch reden können!
      14 8 Melden
  • dave1771 19.11.2017 15:00
    Highlight der Bänz Friedli hat doch gerade noch gesagt, das sei rassistisch... von Afrikanern zu sprechen, die doch in der Schweiz grosswurden...
    28 6 Melden

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