Gesellschaft & Politik
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«Ich Zahle volle Steuern»

Wasser gepredigt, Wein getrunken: Die besten Vorher/Nachher-Zitate prominenter Steuersünder

Alice Schwarzer fühlt sich nach Offenlegung ihrer Steuersünden zu Unrecht angegriffen. Ein Blick auf andere Ertappte zeigt: Die meisten tun heimlich, was sie öffentlich verurteilen.

04.02.14, 11:09 04.02.14, 13:54

Ein Artikel von

Nun also auch sie: Alice Schwarzer bunkerte jahrelang Geld auf einem Schweizer Konto und versteuerte die Zinserträge nicht. Der Spiegel machte den Vorfall öffentlich – und Schwarzer reagierte erbost auf die Enthüllung.

«In eigener Sache» schreibt sie auf ihrer Homepage und bezichtigt die Medien unter anderem der «Denunziation» und «Rufschädigung». Sie habe ihren Fehler wieder gutgemacht, schreibt Schwarzer. Und fordert ihr Recht auf Persönlichkeitsschutz.

Aber gerade Prominente müssen damit leben, dass sie an ihren öffentlichen Aussagen gemessen werden. Und die stehen mitunter in einem eklatanten Widerspruch zu dem, was sie privat leben.

Schwarzer, Hoeness, Sommer, Quinn: Wir haben Zitate von berühmten Steuersündern gesammelt – vor und nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen sie. 

Alice Schwarzer

ZU DEN MELDUNGEN UEBER EIN  SCHWEIZER KONTO VON ALICE SCHWARZER STELLEN WIR IHNEN AM SONNTAG, 2. FEBRUAR 2014 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - German columnist Alice Schwarzer gives an interview after delivering evidence at the trial of Swiss TV weather anchor Joerg Kachelmann in Mannheim, Germany, 09 February 2011. EPA/RONALD WITTEK

Bild: EPA

Davor: 

«Das Private ist politisch»

Alice Schwarzer

Alice Schwarzer selbst nennt den Spruch einen «der berühmtesten Slogans der Frauenbewegung». Sie hat ihn in Interviews zitiert und zuletzt am 20. Januar dieses Jahres einen Text auf ihrer Homepage damit betitelt. Es ging um Frankreichs Präsident Hollande und seine Frauengeschichten. Im Mai 2006 sprach Schwarzer mit dem Spiegel, es ging dabei unter anderem um Politiker in der Öffentlichkeit: «Ich, Alice Schwarzer, kann Ihnen aus der Summe meiner gerüttelten Erfahrungen sagen: Es geht nicht darum, wie man es macht oder wie man aussieht, es geht darum, was man tut.»

Danach: 

«Ich habe die Steuer für die Zinsen nachgezahlt und das Konto aufgelöst. Das Konto war ein Fehler. Den bedauere ich von ganzem Herzen.»

Alice Schwarzer

Mit dieser Stellungnahme reagierte Schwarzer auf einen Bericht des Spiegel, in dem erstmals über ihr Schweizer Konto berichtet wurde.

Uli Hoeness

epa03669766 (FILE) An archive photo dated 27 November 2012 shows Uli Hoeneß, President of FC Bayern Munich, speaks at a press conference in Munich, Germany. The prosecution investigates against Hoeneß for alleged tax evasion. According to reports on 20 April 2013 of the news magazine 'Focus' Hoeneß initiated the investigations through a voluntary declaration.  EPA/VICTORIA BONN-MEUSER

Bild: EPA

Davor: 

«Ich weiss, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.»

Uli Hoeness

Das betonte FC-Bayern-Präsident Uli Hoeness 2005 in einem Interview mit der «Bild»-Zeitung. Nun muss sich Hoeness ab dem 10. März vor dem Landgericht München wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe verantworten. Vielleicht hätte er besser einen Satz beherzigen sollen, den er 2011 gegenüber der Zeitschrift «Brand Eins» geäußert hatte: «Natürlich will ich Erfolg, aber nicht um jeden Preis. Wenn es um Geld geht, muss man auch mal zufrieden sein.»

Danach: 

«Ich mache mir natürlich riesige Vorwürfe. Ich habe Riesenmist gebaut, aber ich bin kein schlechter Mensch.»

Uli Hoeness

Im Mai 2013 zeigte sich Hoeness gegenüber der «Zeit» reuig. Die Vorwürfe gegen ihn waren im April bekannt geworden. 

Theo Sommer

Der deutsche Publizist und Mitherausgeber der

Bild: AP

Davor: 

«Doch muss sich die Verantwortung der Managerklasse nicht nur bei den Einkommensansprüchen erweisen. Sie muss sich darüber hinaus in einer sauberen, ehrlichen Geschäftsmoral widerspiegeln, wenn Big Business nicht schlechthin mit organisierter Kriminalität in eins gesetzt werden soll.»

Theo Sommer

Der frühere «Zeit»-Herausgeber Theo Sommer hielt im September 2006 einen 45-minütigen Vortrag bei E.on Düsseldorf. Dabei ging es um «Die Verantwortung von Grosskonzernen in der globalisierten Welt» – und Sommer schwang die Moralkeule. 

Danach: 

«Das war eine Torheit, die ich bereue. Ich habe aber inzwischen die gesamte Steuerschuld abgetragen, und zwar unter Inkaufnahme grosser Opfer für meine Altersversorgung und die meiner Frau. Ich habe aus der Sache meine Lehre gezogen und kann nur wünschen, dass auch andere sie beherzigen.»

Theo Sommer

Ende Januar dieses Jahres wurde Theo Sommer wegen Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten auf Bewährung verurteilt. Ausserdem muss er eine Geldbusse von 20'000 Euro zahlen. Er hatte zwischen 2007 und 2011 Steuern in Höhe von 649'000 Euro nicht bezahlt. Mit dem «Hamburger Abendblatt» sprach er über den Fall. Neben der oben genannten Erklärung sagte Sommer auch: «Ich habe mich immer in erster Linie um meine Arbeit gekümmert, nicht um meine Finanzen.»

Klaus Zumwinkel

epa01609102 Defendant Klaus Zumwinkel, former CEO of Deutsche Post AG, stands in the courtroom of Regional Court Bochum, Germany, 22 January 2009. The 65-year-old is charged on the grounds of tax evasion.  He is accused of having installed a foundation in favour of himself in Liechtenstein in 1986 and not having paid any taxes on the foundation's revenues.  EPA/Bernd Thissen

Bild: EPA

Davor: 

«Führungskräfte sind Vorbilder»

Klaus Zumwinkel

Ein schlechteres Timing hätte es für Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel nicht geben können. An einem Mittwoch im Februar 2008 wurde die Mitarbeiterzeitung «Premium Post» mit oben genanntem Zitat bundesweit verteilt. Einen Tag später fand eine Razzia in Zumwinkels Privatvilla statt. Der Vorwurf: Zumwinkel soll mit Hilfe einer Liechtensteiner Stiftung massiv Steuern hinterzogen haben.

Danach: 

«Das war der grösste Fehler meines Lebens.»

Klaus Zumwinkel

Das sagte Zumwinkel im Januar 2009 über die Gründung der Liechtensteiner Stiftung – und zwar während des Prozessauftaktes. Am Ende wurde Zumwinkel zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldbusse von einer Million Euro verurteilt. 

Freddy Quinn

Der Entertainer und Saenger Freddy Quinn richtet zu Beginn seines Prozesses am Mittwoch, 17.November 2004, im Landgericht in Hamburg seine Krawatte. Quinn muss sich wegen Steuerhinterziehung verantworten. (AP Photo/Fabian Bimmer, pool)

Bild: AP

Davor: 

«Meine grosse Stärke ist die absolute Ehrlichkeit.»

Freddy Quinn

Im September 2001 sagte Schlagersänger Freddy Quinn diesen Satz im Interview mit der «Welt am Sonntag». Es war kurz vor seinem 70. Geburtstag – und drei Jahre vor seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung. 

Danach: 

«Das war eine Untat. Es tut mir leid»

Freddy Quinn

2004 hat Quinn vor Gericht gestanden, Steuern in Höhe von umgerechnet rund 900'000 Euro hinterzogen zu haben. Er wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung un einer Geldbusse von 150'000 Euro verurteilt. «Zu Finanzen und Geld habe ich überhaupt keine Relation», sagte Quinn. 

(aar) 



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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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