Brexit
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Die EU hat genug: Kommission startet rechtliche Schritte gegen London



Im Brexit-Streit leitet die Europäische Union rechtliche Schritte gegen Grossbritannien wegen Verletzung des EU-Austrittsvertrags ein. Das kündigte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Donnerstag in Brüssel an.

Hintergrund ist das britische Binnenmarktgesetz, das am Dienstag vom Unterhaus beschlossen wurde und das Teile des bereits gültigen Austrittsvertrags aushebeln soll. Die EU-Kommission hatte der britischen Regierung ein Ultimatum bis Mittwoch gesetzt, die umstrittenen Klauseln des Gesetzes zurückzunehmen.

European Commission President Ursula von der Leyen, prepares to take off her protective mask, prior to making a statement regarding the Withdrawal Agreement at EU headquarters in Brussels, Thursday, Oct. 1, 2020. The European Union took legal action against Britain on Thursday over its plans to pass legislation that would breach parts of the legally binding divorce agreement the two sides reached late last year. (Johanna Geron, Pool via AP)

Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen knöpft sich die Briten vor. Bild: keystone

Da dies nicht geschah, verschickte die Brüsseler Behörde nun eine offizielle Anzeige nach London, dass sie eine Verletzung des Vertrags sieht. Von der Leyen gab der britischen Regierung einen Monat zur Stellungnahme. Es ist der erste Schritt eines Verfahrens, das letztlich vor dem Europäischen Gerichtshof enden könnte.

Das Binnenmarktgesetz – das noch vom britischen Oberhaus behandelt werden muss – wäre ein Verstoss gegen das im Vertrag festgelegte Prinzip des «guten Glaubens» und konkret gegen das Protokoll für Nordirland, sagte von der Leyen. Trotz des nun gestarteten Verfahrens werde die EU weiter auf volle Einhaltung des Austrittsvertrags pochen und sich selbst auch daran halten. «Wir stehen zu unseren Verpflichtungen», sagte von der Leyen.

Die EU hatte die Pläne von Premierminister Boris Johnsons als Vertrauensbruch und Verstoss gegen internationales Recht verurteilt. Die britische Regierung bezeichnet sie hingegen als «Sicherheitsnetz» für den Fall, dass vor Jahresende kein Handelsvertrag mehr mit der EU gelingt. Sie will damit vertraglich vereinbarte Sonderklauseln für Nordirland aushebeln.

Britain's Prime Minister Boris Johnson waves to the media as he leaves 10 Downing Street or go to the House of Commons his weekly Prime Minister's Questions in London, Wednesday, Sept. 30, 2020. (AP Photo/Alastair Grant)
Boris Johnson

Unter Druck: Boris Johnson. Bild: keystone

Die britische Provinz soll nach dem Vertrag enger an den EU-Binnenmarkt und die Zollunion gebunden bleiben, was Kontrollen im Güterverkehr mit dem übrigen Vereinigten Königreich nötig macht. London warnt, damit könnte Nordirland abgekoppelt werden. Im Brexit-Vertrag hatte Johnson dies jedoch akzeptiert.

Trotz des Streits über das Binnenmarktgesetz laufen diese Woche wieder Verhandlungen über den anvisierten Handelspakt beider Seiten für die Zeit nach der Brexit-Übergangsphase.

Grossbritannien verlässt Ende des Jahres auch den EU-Binnenmarkt und die Zollunion. Ohne Anschlussvertrag droht ein harter wirtschaftlicher Bruch mit Zöllen und anderen Handelshürden. (sda/dpa)

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