Türkei
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Was wirklich hinter der Türkei-Krise steckt

Tobias Schmidt / DPA



epa06943382 (FILE) - US President Donald J. Trump (L) looks at Turkey's President Recep Tayyip Erdogan (R) at NATO headquarters in Brussels, Belgium, 11 July 2018 (reissued 11 August 2018). Turkish President Erdogan condemned US President Trump's doubling of tariffs on Turkish steel and aluminium imports up to 50 percent. The Turkish lira plunged over 20 percent against the US dollar after Trump's announcement on 10 August 2018, which has been exacerbated over the disputed imprisonment of US pastor Andrew Brunson in Turkey.  EPA/TATYANA ZENKOVICH

Zankhähne: Trump und Erdogan. Bild: EPA POOL

Ein Streit zwischen Trump und Erdogan ist verantwortlich für die Lira-Krise. Zumindest scheinbar. Denn hinter der Krise steckt weit mehr.

Unsicherheit und Unmut in der Türkei

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Video: srf

Anscheinend ist es der Konflikt zwischen zwei machtbewussten Staatschefs um einen Pastor, der die Währungskrise in der Türkei verursacht hat. Doch die diplomatische Auseinandersetzung zwischen US-Präsident Donald Trump und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan waren nur der Auslöser. Hinter der Krise steckt vielmehr eine Fehlentwicklung, von der die türkische Wirtschaft schon seit Jahren geprägt ist – und nicht nur sie. Die Lösung der Krise könnte zu einer internationalen Aufgabe werden.

Der kurzfristige Auslöser

Andrew Craig Brunson, an evangelical pastor from Black Mountain, North Carolina, arrives at his house in Izmir, Turkey, Wednesday, July 25, 2018 An American pastor who had been jailed in Turkey for more than one and a half years on terror and espionage charges was released Wednesday and will be put under house arrest as his trial continues. Andrew Craig Brunson, 50, an evangelical pastor originally from Black Mountain, North Carolina, was let out of jail to serve home detention because of

Andrew Brunson. Bild: AP/AP

Scheinbar dreht sich alles um den US-Pastor Andrew Brunson, der in der Türkei unter Hausarrest steht und dem bis zu 35 Jahre Gefängnis drohen. Trump fordert die sofortige Freilassung, liess Sanktionen gegen zwei türkische Minister verhängen und bestehende Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe verdoppeln. Die Fronten sind verhärtet. Zuletzt entschied ein türkisches Gericht abermals gegen Brunsons Freilassung. Die Türkei verhalte sich «nicht wie ein Freund», sagte Trump – und droht mit weiteren Sanktionen.

Die wahren Ursachen

epa06949260 People walking in front of the The Turkish central bank in Ankara, Turkey, 14 August 2018. The Turkish central bank on 13 August 2018 said it was closely monitoring the lira's performance and seek counter-measures. The Turkish lira hit a new record low against the US dollar within the scope of an escalating feud with the USA.  EPA/STR

Bild: EPA/EPA

Dass die türkische Wirtschaft aber derart empfindlich auf den Streit mit den USA reagiert, hat tieferliegende Gründe. Im Zuge der jüngsten Finanzkrise hatten führende Notenbanken ihre Zinsen auf Rekordtiefs gesenkt, um die heimische Wirtschaft mit billigen Krediten zu versorgen. Das hat viele Investoren in Schwellenländer gelockt, wo die Zinsen höher waren. Doch inzwischen hat der Wind gedreht: Die US-Notenbank Fed hebt ihre Zinsen wieder an und die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte in absehbarer Zeit folgen. Viele Investoren ziehen ihr Geld daher wieder aus Schwellenländern ab. So steht nicht nur in der Türkei die Währung unter Druck, sondern – in geringerem Ausmass – auch etwa in Argentinien, Südafrika und Indien.

Der Absturz der Lira ist ausserdem ein besonders drastischer Ausdruck jahrelang aufgebauter Fehlentwicklungen in der Türkei. Schon seit mehr als einem Jahrzehnt importiert die Türkei viel mehr Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland als sie exportiert. Das wird auf Pump aus dem Ausland finanziert. Die US-Ratingagentur Fitch schätzt den Finanzierungsbedarf der Türkei allein für dieses Jahr auf 229 Milliarden Dollar. Vor allem die türkischen Unternehmen sind hoch verschuldet; und das zum grossen Teil in Fremdwährungen wie Euro oder Dollar. Das macht es den Firmen in der Lira-Krise noch schwerer, ihre Schulden zu begleichen.

Die Krisenbekämpfung

Turkey's President Recep Tayyip Erdogan delivers a speech at his ruling Justice and Development Party (AKP) congress in Ankara, Turkey, Saturday, Aug. 18, 2018. Erdogan said Saturday his country will stand strong against an

Bild: AP/AP

Die Türkei versucht nun, den Brand zu löschen. Der Industrieminister stellt einen 16-Punkte-Plan zur Unterstützung kleinerer Betriebe vor, der Finanzminister beruhigt Investoren und der Staatschef konsultiert seine Amtskollegen aus Deutschland und Frankreich. Jedoch sind sich die meisten Ökonomen einig, dass vor allem eine Zinsanhebung notwendig wäre, um die Lage in den Griff zu bekommen. Doch Erdogan ist dagegen. Die türkische Notenbank erhöhte zwar indirekt den Zins, indem sie Banken auf einen höheren Leitzins verwies. Laut Fitch kann aber nur eine offizielle Leitzinsanhebung wieder mehr Geld ins Land locken.

Der ungeliebte IWF

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) wird als möglicher Helfer ins Spiel gebracht. «Wenn das Land Notkredite braucht – und darauf deutet vieles hin –, bleibt Erdogan keine andere Wahl, als den IWF um Hilfe zu bitten», sagte unlängst der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, in einem Interview. Allerdings dürften sich die USA dagegen stemmen, und Erdogan lehnt IWF-Hilfen bislang ab. Denn die Programme des Fonds sind mit harten Auflagen wie Sparmassnahmen verbunden, die auch unter Ökonomen umstritten sind. So bleibt der Türkei bislang lediglich eine 15 Milliarden Dollar schwere Investitionshilfe aus Katar – ein Tropfen auf den heissen Stein.

Die Rolle der Fed

epa06949142 A Kenyan man shows one-hundred US dollar bills at a currency exchange office in Nairobi, Kenya, 14 August 2018. The Turkish currency Lira has lost some 40 percent in value against the US dollar amid a growing dispute between the USA and Turkey. Turkey's President Recep Tayyip Erdogan on 10 August 2018, called on Turkish citizens to exchange gold and foreign currency to Lira in a bid to strengthen the currency amid an economic crisis following US President Trump's doubling of tariffs on Turkish steel and aluminum imports up to 50 percent.  EPA/DANIEL IRUNGU

Bild: EPA/EPA

Wenn sich in den kommenden Tagen führende Notenbanker der Welt zu ihrem alljährlichen Branchentreffen im US-Örtchen Jackson Hole zusammenfinden, dürften die Schwellenländer eines der grossen Gesprächsthemen sein. Eine Korrektur am Zinserhöhungskurs der Fed mit Rücksicht auf die Türkei wird es aber laut Ulrich Leuchtmann, Experte bei der deutschen Commerzbank, nicht geben. «Die Fed hat ein nationales Mandat und ist nicht bekannt dafür, sich als Entwicklungshelfer für schwächelnde Schwellenländer zu verstehen.» Dies gelte zumindest, solange es nicht zu einer breit angelegten Schwellenländerkrise komme, die das US-Finanzsystem belasten würde. Oder anders formuliert: Allen globalen Abhängigkeiten zum Trotz – es herrscht das Eigeninteresse. (awp/sda/dpa)

User zerstören iPhone-Geräte für Erdogan

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Video: watson

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    Alle Leser-Kommentare
  • Saraina 21.08.2018 19:30
    Highlight Highlight Ja, wer den IWF meidet und sein Gold aus den USA abzieht hat schlechte Karten.
    3 5 Melden
  • Nelson Muntz 21.08.2018 14:55
    Highlight Highlight Ein grössenwahnsinnigen Sultan der von einem Grossosmanischen Reich träumt, das ist der Grund.
    38 8 Melden
  • TheGoon 21.08.2018 14:17
    Highlight Highlight Die QE Gun und ihre Folgen.

    In ihrem neuen Buch "Collusion" geht Naomi Prins darauf ein wie die 2008 Krise den Einfluss von Zentralbanken verändert hat.
    In diesem Google Talk kann man sich vorab ein Bild machen.

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    5 5 Melden
  • m. benedetti 21.08.2018 13:15
    Highlight Highlight Diese awp/sda/dpa Meldung habe ich auch bei bluewin.ch gelesen. Wo bleibt Herr Löpfe? Es könnte nämlich durchaus auch eine „Bestrafung“ sein für die Annäherung der Türkei an Russland und der Beschaffung von russischem Kriegsmaterial, sowie der Rolle der Türkei gegen die Kurden in Syrien.
    17 31 Melden
  • tzhkuda7 21.08.2018 13:15
    Highlight Highlight Der Irrglaube im Kapitalismus


    EZB Dragoni:
    "Wenn jedes Land mehr exportert als es Importiert, kann das Schuldenproblem weltweit gelöst werden.

    Finde den Fehler. Und diesen Spass spielen die seit der Finanzkrise mit uns weiter
    48 4 Melden
    • Firefly 21.08.2018 15:21
      Highlight Highlight Naja, mit einem schwarzen Loch zwischen den Ländern kriegt man das vielleicht noch hin! Was glaubst du wollen die wirklich am CERN?! ;)
      19 1 Melden
    • Oh Dae-su 21.08.2018 15:23
      Highlight Highlight Ich hoffe ja, dass Herr Draghi das so nicht wirklich gesagt hat. Anderenfalls würde ich ihm dringendst empfehlen, nochmals einen Kurs in Volkswirtschaftslehre zu besuchen.
      14 0 Melden
  • flubi 21.08.2018 12:09
    Highlight Highlight Solange 50% der Türken ihrem Erdi wie Schafe nachlaufen tun mir nur die 50% der Türken leid die selbst denken können! Für die Anderen denkt ja der Sultan in seinem grossen Schloss.
    298 9 Melden
    • DaveTheBrave 21.08.2018 16:35
      Highlight Highlight
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      11 0 Melden
    • Oberon 21.08.2018 16:54
      Highlight Highlight Wer glaubt das Gott dies richten wird hat leider nichts anderes verdient.
      11 5 Melden
  • aglio e olio 21.08.2018 11:56
    Highlight Highlight Man kann es drehen wie man will, das Ganze betrifft am Ende hauptsächlich den "einfachen" Bürger, der die Auswirkungen in seinem Alltag am meisten zu spüren bekommt. Das wiederum spielt Extremisten jeglicher Coleur in die Hände.
    Die einen wissen das geschickter für ihre Zwecke zu nutzen, andere weniger.
    124 3 Melden
    • Rabbi Jussuf 21.08.2018 13:28
      Highlight Highlight Das stimmt leider.
      Trotzdem würde es noch schlimmer, wenn man jetzt helfen würde, so wie die SPD das möchte. Man hülfe doch nur dem Sultan, noch weiter auf dem Thron zu bleiben.
      26 11 Melden
  • sherpa 21.08.2018 11:50
    Highlight Highlight Dass die Türkei seit Jahren auf Punp lebt, alles Investitionen auf Pump getätigt werden und nach wie vor werden ist seit längerem bekannt. Erdogan hat es jedenfalls nicht geschafft, all seine Versprechen einzulösen, welche er den Türken unter die Nasen gerieben hat und wie es scheint, wird er auch in Zukunft nur eines seiner großspurig verkündeten Versprechen einhalten können. Die benötigen Gelder aufzutreiben wird immer schwieriger, die entsprechenden Zinsen immer höher und so wird der Diktator früher oder später einfach aufgeben und zurücktreten müssen
    145 5 Melden
    • DerTaran 21.08.2018 12:26
      Highlight Highlight Oder die Demokratie einfach abschaffen, die Shahira einführen und mit Hilfe des Militärs regieren.
      9 16 Melden
    • redeye70 21.08.2018 12:27
      Highlight Highlight Der stürzt lieber sein Land ins totale Chaos als nur einen Fehler zuzugeben und zu demissionieren. Das Volk wählte ihn vor allem wegen der stark gewachsenen Wirtschaft. Dies geschah aber nur auf Pump. Dann dieses grössenwahnsinnige Aufplustern der Türkei auf der int. politischen Bühne und Kriegsabenteuer in Syrien und Irak. Wie es scheint muss auch das türkische Volk seine Lektion selber lernen in Bezug auf Demagogen.
      43 2 Melden
    • Alex_Steiner 21.08.2018 12:54
      Highlight Highlight Ähm... so ziemlich jedes Land hat Schulden. Also auch wenn Erdogan weg ist - und die Welt ihnen alle Schulden erlässt. Dann wird die neue Regierung neue Schulden aufnehmen. So funktioniert das auf dieser Welt.
      26 6 Melden
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