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Bild: huawei

Huawei ohne Google – das sind die 5 brennendsten Fragen, wie es jetzt weitergeht

09.09.2020, 20:23

Am 10. September hält Huawei seine alljährliche Entwicklerkonferenz ab. Nach den Turbulenzen 2019 durch den US-Bann hat sich Huawei gefangen und gewöhnt sich langsam an ein Leben ohne Google. Trotzdem hat der Hersteller weiterhin mit immer neuen Sanktionen der USA zu kämpfen, die unter anderem auch das Chipgeschäft betreffen.

Das wirft viele Fragen auf, von denen einige an der kommenden Pressekonferenz beantwortet werden müssen. Nur so kann der chinesische Konzern sicherstellen, dass das Vertrauen von Kunden und Entwicklern nicht verloren geht.

Hinweis: Die Entwicklerkonferenz läuft inzwischen. Alle wichtigen Updates dazu findest du in diesem Beitrag.

(Wie) Werden alte Huawei-Handys mit Updates versorgt?

Bisher war in Sachen US-Embargo alles relativ klar geregelt: Handys, die nach Mai 2019 erscheinen, kommen ohne Google-Unterbau, da diese nicht mehr zertifiziert werden dürfen. Alle Huawei-Smartphones, die vor dieser Zeit in den Handel kamen, durften weiterhin Google-Apps nutzen und erhielten Android- und Sicherheits-Updates.

Möglich machte dies eine Ausnahmelizenz der USA, welche jeweils 90 Tage Gültigkeit hatte und mehrmals verlängert wurde. Im August haben die USA diese Lizenz aber nicht mehr erneuert, um die Sanktionen weiter zu verschärfen.

Das <a target="_blank" rel="follow" href="https://www.watson.ch/digital/huawei/514889032-huawei-laesst-die-muskeln-spielen-drei-neue-top-handys-und-celia">Huawei P40 Pro</a> hat eine leistungsfähige Kamera, aber keine Google-Zertifizierung.
Das Huawei P40 Pro hat eine leistungsfähige Kamera, aber keine Google-Zertifizierung.
Bild: watson

Für Google bedeutet dies, dass sie Huawei nun auch nicht mehr für die bereits in Verkauf gebrachten, Google-zertifizierten Geräte mit Software versorgen dürfen.

Das Verbot ist vor allem in Sachen monatlicher Sicherheits-Updates bedenklich, da ein Ausbleiben dieser Updates die Handys angreifbar machen könnte. Doch auch Google-Apps wie YouTube, Google Pay oder Maps erhalten so theoretisch keine Updates mehr. Und natürlich betrifft das im Endeffekt auch das Android-Betriebssystem selbst.

Huawei hat relativ rasch reagiert und gesagt, man müsse sich keine Sorgen machen. Dennoch bleibt eine grosse Unsicherheit. Vor allem auch, weil Google sich in Schweigen hüllt.

Bei den Sicherheits-Updates sieht es so aus, als wolle Huawei diese schlicht adaptieren. Bei Android kann Huawei immer noch auf die Open-Source-Version zurückgreifen und neue Features mithilfe der eigenen Benutzeroberfläche EMUI 11 einbauen. Laut Huaweicentral.com gibt es bereits eine lange inoffizielle Liste von Geräten, die angeblich Android 11 erhalten sollen. Viele davon sind aber Post-Google-Geräte, die sowieso nur die Open-Source-Version nutzen. Immerhin scheint es, als erhielten die Geräte der P30-Serie Android 11.

Damit bleibt Huawei allerdings zumindest noch die Frage schuldig, wie man Google-Apps in Zukunft aktuell halten will. Es dürfte wohl nicht im Interesse der User liegen, wenn Google Drive oder Google Pay durch fehlende Updates potenzielle Sicherheitslücken aufweisen.

Woher will Huawei in Zukunft Chips beziehen?

Richard Yu, der Chef der Consumer-Sparte von Huawei, hat es selbst gesagt: Am 14. September laufen die letzten Huawei-Chips von den Produktionsbändern. Auftragsfertiger wie TSMC nehmen bereits seit Mitte Mai keine neuen Bestellungen mehr von Huawei an. Lange Zeit sah es so aus, als könnte Huawei auf Mediatek ausweichen, doch nach den neusten Sanktionen ist auch das nicht mehr möglich.

Bild: EPA

Huawei kann damit ab dem 15. September keine konkurrenzfähigen Chips mehr produzieren oder bestellen. Zwar gibt es in China einige Hersteller, die ohne US-Patente oder Technologien auskommen, allerdings hinken deren Chips technisch mehrere Jahre hinterher. Chips mit 5G-Mobilfunktechnik, die für Huawei überaus wichtig ist, kann die inländische Chip-Industrie nicht ohne US-Patente liefern.

Für den Moment wird Huawei noch Smartphones und andere Geräte herstellen können: Bereits letztes Jahr haben die Chinesen damit begonnen, grosse Lagerbestände von Highend-Chips anzulegen. Dennoch dürften diese kaum für das gesamte Jahr 2021 reichen – zumal Huawei keinen Zugriff auf neue, bessere Chips hat.

Qualcomm: Vom grossen Konkurrenten im 5G-Rennen zum Hoffnungsträger für Huawei.
Qualcomm: Vom grossen Konkurrenten im 5G-Rennen zum Hoffnungsträger für Huawei.
Bild: AP/AP

Mediatek und Qualcomm haben bei der US-Regierung zwar eine Ausnahmelizenz beantragt, es scheint aber unwahrscheinlich, dass diese genehmigt wird.

Angesichts dieser schier aussichtslosen Lage gab es bereits etliche Gerüchte, wonach Huawei aus dem Smartphone-Geschäft aussteigen werde. Der Hersteller hat diese vorläufig dementiert. Ob Huawei das Thema an der HDC tatsächlich ansprechen wird, ist fraglich. Wünschenswert wäre es.

Wie geht es mit HarmonyOS weiter?

Auch wenn Huawei noch immer betont, dass man weiterhin mit Google zusammenarbeiten möchte: Mit HarmonyOS arbeitet man an einer hauseigenen Software-Alternative. In der Theorie könnte Huawei damit ein eigenes, geschlossenes Ökosystem à la Apple aufbauen.

Bild: Huawei

In der Praxis ist das allerdings um einiges schwieriger. Vor allem in Sachen Mobile-Apps ergibt sich ein grosses Fragezeichen: HarmonyOS ist nicht nativ mit Android-Apps kompatibel. Huawei muss also Entwickler überzeugen, ihre Apps zu portieren. Eine Aufgabe, an der auch schon Microsoft mit Windows Phone gescheitert ist. Um HarmonyOS zu etablieren, braucht Huawei also einen sehr langen Atem.

Diesen Herausforderungen ist sich der chinesische Hersteller durchaus bewusst. Im April scherzte Huawei-Gründer Ren Zhengfei in einem Interview mit der South China Morning Post, dass man wohl 300 Jahre brauchen würde, um Android oder iOS einzuholen.

Ren Zhengfei.
Ren Zhengfei.
Bild: EPA

Richard Yu gibt sich allerdings zuversichtlich. Anfang September meinte er, dass HarmonyOS bereits etwa 70 bis 80 Prozent von Android ersetzen könne. Yu spielt dabei sogar mit der Option, das HamonyOS gar kein Huawei-exklusives Betriebssystem bleibt:

«Wenn es [Android] in Zukunft blockiert wird, sodass alle chinesischen Unternehmen das Google-Ökosystem nicht mehr nutzen können, kann unser Ökosystem global verkauft werden und ein Ökosystem aufgebaut werden, das Google ersetzen kann.»

Mittlerweile scheint es immer wahrscheinlicher, dass Huawei 2021 ein erstes Handy mit HarmonyOS lancieren wird – vermutlich aber nur in China. Zumindest sollen firmenintern schon Geräte existieren, die mit HarmonyOS laufen.

Abseits der Smartphone-Bubble gibt es bereits einen Fernseher der Tochtermarke Honor, der mit HarmonyOS läuft. Erschienen ist er im Herbst 2019. Im Juli hat der chinesische Elektroauto-Hersteller BYD ausserdem angekündigt, ebenfalls auf HarmonyOS zu setzten. Im August wurde mit dem Han EV bereits ein erstes Modell vorgestellt. Die Version für Autos heisst dabei «HiCar». Glaubt man Huawei, sollen bereits 30 Hersteller Modelle planen, bei denen HiCar zum Einsatz kommt, darunter auch Audi.

Der Han EV wird mit der Autoversion von HarmonyOS namens HiCar ausgestattet.
Der Han EV wird mit der Autoversion von HarmonyOS namens HiCar ausgestattet.
Bild: BYD

Wie geht der Ausbau der AppGallery voran?

Bild: Huawei

Es ist durchaus erstaunlich, wie viele Entwickler Huawei schon dazu gebracht hat, ihre Apps in der AppGallery, dem hauseigenen App Store, zu veröffentlichen. In Ergänzung mit Petal Search, wo man sich Apps aus externen Quellen besorgen kann, habe User so Zugriff auf rund drei Millionen Apps.

Petal Search ist aber nur eine kurzfristige Lösung, denn viele Android-Apps laufen ohne Integration der Huawei Mobile Services nicht einwandfrei.

Petal Search.
Petal Search.
Bild: watson

Entsprechend muss die AppGallery massiv ausgebaut werden. Aktuell würden laut Huawei zwar rund 5000 Apps pro Monat neu hinzugefügt, allerdings fehlen noch immer einige «Big Player». Um das Angebot möglichst schnell attraktiv zu machen, habe man daher die beliebtesten 3000 Apps weltweit ausfindig gemacht. Nun muss Huawei die entsprechenden Entwickler nur noch überzeugen, ihre Apps in die AppGallery zu laden. Das Problem hierbei ist sicher, dass das bei einigen Anbietern schlicht nicht möglich ist, da sie aus den USA stammen.

Apple Music ist via AppGallery tatsächlich verfügbar – auch wenn man auf die offizielle APK-Download-Seite von Apple weitergeleitet wird.
Apple Music ist via AppGallery tatsächlich verfügbar – auch wenn man auf die offizielle APK-Download-Seite von Apple weitergeleitet wird.
Bild: watson

Bei anderem wiederum muss Huawei einiges an Überzeugungsarbeit leisten. Ein prominentes Beispiel ist Spotify: Obwohl das Unternehmen nicht vom US-Bann betroffen ist, findet man die App nach wie vor nicht in der AppGallery. Als Alternativen gibt es Deezer oder den eigenen Dienst namens Huawei Music, ebenfalls kann man Spotify via Petal Search beziehen. Dennoch muss Huawei darauf hinarbeiten, dass möglichst alle Apps zentral verfügbar sind.

Wie sieht es mit Alternativen zu Google-Apps aus?

Ein digitales Leben ohne Google-Apps ist möglich. Wer allerdings tief im Google-Ökosystem verankert ist, wird mit Huawei-Handys ohne Lizenzierung nicht glücklich. Huawei muss also für brauchbaren Ersatz sorgen, der auch noch möglichst aus einem Guss ist.

Bild: Huawei

Entsprechend fleissig arbeitet man an diversen Google-Ersatz-Apps. Bereits erschienen sind unter anderem ein Cloud-Dienst, eine Musik-App und ein Streaming-Dienst, bei dem man auch Filme ausleihen kann. Ebenfalls soll bald der Sprachassistent «Celia» in Europa starten.

Neusten Gerüchten zufolge soll Huawei ebenfalls an einer eigenen Lösung für Google Maps arbeiten. Dafür hat man mit dem niederländischen Kartenpionier TomTom zusammengespannt. TomTom stellt Huawei bereits jetzt Schnittstellen für GPS-Schnittstellen zur Verfügung, die andere Entwickler nutzen können. Ebenfalls bietet TomTom auch seine eigene App TomTom GO Navigation in der AppGallery an.

Ebenfalls etwas, an dem Huawei noch arbeiten muss: Dass Anbieter auf ihren offiziellen Kanälen auf die AppGallery hinweisen, wenn sie die Anwendung anbieten.
Ebenfalls etwas, an dem Huawei noch arbeiten muss: Dass Anbieter auf ihren offiziellen Kanälen auf die AppGallery hinweisen, wenn sie die Anwendung anbieten.
Bild: TomTom

Was ist mit Google Pay und YouTube?

Zwei grosse Baustellen hat Huawei aber noch und diese lassen sich nicht eben mal schnell beseitigen: Zum einen wäre da Google Pay. Zwar hat Huawei bereits einen eigenen Bezahldienst am Start, diesen in Europa einzuführen dürfte aber dauern.

Das grössere Problem ist aber die YouTube-App. Im Moment bleibt Huawei nichts anderes übrig, als ein Lesezeichen auf dem Startbildschirm abzuspeichern, das auf die mobile Website der Videoplattform verweist. Ohne Aufhebung des US-Banns dürfte sich daran kaum etwas ändern.

Unter dem Strich gibt es also schon fast für alle Google-Dienste eine Alternative. Die verschiedenen Apps greifen aber noch lange nicht so nahtlos ineinander wie bei Google. Viele Dienste, wie beispielsweise Huawei Video, sind in der Schweiz noch gar nicht erhältlich. Hier muss Huawei also ordentlich Gas geben, um die Kunden bei der Stange zu halten.

Was denkst du? Schafft es Huawei trotz des US-Banns als Handy-Hersteller zu überleben?

Nebst neuer Software wird Huawei auch diverse neue Wearables vorstellen. Angeteasert wurden unter anderem Notebooks, Kopfhörer und Smart-Watches.

Die Huawei Developer Conference startet am Mittwoch um 9.00 Uhr Schweizer Zeit. watson fasst die wichtigsten Informationen des Events in diesem Beitrag zusammen. Wer den Event via Live-Stream selbst verfolgen möchte, kann dies hier tun.

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